Wrede

[755] Wrede (Karl Phil., Fürst von), bair. Reichsrath, Feldmarschall und Generalinspector des Heers, gehört zu den deutschen Generalen, welche für und wider Napoleon mit Auszeichnung gefochten haben, wurde 1767 zu Heidelberg geboren und erhielt auch daselbst seine wissenschaftliche Bildung. Sein Vater hatte erst 1790 vom Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz den Adel erhalten. W. hatte sich dem Forstwesen gewidmet, ward aber während der Revolutionskriege von 1792–98 wiederholt östreich. Truppencorps als Landescommissair beigegeben und gab eine gekaufte Oberforstmeisterstelle wieder auf, als er 1799 mit der Bildung eines kurpfalzbair. Corps für den Erzherzog Karl beauftragt wurde. Er wohnte mit diesem den Feldzügen bis 1800 bei, wo er schon Generalmajor war, und erhielt 1805 als Generallieutenant den Oberbefehl an des verwundeten Generals Deroy Stelle über das im Felde befindliche bair. Heer. Seitdem trug er vielfach zu den Erfolgen der franz. Waffen bei, namentlich im Feldzuge von 1809 gegen Östreich, wo er sich bei Abensberg und Landshut, bei Neumarkt, in Tirol und bei Wagram auszeichnete, auch von Napoleon zum franz. Reichsgrafen ernannt und im Innviertel mit den Herrschaften Engelhardszell und Mondsee belohnt wurde. Als General der Cavalerie machte er mit dem bair. Contingent den Feldzug von 1812 gegen Rußland mit, half namentlich den Rückzug decken und stand 1813 mit den neugebildeten bair. Truppen am Inn den Östreichern lange gegenüber, mit denen er endlich am 8. Oct. den Vertrag von Ried abschloß, wodurch Baiern (s.d.) sich gegen Napoleon erklärte. W. eroberte nun mit einem bair.-östreich. Heere Würzburg und lieferte den nach der leipziger Schlacht flüchtenden Franzosen bei Hanau (s.d.) die letzte Schlacht auf deutschem Boden, bei der er schwer verwundet wurde. Mach seiner Herstellung that er sich als Befehlshaber des fünften Corps der Armee der Verbündeten in den Schlachten bei Brienne, bei Rosny, Bar sur Aube und Arcis sur Aube rühmlich hervor, wurde im März 1814 bair. Feldmarschall, für den von ihm mit Östreich unterhandelten und am 3. Jun. zu Paris unterzeichneten Vertrag (in welchem Baiern Salzburg, Tirol, das Inn- und Hausruckviertel an Östreich abtrat und dafür Würzburg und Aschaffenburg sogleich, Mainz und die Rheinpfalz aber versprochen erhielt) am 9. Jun. in den Fürstenstand erhoben und 1815 mit der Herrschaft Ellingen (Stadt und Schloß mit 19 Dörfern und 16 Weilern) als erblichem Fürstenthum unter bair. Hoheit belehnt. Auch dem Congresse zu Wien wohnte W. bei, drang 1815 nach Napoleon's Wiederkehr mit den Baiern durch Lothringen in Frankreich ein, ohne jedoch an den entscheidenden Ereignissen dieses Feldzugs Theil nehmen zu können, wurde 1817 bair. Staatsrath, 1819 Reichsrath und 1822 zum Generalissimus der bair. Armee ernannt. Der Friede wendete W.'s Thätigkeit dem Landtage und diplomatischen Geschäften zu, 1832 aber ging er als Hofcommissair in das aufgeregte Rheinbaiern, wo er auf friedlichem Wege die Ruhe bald herstellte. W. starb 1838 und ihm folgte als Haupt des Hauses und Reichsrath sein Sohn Karl Theodor, geb. 1797, welcher 1841 seine Stelle als bair. Regierungspräsident der Pfalz niedergelegt hat, wo sein Bruder Eugen Franz sein Nachfolger wurde.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 755.
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