Duchenne

[246] Duchenne (spr. düschän'). Guillaume Benjamin (genannt D. de Boulogne), Mediziner, geb. 17. Sept. 1806 in Boulogne-sur-Mer, gest. 15. Sept. 1875 in Paris, wo er seit 1842 als Arzt lebte, war der Schöpfer der modernen Elektrodiagnostik und Elektrotherapie. Er gab die Methode der Lokalisierung des elektrischen Stromes an, mittels derer er unter Vermeidung der frühern Elektropunktur den Faradischen Strom auf tief gelegene Teile zu lokalisieren vermochte, führte die Applikation angefeuchteter und auf die feuchte Haut anzudrückender Stromgeber sowie den Gebrauch des faradischen Pinsels bei der Faradisation cutanée ein und fand so die in diagnostisch-prognostischer Beziehung ungemein wichtige elektromuskuläre Kontraktilität und die elektrokutane Sensibilität. Er benutzte auch isolierte elektrische Erregung der einzelnen Muskeln zur funktionellen Prüfung derselben und zur genauen Bestimmung ihrer vereinzelten oder kombinierten Wirkung unter bestimmten Verhältnissen. Andre wichtige Untersuchungen betreffen die progressive Muskelatrophie, die Bulbärparalyse (Duchennesche Lähmung), die Pseudohypertrophie der Muskeln, die spinale Kinderlähmung, die Rückenmarksschwindsucht, die partiellen Lähmungen etc. D. schrieb: »De l'électrisation localisée et de son application à la pathologie et à la thérapeutique« (1855, 3. Aufl. 1872; deutsch von Erdmann, 4. Aufl., Leipz. 1877); »Mécanisme de la physionomie humaine ou analyse électro-physiologique de l'expression des passions« (1861, 2. Aufl. 1876); »Physiologie des mouvements, démontrée à l'aide de l'experimentation électrique et de l'observation clinique« (1867). Kleinere Schriften von D. erschienen gesammelt als »Contributions à l'étude du système nerveux et du système musculaire« (1876).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 246.
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