Hiërŏkles

[318] Hiërŏkles, 1) röm. Statthalter von Bithynien, später von Ägypten unter Diokletian, verfaßte 303 zur Verteidigung der von ihm mitveranlaßten Christenverfolgung eine Schrift, die nur noch aus einer Gegenschrift des Eusebios von Kaisarea bekannt ist.

2) Neuplatoniker, Schüler des Plutarch von Athen, um 450 in Alexandria lebend, zeichnete sich unter den spätern Neuplatonikern durch eine verständige Auffassung der platonischen Lehre aus und hatte auf religiösem und ethischem Gebiet verhältnismäßig gereinigte Ansichten. Er ist nicht zu verwechseln mit einem Stoiker H., der wahrscheinlich im 2. Jahrh. n. Chr. lebte (vgl. Praechter, H., der Stoiker, Leipz. 1901). Bruchstücke aus des Neuplatonikers Schrift »Über die Vorsehung« hat uns Photius erhalten. Auch ein Kommentar zu den »Goldenen Sprüchen« des Pythagoras (hrsg. von Mullach, Berl. 1853; deutsch von Schultheß, Zürich 1778) wird ihm zugeschrieben. Eine unter seinem Namen erhaltene Sammlung spaßhafter Einfälle, betitelt: »Asteia« (hrsg. von Koraïs, Par. 1812, und als »Hieroclis et Philagrii facetiae« von Eberhard, Berl. 1869; deutsch von Ramler, das. 1782), gehört einer spätern Zeit an. Gesamtausgaben besorgten Pearson (Lond. 1655 u. 1673, 2 Tle.) und Needham (Cambr. 1709).

3) Griech. Grammatiker, um 530 n. Chr., ist Verfasser eines »Synekdemos« betitelten, nicht unwichtigen Abrisses des byzantinischen Reiches, der 64 Provinzen und 912 Städte aufzählt (hrsg. von Parthey, Berl. 1866, und von Burckhardt, Leipz. 1893).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 318.
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