Cohäsion

[443] Cohäsion oder Cohärenz wird der Zusammenhang der Theile eines Körpers genannt, welcher den bei festen Körpern sehr bedeutenden Widerstand verursacht, den man bei Zertheilung derselben wahrnimmt. Da derselbe von keiner von außen herwirkenden Kraft abzuleiten ist, so muß er der im Innern der Körper sich äußernden Anziehungskraft der gleichartigen Theilchen derselben gegeneinander zugeschrieben werden. Wärme vermindert die Cohäsion der Körper, weil sie dieselben ausdehnt, Kälte dagegen, sowie verdichtend wirkende, mechanische Mittel, z.B. mäßiges Hämmern und zu »Draht« Ziehen der Metalle vermehrt sie; jedoch gilt die Dichtigkeit durchaus nicht als allgemeiner Maßstab der Größe des Zusammenhanges. Man findet dieselbe, indem man z.B. Draht durch angehängte Gewichte zerreißen läßt, was bei einem vierseitigen, überall 17/100Zoll breiten Eisendrahte durch die große Last von 1930 Pf., bei gleichem Bleidrahte schon durch 25 Pf. bewirkt wurde. Buchen- und Eichenholz besitzen unter den gewöhnlichen Holzarten die meiste Cohäsion; die Linde übertrift darin die Ulme und diese wieder die Tanne. Stricke von gleicher Stärke sind desto fester, aus je feinerm Flachs oder Hanf sie bestehen und je weniger sie zusammengedreht sind, und geflochtene Schnüre besitzen mehr Festigkeit als gedrehte, und seidene mehr als leinene. Der Faden einer Seidenraupe trägt 80–90 Gran, ein 57 Mal dickeres Menschenhaar 2069, ein 7 Mal so dickes Pferdehaar 7970 Gran. Auch an den Oberflächen sich wechselseitig berührender Körper äußert sich eine anziehende Kraft und erhält hier den Namen Adhäsion, Anhängung. Sie findet nicht blos zwischen festen Körpern, sondern auch zwischen flüssigen und festen und zwischen flüssigen verschiedener Art statt, und äußert sich unter Anderm durch die große Kraft, mit welcher geschliffene Platten von Metall, Marmor, Glas u.a. aneinander haften; auch gehört hierher das. Belegen der Spiegel mit Staniol und das Vergolden des Stahles, wobei das Gold nur auf den glatt geschabten Stahl gelegt und durch den Schlag eines schweren Hammers so befestigt wird, daß es nicht abgerieben werden kann. Für die Neigung tropfbar flüssiger Körper, sich an die Oberfläche fester anzuhängen, [443] fehlt es nicht an Beweisen, auch gehört dahin die Anziehung in Haarröhrchen oder Capillarität (s.d.). Die Benetzung der festen Körper hängt jedoch davon ab, wie viel die Cohäsion der Theile der Flüssigkeit ihre Adhäsion oder Neigung, sich anzuhängen, vermindert, daher z.B. ein Schwamm weit nasser aus dem Wasser gezogen werden wird, als ein gleichzeitig hineingetauchtes Stück Metall. weil die Neigung des Wassers, das Metall zu benetzen, sehr gering ist. Die Adhäsionskraft der Luft bezeugen die Luftbläschen, welche sich innerhalb einer Flüssigkeit an die Seiten eines Gefäßes oder an schnell unter Wasser getauchte feste Körper ansetzen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 443-444.
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