Flacĭus

[326] Flacĭus (Matthias, eigentlich Vlacich), geb. 1520 zu Albona in Illyrien (daher auch Illyricus genannt), studirte in Basel Theologie, wurde 1540 Repetent in Tübingen u. 1544 Lehrer des Hebräischen in Wittenberg, ging aber wegen der durch das Interim dort erregten Adiaphoristischen Streitigkeiten, wo er als Melanchthons Gegner an der Spitze der Antadiaphoristen stand, von dort nach Magdeburg u. wurde 1557 in Jena Professor der Theologie. Hier gerieth er bald mit V. Strigel in heftige Streitigkeit über die sündliche Natur des Menschen, worin er behauptete, daß der Mensch ganz unfähig zum geistigen Guten sei u. zu Erlangung seiner Seligkeit gar nichts thun könne (Synergistischer Streit, s.d.) u. daß die Erbsünde die Substanz des Menschen sei (Flacianischer Controvers) weshalb seine Anhänger, Flacianer, unter ihnen Wigand, Musäus, Judex, auch Substantialisten hießen. F. hielt mit seinen Gegnern Strigel u. Hügel deshalb 1560 eine dreizehntägige Disputation, worin er unterlag, u. wurde 1561 seiner Stelle entsetzt; er lebte dann in Regensburg, Antwerpen, Frankfurt u. Strasburg u. st. 1575 in Frankfurt a. M. Er schr.: Scripta contra Interim et adiaphora edita, Magdeb. 1550; Catalogus testium veritatis, Basel 1556, Strasb. 1562, Fol, Fkf. 1666; Clavis scripturae sacrae, Bas. 1567, Jena 1674, 2 Bde., u. ö.: Glossa Novi Testamenti, Bas. 1570, Fol.; Glossa Veteris Testamenti (bis Hiob vollendet); De voce et re fidei; De fide et iustificatione; Disputatio od. Religionsstreit zwischen M. F. J. u. den jesuitischen Doctoren in Fulda im Mai 1573. Seine Briefe an Melanchthon stehen vor der Apologia ad scholam Vitebergensem, lit. A. 5. 6. B. 3. 4. Er war Mitherausgeber der Magdeburger Centurien. Über ihn schrieb: Ritter, Frankf. 1723 u. Twesten, Berl. 1844.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 326.
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