Ivppiter

[1401] IVPPĬTER, Iovis, Gr. Ζεὺς, Διός.

1 §. Namen. Der Namen Iuppiter, welcher insgemein Jupiter, wiewohl nicht so richtig, geschrieben wird, Cellar. & Schurtzfleisch. Orthogr. in Iuppiter. soll von Iuvo. ich helfe, und Pater, ein Vater, zusammen gesetzet seyn, und so viel, als Iuvans pater, oder ein helfender Vater bedeuten. Cicero de N.D. l. II. c. 25. p. 1183. Allein, da man sonst im Nominative nur Jovis gesagt hat, Voss. Aristarch. l. I. c. ult. p. 206. so kann er auch bloß von Iuvo hergeleitet werden. Cic. l. c. & Gell. l. V. c. 12. Jedoch leiten ihn einige noch lieber selbst von dem ebräischen Jehova her, und wollen, die Heyden hätten diesen wesentlichen Namen des wahren Gottes auch ihren Götzen beygeleget, und Ζεὺς für Ἰεὺς, gesaget. Becmann. Orig. L. L. in Iehova p. 560. Abel Histor. Monarch. l. II. c. 1. §. 10. Cf. Gronov. ad Gell. l. c. Den griechischen Namen Ζεὺς soll er bald von ζεῖν, glühen, bald von δεύω, ich starre, daher er auch Δεὺς für Ζεὺς genannt werde, bald von δέος, Furcht und Schrecken und so ferner haben; Lexicogr. Gr. in Ζεὺς. Am sichersten aber ist wohl, ihn von ζῇν, leben, herzuleiten, weil er entweder die Menschen auf eine bessere Art zu leben, als sie vor ihm hatten, geführet, Diod. Sic. l. III. c. 61. p. 136. & l. V. c. 71. p. 234. oder auch allen Creaturen das Leben gegeben hat. Phurnut. de N.D. c. 2. Gleichwohl suchen ihn einige viel weiter, und meynen daß er mit dem Namen, und der Person des Enacks Scheschai einerley sey. Abel l. c.

2 §. Aeltern. Da einige bis dreyhundert Jupiter gezählet, Varroap. Rosin. l. II. c. 5. andere aber deren doch nur drey insonderheit namhaft machen, so sind nothwendig die Aeltern derselben nicht einerley. Es soll aber des ersten Vater Aether, des andern Cölus, und des dritten Saturnus gewesen seyn. Cic. [1401] de N.D. l. III. c. 21. p. 1198. Dieser letztere ist der berühmteste unter allen, dessen Mutter Rhea oder Ops, des Saturns Schwester, war. Diod. Sic. l. III. c. 61. p. 136. & Apollod. l. I. c. I. §. 3.

3 §. Vaterland. Insgemein wird die Insel Kreta, oder das jetzige Candien, dafür angegeben. Daselbst soll er insonderheit, nach einigen, auf dem Berge Ida, Callimach. Hymn. in Iovem. v. 6. & Diod. Sic. l. V. c. 70. p. 233. nach andern auf dem Berge Dikte, Apollod. l. I. c. 1. §. 3. und, nach den dritten, auf dem Berge Lykton oder Lytton jung geworden seyn. Hesiod. Theog. v. 477. Für den eigentlichen Ort giebt man eine Höhle an, in welcher sich nicht nur damals ein starker Bienenschwarm eingesetzet, und den Jupiter mit seinem Honige unterhalten; sondern es soll auch zu gewisser Zeit des Jahres ein helles und glänzendes Feuer aus derselben hervor gebrochen seyn. Bœus ap. Ant. Liberal. c. 19. Diesem allen aber widersprechen die Phrygier, welche ihren Berg Ida für Jupiters Geburtsort angeben, Demetr. Scepsius ap. Spanhem. l. c. desgleichen die Böotier, welche wollen, daß er zu Theben geboren worden: Tzetz. ap. eumd. l. c. v. 7. ferner die Messenier, Pausan. Messen. c. 33. p. 278. die Aegienser in Achaia, Strabo ap. Spanhem. l. c. & Eustath ad Hom. Il. Β. v. 574. die zu Olenos in Aetolien. Statius Theb. IV. v. 104. Vornehmlich eigneten sich die Arkadier diese vermeynte Ehre besonders zu, und zeigeten auf dem Lycäus die Höhle, wo er eigentlich sollte seyn geboren worden, welche hernach für so heilig gehalten wurde, daß niemand, als die Frauenspersonen, welche der Rhea ihren Dienst abstatteten, in dieselbe gehen durften. Pausan. Arcad. c. 36. 38. p. 513. 517. Sie fanden auch darinnen Beyfall. Callimach. l. c. v. 7. Jedoch geben andere lieber so wohl ihnen, als den Kretensern, recht, indem sie wollen, daß die ersten beyden Jupiter, nämlich des Aethers und Cölus Söhne, in Arkadien; der dritte aber, welches Saturns Sohn gewesen, in Kreta geboren worden. Cicero de N.D. l. III. c. 21. p. 1198.

