Fixsterne

[48] Fixsterne heißen diejenigen Sterne, welche gegen einander fortwährend dieselbe Stellung am Himmel behalten. Sie bewegen sich gemeinschaftlich täglich von O. nach W. rings um die Erde herum, gehen also im O. auf, d.h. treten über den Gesichtskreis, und gehen im W. unter, d.h. sinken unter den Gesichtskreis. Die Fixsterne sind zwar nur des Nachts am Himmel sichtbar, stehen jedoch auch während des Tages an demselben; nur das zu helle Licht der Sonne verhindert, daß sie gesehen werden, indem es dieselben überstrahlt. Aus demselben Grunde kann auch eine Abends hell leuchtende Flamme bei Tage kaum noch wahrgenommen [48] werden. Bei totalen Sonnenfinsternissen erscheinen zuweilen die hellleuchtendsten Fixsterne am Himmel (s. Finsternisse) und durch eine lange Röhre, welche die Sonnenstrahlen größtentheils abhält, das Auge zu treffen, kann man täglich die Sterne bei hellem Sonnenschein erblicken. Bekanntlich hat man entdeckt, daß die Bewegung des Himmels mit den Sternen, sowie der Sonne um die Erde nur scheinbar sei und daß sich vielmehr die Erde um ihre eigne Achse und um die Sonne herumbewege. (S. Erde und Planetensystem.) Hiernach erscheint auch die Sonne als ein Fixstern (s. Sonne), und umgekehrt ist es wahrscheinlich, daß die Fixsterne sämmtlich Sonnen sind, welche, wie die unsere, wahrscheinlich auch ihre Planeten haben, die um sie sich herumbewegen. Die Fixsterne sind also Weltkörper, welche an Größe der Sonne nicht nur nahestehen. sondern sie wahrscheinlich noch weit übertreffen. Um so verwunderungswürdiger erscheint nun der Umstand, daß wir weder mit bloßen Augen noch auch mit den stärksten Vergrößerungsgläsern einen Durchmesser dieser gewaltigen Körper wahrzunehmen vermögen, während die am Himmel sichtbaren Planeten, welche an Größe der Erde nahestehen, als kleine Scheiben durch das Fernrohr gesehen werden. Der Grund kann kein anderer als die außerordentliche Entfernung der Fixsterne sein, weil auch der größte Körper bei zunehmender Entfernung endlich verschwindend klein wird. Für eine unermeßlich große Entfernung der Fixsterne spricht auch noch der Umstand, daß man an ihnen keine Spur einer scheinbaren Bewegung wahrnimmt, welche die Folge der in ihrer großen Bahn um die Sonne sich fortbewegenden Erde wäre. Sowie nämlich auf einer Landstraße von einem schnellhinfahrenden Wagen aus die rechts und links stehenden Bäume ihre Stelle zu verändern scheinen, so müßten auch die Fixsterne, wie es scheint, ihre Stelle verändern, wenn die Erde wirklich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 4 M. in der Secunde einen Weg von 131 Mill. M. im Weltenraume zurücklegte. So große Mühe man sich aber auch gegeben hat, so hat man doch auch nicht die geringste Veränderung in der Stellung der Fixsterne zu erkennen vermocht, welche von der Bewegung der Erde in ihrer Bahn sich ableiten ließe und sich daher, weil diese Bewegung selbst außer allem Zweifel ist, zu der Annahme genöthigt gesehen, daß die Fixsterne in so unermeßlicher Entfernung von der Erde sich befinden, daß gegen diese der ganze Durchmesser der Erdbahn von 41 Mill. Meilen eine verschwindend kleine Größe sei. Ist dies der Fall, so werden wir eine Verrückung der Fixsterne während eines Jahres (Sonnenumlaufs der Erde) ebenso wenig wahrnehmen, wie etwa die Verrückung um einen Zoll eine Veränderung in der Stellung zweier Berge hervorbringt, welche mehre Meilen weit von uns entfernt sind. Die Richtigkeit der eben angestellten Betrachtung wird durch die Erfahrung bestätigt, daß alle in meßbaren Entfernungen von der Erde stehenden Himmelskörper, wie z.B. die Sonne (der einzige Fixstern, bei dem dies der Fall ist) mit der Erde ihre Stellung gegen die übrigen Sterne sichtlich im Laufe des Jahres verändern, welche Erscheinung die Parallaxe derselben heißt. Die Parallaxe der Sonne dringt es mit sich, daß die Sonne täglich mit andern Fixsternen auf- und mit andern untergeht. Daraus, daß die Fixsterne sämmtlich keine sichtbare Parallaxe haben, folgt, weil die Größe des Erdbahndurchmessers bekannt ist, daß der nächste Fixstern mehr als 8 Billionen M. entfernt sein müsse.

