Ölberg [1]

[22] Ölberg (lat. Mons oliveti, arab. Dschebel et Tûr), der als angebliche Stätte der Himmelfahrt Christi bekannte Berg östlich bei Jerusalem (s. den »Plan von Jerusalem«), von ihm durch das Tal des Kidron getrennt, besteht aus Kreidekalk und wird durch flache Einsattelungen in drei Kuppen geteilt, deren nördlichste die höchste Höhe (828 m) erreicht, während die mittlere (805 m) mit dem Dorfe Kefr et Tûr (»Ölbergdorf«) als der eigentliche Ö. für die heilige Stätte gilt, die übrigens schon zu Davids Zeit ein Ort religiöser Verehrung war. Kaiserin Helena erbaute dort um 333 eine Basilika. Seit 1835 steht auf dem Berg eine kleine, von einem Hof umschlossene mohammedanische Kapelle, in deren Mitte in einem länglichen Marmorblock ein Abdruck des rechten Fußes Jesu als der Ort gezeigt wird, von wo aus seine Ausfahrt stattgefunden haben soll. Die Christen haben in dem offenen Hof Altäre errichtet und dürfen dort an gewissen Tagen Messe lesen. – In der bildenden Kunst nennt man Ö. eine plastische Darstellung des Gebets Christi im Garten Gethsemane mit dem Kelch des Leidens, dem tröstenden Engel und den schlafenden Jüngern. Solche Ölberge wurden im Mittelalter in Kirchen und Kapellen, später auch außerhalb der Kirchen und besonders in der Mitte von Kreuzgängen aufgestellt. Es haben sich deren aus dem 13. und 14., meist aber aus dem 15. und 16. Jahrh. erhalten (Straubing, Regensburg, Xanten, Melk, Merseburg, Nürnberg, Stuttgart, Worms, Würzburg. Antwerpen).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 22.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika