Rosenkreuzer

[747] Rosenkreuzer war der Name der Mitglieder einer geheimen Gesellschaft, von der man in Deutschland zuerst im Anfange des 17. Jahrh. durch verschiedene Schriften etwas vernahm, welche neben andern sonderbaren Behauptungen, von derselben auch unter den Namen der Unsichtbaren, Unsterblichen und Illuminaten rühmten, daß sie im Besitze der wichtigsten Naturgeheimnisse sei. Ihr Stifter soll danach ein Mönch von adeliger Herkunft, Christian Rosenkreuz aus Franken, gewesen sein, geb. 1378 und gest. 1484, der lange Zeit auf Cypern, in Palästina, Syrien, Arabien und überhaupt im Morgenlande sich aufgehalten, bei seiner Ankunft dort schon erwartet und dann in geheimer Weisheit und Kunst unterrichtet, zurückgesandt worden sein soll, um seine Landsleute zu erleuchten. Jene Schriften foderten die weisesten unter den Deutschen auf, sich zu verbünden, wechselseitig zu unterrichten und die Fürsten mit ihrer Unterweisung zu beglücken; denn es sollte auf Abhülfe des Verderbens der Menschen in politischer, moralischer, wissenschaftlicher und religiöser Hinsicht dabei abgesehen sein. Dies Alles war in einer mystischen Sprache ausgedrückt und machte auf die leichtgläubige und wundersüchtige Welt jener Zeit nur zu vielen Eindruck, sodaß es nicht an Leuten mangelte, welche von Adepten, Goldmachern, Geisterbannern und andern Betrügern unter dem Vorwande ausgebeutet wurden, ihnen die geheime Weisheit der Rosenkreuzer mitzutheilen, deren Orden den Himmel an die Erde ketten und den versperrten Weg zum Paradiese wieder öffnen sollte. Von Andern wird auch der würtemb. Theolog Joh. Valentin Andreä, gest. 1654 als Abt und Generalsuperindentent zu Adelsberg, für den eigentlichen Stifter der Rosenkreuzer angesehen, indem er einen von Agrippa von Nettesheim (s.d.) angeblich früher gestifteten Geheimbund erneuern wollte, der die Reinheit der zu damaliger Zeit von scholastischen Streitigkeiten herabgewürdigten Religion sollte bewahren helfen. Auch ein gewisser Rosius in der Dauphiné ward im 17. Jahrh. als Hersteller der »Hocherleuchteten Gesellschaft des h. Rosenkreuzes«, wie sie sich nannte, angenommen. Indessen gerieth diese sehr bald in Vergessenheit, aus der sie nur vorübergehend in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. wieder auftauchte, als das Treiben geheimer Orden und die mystischen Betrügereien von Abenteurern wie Cagliostro (s.d.), Joh. Georg Schrepfer (s.d.) und Andern, auch in höhern Kreisen sich viele Theilnahme zu erwerben wußten. Übrigens verwarfen die Rosenkreuzer die Zauberei und schwarze Kunst als Teufelswerke, gaben aber dafür ihren Geweihten die sogenannte weiße Magie, welche dieselbe Herrschaft über die Natur durch Gebet und innige Verbindung mit Gott erlangen und auf das Geisterreich sollte wirken können, Alles mittels außerordentlicher Frömmigkeit und Gottseligkeit.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 747.
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