[1402] 4 §. Geburt und Auferziehung. Weil Saturn gewohnt war, alle Kinder, die ihm Rhea gebar, wieder zu fressen, so betrog ihn diese dadurch, daß sie einen Stein einwindelte, und ihn beredete, daß sie denselben geboren hätte. Saturn verschluckte also denselben statt des Kindes, und sie schaffete den Jupiter bey Seite. Sie gab ihn den Kureten, welche ihn mit der Adrastea und Ida, zwoen Nymphen, in einer Höhle aufzogen. Damit auch Saturn ihn nicht etwan möchte schreyen hören, so machten sie mit ihren Spießen und Schilden, die sie zusammen schlugen, ein Lärmen, daß man nichts vor selbigem vernehmen konnte. Apollod. l. I. c. 1. §. 3. Die Arkadier gaben die Nymphen Thisoa, Neda und Hagno für dessen Ammen an, Pausan. Arc. c. 38. p. 517. die Messenier aber die Neda und Ithome, denen die Kureten den Jupiter überbracht, die ihn sodann in dem Klepsydra, einem Brunnen, gebadet haben sollen. Id. Messen. c. 33. p. 278. Noch andere nennen dessen Erzieherinnen Amalthea und Melissa, des Melisseus, Königs in Kreta, Töchter, welche ihn mit Ziegenmilch unterhalten haben sollen. Lactant. Instit. l. I. c. 22. Dagegen soll er, nach wieder andern, bald von der Ziege Amalthea selbst, Diod. Sic. l. V. c. 70. p. 233. Cf. Spanh. ad Callim. Hymn. in Iovem. v. 49. bald von wilden Tauben und einem Adler, Mæro ap. Nat. Com. l. II. e. 1. p. 82. von einer Bärinn, Nat. Com. l. c. p. 83. und bald von den Bienen seyn unterhalten worden. Anton. Liberal. c. 19. Indessen sollen die Kureten stets seine Beschützer wider den Saturn geblieben, Apollon. ap. Nat. Com. l. c. p. 82. er aber am Hofe des Kres, zu Knossus erzogen worden seyn. Euseb. ib. p. 83. Er soll auch, so bald er geboren worden, sieben ganzer Tage hinter einander gelacht haben, daher denn die Zahl sieben für eine vollkommene Zahl geachtet worden. Theodorus Samothrax ap. Ptol. Hphæst. l. VII. p. 524.