Wären die Fixsterne nicht so hell leuchtende, gleich der Sonne strahlende Körper, so würde man sie wegen der allzugroßen Entfernung gar nicht sehen. Dieses Licht der Fixsterne zeigt aber mannichfache Verschiedenheiten sowol hinsichtlich der Stärke als hinsichtlich der Farbe. Die Farbe einiger Fixsterne ist rein weiß, anderer bläulich und noch anderer röthlich. Die verschiedene Lichtstärke wird fälschlich verschiedene Größe genannt und man unterscheidet auf diese Weise die Fixsterne in Sterne erster, zweiter, dritter bis achter Größe, von denen die fünfter bis achter Größe nur von sehr guten Augen bei ganz heiterm Himmel noch wahrgenommen werden. Eine Unmasse von Sternen entdeckt man aber noch durch Fernrohre. Diese letzten kleinsten Sterne heißen teleskopische und man unterscheidet noch Sterne der neunten und zehnten Ordnung. Mit bloßen Augen sehen wir weiße Flecke am Himmel und namentlich einen großen, weißen Streif, die Milchstraße; durch Teleskope lösen sich diese Nebelmassen in unendlich viele kleine Fixsterne auf und neue Nebelmassen erscheinen, welche aufzulösen unsere besten Fernrohre zu schwach sind. Die Eintheilung in Sterne verschiedener Größe ist übrigens, wie von selbst einleuchtet, nur sehr oberflächlich, da die Lichtstärke auf ein bestimmtes, von der Eigenthümlichkeit des Gesichts jedes einzelnen Beobachters unabhängiges Maß bis jetzt nicht hat zurückgeführt werden können. Merkwürdig ist ferner, daß wir von mehren Sternen mit Gewißheit wissen, daß sie sowol den Glanz als die Farbe in längerer oder kürzerer Zeit verändern. So z.B. war der Sirius, der größte und schönste aller Fixsterne, einst roth, während er jetzt ein blendend weißes Licht hat, und von den beiden Sternen Castor und Pollux war einst jener größer als dieser, während jetzt das umgekehrte Verhältniß stattfindet. Einige Sterne zeigen eine regelmäßige, in kurzer Zeit zurückgelegte und regelmäßig wiederkehrende Periode in der Veränderung ihres Lichts; so z.B. hat der Stern Algol im Perseus eine Periode von 22/5 Tagen, in welcher er von der zweiten zur vierten Ordnung übergeht. Zu Zeiten hat man neue Sterne entdeckt, die bald wieder verschwanden. Fixsterne der ersten Größe hat man 14 gezählt, der zweiten Classe 70, der dritten gegen 300. Beiweitem größer ist die Anzahl der Sterne in den folgenden Classen, und in den ersten sechs Classen rechnet man zusammen gegen 5000 Fixsterne. Die Gesammtzahl aller Sterne ist wahrhaft unzählig, indem bei immer weitergehender Verbesserung der Instrumente auch immer größere Mengen vor dem Auge des Beobachters aufgehen. Nach den bis jetzt gemachten Beobachtungen kann man etwa 70,000 Sterne erster bis zehnter Größe annehmen. Daß man aber die Gesammtzahl der Fixsterne als wahrhaft unendlich annehmen kann, sieht man schon daraus, daß Herschel allein im Orion auf einem kleinen Streifen über 50,000 kleine Fixsterne zählte, sodaß, wenn sie überall ebenso dicht am Himmel ständen, 68 Mill. Fixsterne zu rechnen wären.

Die schönsten der einzelnen Sterne haben eigne Namen, die aus den ältesten Zeiten stammen, alle aber sind der größern Übersichtlichkeit wegen in Gruppen zusammengefaßt worden, denen man einzelne Namen. gegeben hat und welche Sternbilder (s.d.) heißen. Aus den Abständen der Fixsterne [49] voneinander, welche unserm Auge unveränderlich erscheinen, kann man keinen Schluß auf ihre wahren Entfernungen machen, weil von zwei scheinbar nahe nebeneinander stehenden Fixsternen der eine noch weit hinter dem andern stehen kann. Aus Vergleichung der Beobachtungen verschiedener Jahrhunderte hat sich aber ergeben, daß die gegenseitigen Entfernungen der Fixsterne nicht völlig unveränderlich sind, woraus folgt, daß die Fixsterne doch eine eigne Bewegung haben, welche wir aber wegen der großen Entfernung nicht leicht wahrnehmen können. Am merkwürdigsten sind in dieser Beziehung die Doppelsterne. So nennt man die sehr nahe beieinander stehenden Sterne, deren man etwa 6000 aufgefunden hat und von denen viele die merkwürdige Eigenthümlichkeit zeigen, daß sie nicht nur zusammen im Weltenraume fortrücken, sondern sich auch der eine um den andern, bei einigen in kürzern, bei andern in längern Perioden herumbewegt. Die größte Menge dieser Doppelsterne hat man in der Nähe der Milchstraße gefunden, und auch dreifache und vierfache Sterne sind entdeckt worden.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 48-50.
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