Somnambulismus

[409] Somnambulismus (Schlaf, Schlafwandeln. »Entdecker«: PUYSÉGUR), ist ein psychischer »Dämmerzustand«, in welchem das davon betroffene Individuum ohne Erkennung der Umgebung sich mit instinctiver Sicherheit bewegt und agiert (vgl. HELLPACH, Grenzwiss. d. Psychol. S. 386.). Es ist ein Schlafzustand mit Erhaltung der Motionsfähigkeit, ein Zustand impulsiv-associativen Handelns, eine Art Wach-Traum. Früher (besonders bei SCHELLING, ESCHENMAYER, J. KERNER, SCHOPENHAUER u. a.) sah man im Somnambulismus vielfach einen geheimnisvollen seherischen, prophetischen ZustandHellsehen«, »Clairvoyance«). So ist noch nach J. H. FICHTE der Somnambulismus eine Enthüllung dessen, was im vorbewußten Wesen des Geistes liegt (Psychol. I, 555 ff.). DU PREL meint: »Die innere Selbstschau der Somnambulie könnte keine kritische sein ohne den Besitz eines Vergleichungsmaßstabes, d.h. ohne die [409] Vorstellung des normalen leiblichen Schemas. die Prognose der Somnambulen wäre nicht möglich ohne intuitive Kenntnisse der Gesetze des innern Lebens. die Heilverordnungen der Somnambulen könnten nicht wertvoll sein, wenn sie nicht aus demselben Subject kämen, welches die kritische Selbstschau vollzieht und die Entwicklungsgesetze der Krankheit kennt. Alle drei Erscheinungen aber wären nicht möglich, wenn nicht das transcendentale Subject zugleich das organisierende Princip in uns wäre« (Philos. d. Myst. S. 408). Vgl. SCHELLING, WW. I, 7, 477. I, 9, 61 f.. C. G. CARUS, Vorles. üb. Psychol. S. 313 ff.. WUNDT, Gr. d. Psychol.5, S. 334. Vgl. Hypnose, Traum.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2. Berlin 1904, S. 409-410.
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