Trinität

[519] Trinität, lat.-deutsch, griech. Trias (Dreieinheit, Dreieinigkeit), allerheiligste Dreifaltigkeit, Geheimniß der, heißt die über allen Menschenverstand hinaus gehende (transcendente) Lehre des Christenthums, daß in dem Einen göttlichen Wesen drei Personen sind, nämlich Vater, Sohn u. hl. Geist (Matth. 28,19.; 1 Joh. 5,7.). Laut dem Glaubensbekenntnisse (s. d.) der Kirche ist Gott der höchste. unendlich vollkommene Geist, Der aus Sich Selbst und durch Den alles ist (Joh. 4, 24.; Jes. 46,9.; Röm. 11, 35. 36.); Er ist ewig (Ps. 89, 2.; 101, 28.), unveränderlich (Jak. 1, 17.), allmächtig (Ps. 134, 6.; Luk. 1,37.), allgegenwärtig (Ps. 138, 7. 8.), allwissend (Ps. 7, 10.), allweise (Ps. 103, 24.), allgütig (1 Joh. 4, 8.), unendlich langmüthig u. barmherzig (Ezech. 33, 11.), heilig (Ps. 5,5.; Job 15, 15.), gerecht (1 Petr. 1, 17.), wahrhaftig u. treu (4 Mos. 23, 19.; Matth. 24, 35.) und selig (1 Tim. 6, 15. 16.). Es ist nur Ein Gott (5 Mos. 6, 4.), alle 3 göttlichen Personen haben mit einander gemein die göttliche Natur od. Wesenheit, die göttlichen Eigenschaften und göttlichen Werke (Joh. 1, 3.; 1 Mos. 1, 2.) sie sind aber der Person nach von einander verschieden, indem die erste Person von Ewigkeit aus sich selbst, die zweite von Ewigkeit aus dem Vater gezeugt ist, die dritte aber von Ewigkeit her von dem Vater und Sohn zugleich ausgeht. Der ersten Person wird vorzugsweise das Werk der Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt, der zweiten das Werk der Erlösung, endlich der dritten das der Heiligmachung zugeschrieben, weßhalb Gott Vater auch Schöpfer, Gott Sohn Erlösern. Gott der hl. Geist auch Heiligmacher genannt wird. Durch das Kreuzeszeichen bekennt der kath. Christ seinen Glauben an die T. und opfert ihr zugleich alle seine Gedanken. Worte und Werke auf (Galat. 6, 14.). – Die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater wurde festgestellt 325 auf dem Concil von Nicäa und zunächst gegen Arianer und Semiarianer festgehalten, die Lehre vom hl. Geist [519] sanctionirt 381 vom Concil zu Konstantinopel, nachdem die Macedonianer die Persönlichkeit des hl. Geistes bestritten hatten, von dem sog. athanasischen Symbolum aber das Dogma von der T. bereits als die Summe und der archimedische Punkt des kath. Glaubens hervorgehoben worden war. Die griech. Kirchenväter hielten hinsichtlich des hl. Geistes meist nur den Ausgang desselben vom Vater fest, weil sie eine Unterordnung des hl. Geistes unter den Sohn fürchteten, die abendländ. dagegen, ein Hilarius, Ambrosius, Augustinus, erfaßten klar u. früh die allerheiligste Dreifaltigkeit als organische Einheit, u. erklärten, der hl. Geist gehe vom Vater wie vom Sohne aus. Im J. 589 fügte das Concil von Toledo den Beisatz filioque dem nicänischen Glaubensbekenntnisse ausdrücklich bei, damit war aber der Keim zu Streitigkeiten zwischen der griech. u. röm. Kirche gelegt, die Jahrh. hindurch dauerten und zu dem noch gegenwärtig bestehenden Schisma führten (s. Griech. Kirche). – Ueber die Gegner des Dogmas von der hl. T.s. Antitrinitarier. – S. d. A. Christus, Kirche, Logos; vergl. Dogmaticismus, Glaube, Gnade.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 519-520.
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