Wigand

[206] Wigand, 1) Johann, geb. 1523 in Mansfeld, studirte seit 1539 Theologie in Wittenberg, wurde 1541 Rector in Nürnberg, ging 1544 nach Wittenberg zurück, um seine Studien fortzusetzen, u. wurde 1546 Prediger in Mansfeld; bei der Eislebener Synode wegen der Adiaphora u. des Interims widersetzte er sich den Adiaphoristen ernstlich u. betheiligte sich an dem Majoristischen Streite; 1553 wurde er Superintendent in Magdeburg u. 1560 Professor in Jena, verließ aber diese Stadt, als heftiger Flacianer im Decbr. 1561 seines Amtes entsetzt, u. wurde 1562 Superintendent in Wismar. 1568 wurde er als Professor nach Jena zurückgerufen, aber als Hyperlutheraner 1573 wieder von der kurfürstlichen Vormundschaftsregierung entsetzt; er wurde nun Professor in Königsberg, 1575 Bischof von Pomesanien u. dazu 1577 Bischof von Samland; er starb 21. Octbr. 1587 in Liebemühl. Er schr. viel theologische, bes. polemische Schriften in allen Streitigkeiten seiner Zeit u. hatte. an der Abfassung der Magdeburger Centurien Theil. Vgl. Konr. Schlüsselburg, De vita et obitu Joh. Wigandi, Frankf. 1591. 2) Justus Heinrich, geb. 1769 in Reval, war erst Arzt u. Geburtshelfer in Hamburg, hielt sich 1814–17 abwechselnd in Heidelberg, Manheim u. Wiesbaden auf u. st. 1817 in Manheim. Er ist Begründer der der Natur folgenden, weniger künstlichen Entbindungskunst u. schr.: Über das zu schnelle Wegnehmen der Nachgeburt, Manh. 1801; Beiträge zur Geburtshülfe, ebd. 1798–1808, 3 Hefte; Von den Ursachen u. der Behandlung der Nachgeburtszögerungen, ebd. 1803; Über Geburtsstühle u. Geburtslager, ebd. 1806; Die Geburt des Menschen, herausgeg. von Fr. C. Nägele, Berl. 1820, 2 Bde.; u. gab mit Gumprecht das Hamburger Magazin für Geburtshülfe, 2 Bde., heraus. 3) Paul, geb. 10. August 1786 in Kassel, studirte in Marburg die Rechte, wendete sich aber bes. den historischen Studien zu u. übernahm die Herausgabe der politischen Zeitung in Kassel, auf welche sein Vater ein Privilegium hatte. Durch diese Zeitung kam er 1806 mit den französischen Behörden in Conflicte, gab sie 1807 auf u. arbeitete als Procurator an den Gerichten in Kassel, bis er Friedensrichter in Höxter wurde. Als Höxter preußisch ward, wurde W. Assessor beim dortigen Stadt- u. Landgericht u. 1821 übertrug ihm der Fürst Staatskanzler von Hardenberg die Sammlung von Urkunden in den Archiven zu Paderborn u. Corvey. 1833 wurde er Stadtgerichtsdirector in Wetzlar u. 1839 Mitglied der Commission für Ordnung u. Verwaltung des ehemaligen Reichskammerarchivs; seit 1848 pensionirt lebte er seinen historischen Studien. Er schr.: Versuch einer systematischen Darstellung der Amtsgeschäfte u. des Wirkungskreises der Friedensrichter, Marb. 1810; Handbuch für Friedensrichter, Gött. 1813; Geschichte der gefürsteten Abtei Corvey, Höxt. 1819; Archiv für Geschichte u. Alterthumskunde Westfalens, Hamm 1826–27, Lemgo 1828 etc.; Das Fehmgericht Westfalens, Hamm 1825; Die Dienste, ihre Entstehung etc., ebd. 1828; Über Öffentlichkeit u. Mündlichkeit des gerichtlichen Verfahrens, Lemgo 1828; Der Corveysche Güterbesitz, ebd. 1834; Die Provinzialrechte der Fürstenthümer Paderborn u. Corvey, Lpz. 1832, 3 Bde.; Die Provinzialrechte des Fürstenthums Minden, der Grafschaften Ravensberg u. Rietberg, der Herrschaften Rheda u. des Amtes Reckenberg. ebd. 1834, 2 Bde.; Geschichte des Doms zu Wetzlar, Wetzl. 1839; Die Korveischen Geschichtsquellen, Lpz. 1841; Vertheidigung Jordans, als Nachtrag zu dessen Selbstvertheidigung, Manh. 1844; Denkwürdigkeiten für deutsche Staats- u. Rechtswissenschaft, Lpz. 1854; Denkwürdige Beiträge für Geschichte u. Rechtsalterthümer aus westfälischen Quellen, ebd. 1858; Wetzlar u. das Lahnthal mit ihren romantischen Umgebungen, Wetzl. 1862; auch gab Traditiones Corbejenses, Lpz. 1843; Lyrisches Album aus dem Lahngau, Gieß. 1858, u.a. heraus u. gründete das Archiv für Geschichte u. Alterthumskunde Westfalens, Hamm u. Lemgo 1826 ff. 4) Otto Friedrich, geb. 1795 in Göttingen; erlernte den Buchhandel daselbst, verließ Göttingen aber schon 1812 u. wandte sich nach Ungarn, übernahm 1816 die Ellingersche Buchhandlung in Kaschau, zog 1826 nach Presburg, um dort als Verlagsbuchhändler zu leben, u. kaufte 1828 eine Buchhandlungsberechtigung in Pesth, wo er u.a. ein Conversationslexikon in Ungarischer Sprache verlegte; 1832 siedelte er nach Leipzig über u. gründete hier eine Verlagsbuchhandlung, welche bes. für die Entwickelung der Junghegelschen Philosophie von größter Bedeutung war. Unter andern erschienen bei ihm die Hallischen, später Deutschen Jahrbücher von Echtermeyer u. Ruge im Jahre 1838; nach deren Unterdrückung 1843 ließ W. im Frühjahr 1844 die Wigandsche Vierteljahrsschrift folgen, doch wurde mit dem 8. Bde. im Herbst 1845 die Concession derselben zurückgenommen. Anfang 1846 erschienen die Epigonen, deren 2. Bd. aber ebenfalls in Sachsen mit Beschlag belegt wurde. Auch das bes. für das Volk bestimmte [206] Wigandsche Conversationslexikon gab er seit 1845 heraus u. vollendete das von ihm übernommene Brüggemannsche Conversationslexikon. Ein Verbot, welches seinen sämmtlichen Verlag Anfangs 1846 für die österreichischen Staaten betraf, wurde nach wenig Monaten zurückgenommen. 5) Georg, Bruder des Vor., geb. 1808 in Göttingen; kam in seinem 14. Jahre nach Kaschau in Ungarn, wo er in der Handlung seines Bruders den Buchhandel erlernte. 1829 übernahm er dies Kaschauer Geschäft für eigene Rechnung, ging aber 1834 nach Leipzig, wo er ein neues Verlags- u. Commissionsgeschäft gründete. 1842 verband er sich mit Gustav Mayer zur Gründung eines neuen Verlagsgeschäftes, welches aber nach drei Jahren in den alleinigen Besitz von G. Mayer überging. Vom Juni 1840 bis Juli 1841 besorgte er die Redaction des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel u. 1845 übernahm er das Commissionsgeschäft der Weygandschen Buchhandlung, worauf diese alte Firma erlosch. Er starb 9. Febr. 1858.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 206-207.
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