5 §. Gelangung zum Reiche. Als die Titanen, Saturns Brüder, diesen darum mit Kriege überfielen, daß er solchen Jupiter beym Leben gelassen, [1403] welches nach ihrer Meynung vorsetzlich geschehen war, ihn auch, sammt der Rhea, endlich gefangen bekamen, und ins Gefängniß legeten, so brachte er in Eile in Kreta ein starkes Heer auf die Beine. Er gieng damit seinen Vettern zu Leibe, und, nachdem er dieselben glücklich überwunden, so befreyete er seine Aeltern, und half also dem Vater wieder auf den Thron. Allein, dieser stellete selbst Jupitern nach, weil er entweder dessen Thaten beneidete und stch vor demselben zu fürchten anfieng, Ennius ap. Lactant Inst. l. I. c. 14. oder aber eine Prophezeihung des Cölus und der Terra vor sich hatte, daß er von seinem Sohne ums Reich gebracht verden würde. Apollod. l. I. c. 1. §. 3. Serv. ad Virg. Aen VIII. v. 322. Jupiter aber merkete es bey Zeiten und kam dem Saturn zuvor. Agathonymus ap. Nat. Com. l. II. c. 1. p. 85. Er griff ihn mit seinem Heere an, überwand ihn, und, nachdem er ihn mit leinenen Binden gebunden, und mit eben der Harpe, wo mit er den Cölus entmannet hatte, eben falls entmannete, Tzetz. ad Lycophr. v. 762. so verstieß er ihn in den Tartarus, Agathonym. l. c. oder ließ ihn viel mehr ins Gefängniß legen. Doch Saturn entkam daraus wieder durch Ueberlistung der Wache, und flüchtete sich in den Peloponnesus. Banier Entret. V. ou P. I. p. 96. Da ihn aber Jupiter auch hieselbst austrieb, so gieng er nach Italien, zu dem Janus, welcher ihm denn seinen sichern Aufenthalt gab. Aurel. Vict. de O. G. R. c. 3. Cf. Lact. l. c. c. 13. §. 6. & Ovid. Fastor. I. v. 234. Wie aber, nach einigen, bey diesem Kriege die übrigen Titanen Saturns Partey sollen gehalten haben: also soll im Gegentheile die Erde Jupitern den Rath gegeben haben, daß er diejenigen, welche Saturn in den Tartarus gefangen geleget, zu seinen Gehülfen nehmen solle. Er that solches, nachdem er deren Hüterinn, Kampe, erleget, worauf er durch deren Beyhülfe den Sieg davon trug. Jedoch sollen ihm auch seine Brüder, Neptun und Pluto, beygestanden haben; und, da ihn die Cyklopen vorher mit den Donnerkeilen [1404] und Blitze beschenket, so sollen sie auch dem Pluto einen Helm, und dem Neptun den Dreyzack verehret haben, um damit ihren Feinden desto besser zu widerstehen, womit sie denn hernach die Titanen in die Hölle verstoßen, und den Centimanen zu verwahren gegeben haben. Apollod. l. I. c. 2. §. 1. Nicht weniger sollen ihm die Styx, mit ihren Kindern, dem Siege, der Stärke, dem Euer und der Gewalt geholfen, und dafür die Ehre von ihm erhalten haben, daß der heiligste Schwur der Götter bey ihr geschehen müssen. Id. ib. §. 5. Dagegen verwandelte er die Cerkopen, welche die Insel Inarimen bewohneten, in Affen, weil sie sich um Geld mit zu solchem Kriege werben ließen, allem, nachdem sie dasselbe einmal hinweg hatten, den Jupiter auslachten und zurück blieben. Callimach. ap. Nat. Com. l. c. Bey alle dem aber geben doch einige vor, daß ihm Saturn das Reich gutwillig abgetreten, oder Saturns Unterthanen ihm solches zugewendet, weil sie des Alten tyrannische Regierung nicht mehr ertragen können. Jupiter erwies sich darauf auch gegen jedermann gerecht und leutselig, dahingegen Saturn so böse, als geizig, gewesen. Diod. Sic. l. III. c. 61. p. 136. Andere kehren dieses in so fern um, daß unter dem Saturn alles ruhig und friedlich, und folglich die goldene Zeit gewesen seyn, unter dem Jupiter aber schon die silberne angegangen, und allerhand Elend die Menschen befallen. Ovid. Metam. I. v. 113. Immittelst war er doch König der Götter und Menschen, Homer. Virg. Enn. & Plaut. ap. Coqueum ad Augustin. de C. D. l. IV. c. 9. und also der vornehmste unter jenen. Pausan. Arcad. c. 36. p. 513. Jedoch theilete er das Reich mit seinen obgedachten beyden Brüdern also, daß Neptun Herr des Meeres und der übrigen Wasser, Pluto aber der Hölle und unterirrdischen Dinge wurde. Apollod. l. I. c. 2. §. 1. & Callim. Hymn. in Iovem v. 59.

6 §. Regierung und anderweitige Thaten. Er hatte kaum die Herrschaft angetreten, so suchten ihn die Giganten oder Riesen derselben wieder zu entsetzen, [1405] und stürmeten daher auf eine ganz entsetzliche Art unter Anführung des Porphyrions, Halcyoneus und anderer den Himmel. Jedoch behielt er, unter dem Beystande des Apollo, der Pallas, und anderer, zuförderst aber des Herkules, die Oberhand, und wurden solche Riesen theils durch seine Blitze, theils durch des Herkules Pfeile, theils sonst erleget. Apollod. l. I. c. 6. §. 1. 2. & Ovid. Metam. I. v. 151. Man findet noch auf einem vom Athenion vortrefflich geschnittenen Steine eine Vorstellung dieses seines Streites. Er steht hier auf einem vierspännigen Wagen, woran die Pferde voller Feuer und sehr wild sind. Zween Giganten liegen unter demselben, wovon der eine schon erleget ist, der andere aber mit einer aufgehobenen Keule sich noch zu wehren scheint. Jupiter hat in dem linken Arme seinen Zepter mit einer Bluhme darauf liegen, und in der rechten Hand hat er einen Donnerkeil und holet aus, solchen auf den noch trotzigen Giganten zu schleudern. Winckelm. monum. ant. n. 10. p. 11. Lipperts Dactyl. I Taus n. 26. Wie aber die Erde, dieser ihrer Söhne Tod zu rächen, den Typhöus hervor brachte, der allein den Himmel zu stürmen anfieng, so rissen alle Götter aus. Jupiter schlug ihn zwar mit dem Blitze, und, als er dennoch näher kam, schreckete er ihn mit seiner diamantenen Harpe, oder Sichel, daß er endlich ausriß; allein, da es Jupiter dessen ungeachtet auf ein Handgemenge mit ihm ankommen ließ, so wurde Typhöus seiner mächtig, wand ihm die Harpe aus den Händen, schnitt ihm damit die Nerven aus den Händen und Füßen, schleppete ihn auf dem Rücken nach Cilicien, die ausgeschnittenen Nerven aber wickelte er in eine Bärenhaut, und gab sie der Delphine, einer Schlange, zu bewahren. Doch Mercurius und Aegipan stohlen sie solcher, und halfen dem Jupiter wieder zu Rechte, welcher denn darauf geflügelte Pferde vor seinen Wagen spannete, und den Typhons aufs neue angriff. Ungeachtet nun dieser ganze Berge nach seinem Feinde warf, so [1406] mußte er doch endlich vor den vielen Blitzen desselben ausreißen, und sich in Sicilien flüchten, woselbst denn Jupiter noch den ganzen Berg Aetna auf ihn warf. Apollod. l. c. §. 3. Weil aber doch die Nachkommen solcher Giganten nicht viel frömmer, als ihre Aeltern, waren, und insonderheit Lykaon in Arkadien ein sehr gottloses Leben führete, so verwandelte er denselben in einen Wolf. Ovid. l. c. v. 160. Endlich vertilgete er das ganze menschliche Geschlecht durch die Sündfluth so, daß niemand, als Deukalion und Pyrrha, übrig blieben. Id. ib. v. 240. Jenes Vater, den Prometheus, ließ er darum, daß er das Feuer, welches den Menschen zur Strafe weggenommen war, am Himmel wieder angezündet, durch den Vulcan und Mercur an den Berg Kaukasus anschmieden. Apollod. l. c. c. 7. §. 1. Den Salmoneus, welcher seine Donner nachmachen wollte, erschlug er mit dem Blitze, und vertilgete dessen ganze erbauete Stadt, nebst deren Einwohnern. Id. ib. c. 9. §. 7. So tödtete er auch die Kureten, welche, auf der Juno Betrieb, den Epaphus versteckt hatten. Id. l. II. c. 1. §. 3. Er trennete den Herkules und Apollo, da sie sich um den Dreyfuß zu Delph zanketen, mit dem Blitze. Id. ib. c. 6. §. 2. Er erschlug mit eben demselben den Kapaneus, Id. l. III. c. 6. §. 7. den Idas, Pindar. Nem. ἐπ. δ. §. 8. den Aeskulapius, und wollte den Apollo darum, daß er die Cyklopen erschossen, in den Tartarus stürzen. Apollod. ib. c. 10. §. 4. Er durchzog die ganze Welt, und machte sich dieselbe unterthan, strafete aber auch allenthalben die Bösen, und belohnete die Frommen. Atlantei ap. Diod. Sic. l. III. c. 61. p. 136. Er hub ferner alle eigenmächtige Gewalthätigkeiten auf, und führete dargegen allenthalben Gerichte und Gesetze ein. Cretenses op. eumd. l. V. c. 71. p. 234. Ob man nun gleich glaubete, daß er alles unter seiner Gewalt hätte, Virgil. Georg. II. v. 325. so vermochte er doch die Schicksale nicht zu ändern, wiewohl er sie etwas verzögern und aufschieben konnte. Luctat. & Serv. ap. Barth. ad Stat. Theb. VII. v. 219. Er getrauete [1407] sich auch nicht, mit der Thetis etwas zu thun zu haben, weil deren Sohn sodann mächtiger, als er selbst werden sollte. Lactant. Inst. I. c. 11. §. 8. Außer dem mußte er sich einst selbst von dem Cupido im Triumphe mit aufführen lassen, Id. ib. §. 1. und Fortuna stieß ihn beynahe selbst aus dem Himmel. Nat. Com. l. IV. c. 9. c. 9. p. 339. Zu seinen Beysitzern im Regimente hatte er Scham und Billigkeit. Sophocles ap. eumd. l. II. c. 1. p. 90. Sein Bedienter war insonderheit Mercur; Apollod. l. III. c. 10. §. 2. und zu seinem Mundschenken hatte er den Ganymedes. Homer. Il Υ. 232.

7 §. Gemahlinn und echte Kinder. Seine erste Gemahlinn war Metis, des Oceans Tochter. Weil ihm aber prophezeihet wurde, daß, wo solche einen Sohn bekommen sollte, dieser ihn vom Himmel vertreiben würde, so verschlang er solche, als sie schwanger wurde. Er wurde aber dargegen selbst in seinem Kopfe schwanger; und, da er sich denselben, wegen des allzugroßen Schmerzens, vom Vulcan aufschlagen ließ, so sprang Pallas mit ihrem Spieße aus demselben hervor. Hesiod. Theog. v. 886. Apollod. l. I. c. 2. §. 1. & Lucian. Dial. Deor. 3. Nach dieser soll er, nach einigen, die Themis geheurathet haben. Ap. Nat. Com. l. II. c. 1. p. 91. Zuletzt nahm er seine Zwillingsschwester, Juno, zur Gemahlinn, nachdem er sich erst in einen Guckguck verwandelt hatte, derselben habhaft zu werden. Pausan. Cor. c. 17. p. 115. & c. 36. p. 153. Cf. Doroth. ap. Nat. Com. l. II. c. 4. Er zeugete mit ihr die Hebe, Ilithyia und Arge. Apollod. l. III. c. 3. §. 1. So soll er auch den Vulcan, Homer. Il. Α. v. 578. und Mars mit ihr gezeuget haben. Hesiod. Theog. v. 922.

8 §. Buhlschaften und unechte Kinder. Wie er in der Liebe ungemein ausschweifete, so wird er auch für den Urheber des Ehebruchs gehalten. Lucian. ap. Nat. Com. l. II. c. 1. p. 93. So zeugete er mit der Niobe, des Phoroneus Tochter, als seiner ersten Buhlschaft, den Argus. Apollod. l. II. c. 1. §. 1. Mit der Kallisto, Lykaons Tochter, die er unter der Gestalt der Diana betrog, den [1408] Arkas. Ovid. Met. II. v. 409. Mit der Io, des Inachus Tochter, die er mit einem düstern Nebel umschloß, als sie vor ihm floh, den Epaphus. Id. l. I. v. 588. Mit der Danae, des Akrisius Tochter, die er unter der Gestalt eines goldenen Regens betrog, den Perseus. Apollod. l. II. c. 4. §. 1. Mit der Europa, des Agenors Tochter, die er unter der Gestalt eines Ochsen entführete, den Minos, Sarpedon und Rhadamanth. Id. l. III. c. 1. §. 1. Mit der Semele, des Kadmus Tochter, den Bacchus. Id. ib. c. 4. §. 3. Mit der Antiope, des Nykteus Tochter, unter der Gestalt eines Satyrs, den Zethus und Amphion. Id. ib. c. 5. §. 5. & Ovid. Met. VI. v. 110. Mit der Taygete, den Lacedämon. Apollod. l. c. c. 10. §. 3. Mit der Leda, des Tyndareus Tochter, welche er unter der Gestalt eines Schwans überlistete, den Pollux und die Helena. Id. ib. §. 6. Mit der Maja, des Atlas Tochter, den Mercurius. Id. ib. §. 2. Mit der Aegina, des Asopus Tochter, unter der Gestalt des Feuers, den Aekus. Id. ib. c. 13. §. 6. & Ovid. Met. VI. v. 113. Mit der Themis, des Cölus Tochter, die Horen. Apollod. l. I. c. 3. §. 2. Mit der Dione, die Venus. Id. ib. Mit der Eurynome, des Oceans Tochter, die Gratien. Ovid. Met. VI. v. 114. Mit der Mnemosyne, unter der Gestalt eines Hirten, die Musen. Arnob. ap. Gyrald. Synt II. p. 78. Mit der Karme, des Eubulus Tochter, die Britomartis. Pausan. Cor. c. 90. p. 141. Mit einer der sithnidischen Nymphen, den Megarus. Id. Att. c. 40. p. 74. Mit der Protogenia, des Deukalions Tochter, den Aethlius. Hygin. Fab. 155. Mit der Hora, einer Nymphe, den Kolax. Valer. Flacc. l. VI. v. 48. Mit der Elektra, des Atlas Tochter, den Dardanus. Serv. ad Virg. Aen. III. v. 166. Mit der Thalia, die Paliken. Macrob. Saturn. V. c. 19. Mit der Garamantis, den Iarbas. Virg. Aen. IV. v. 198. Mit der Hybris oder Contumelia, den Pan. Apollod. l. I. c. 4. §. 1. Mit der Latona, des Cöus Tochter, den Apollo und die Diana. Id. ib. Mit der Elara, des Orchomenus Tochter, den Tityus. Id. ib. Mit der Ceres, seiner [1409] Schwester, die Proserpina Hygin Præf. p. 12. Mit dieser Proserpina, unter der Gestalt einer Schlange oder eines Drachen, den Zagreus oder Bacchus. Ovid. l. c. v. 108. & 114. Nonn. Dion. L. VI. 157. Mit der Luna den Pandion. Id. ib Mit der Klymene die Mnemosyne. Id. ib. Mit der Pyrrha, des Epimetheus Tochter, die Helena. Id. Fab. 155. Mit der Pluto, des Himas Tochter, den Tantalus. Id. ib. Mit der Aega, Pans Frau, den Aegipan. Id. Astron Poet. l. II. c. 13. Mit der Dia, des Dioneus Tochter, den Pirithous. Id. Fab. 155. Mit der Alkmene, des Elektryons Tochter, unter der Gestalt ihres Mannes, den Herkules. Apollod. l. II. c. 4. §. 8. Diese ist zwar die letzte unter den sterblichen Frauen gewesen, mit der er seine Händel gehabt, jedoch sind esdie erzähleten keinesweges alle, sondern es stehen deren noch eine gute Anzahl mehr, Tab. Gen. X. Er nahm auch noch mehr Gestalten an, als erzählet worden, seinen Leidenschaften ein Genügen zu thun; wie z.B. die Gestalt eines Adlers, da er die Asterie gern gehabt hätte, die sich in eine Wachtel verwandelte. Ovid. l. c. v. 108. Ja, die Klytoris zu berücken, verwandelte er sich so gar in eine Ameise. Arnob. ap. Pomey P. I. p. 13.

9 §. Verehrung. Diese erwiesen ihm die alten Aegypter, Diod. Sic. l. I. c. 13. p. 8. Atlanter Id. l. III. c. 61. p. 136. und Kretenser, Id. l. V. c. 71. p. 234. zuförderst aber die Griechen und Römer, von welchen jene ihm zu Olympia einen Tempel und darinnen eine Bildsäule errichten lassen, die eines von den sieben alten Wunderwerken der Welt war. Sie war auf neunzig Fuß hoch, aus Golde und Elfenbeine, und von dem berühmten Bildhauer, dem Phidias, verfertiget. Hygin. Fab. 223. Cf. Chevreau Hist. du Monde l. VII. c. 4. Die Römer hatten ihm zu Ehren das Capitolium, und darinnen einen Tempel erbauet, der ebenfalls für ein Wunderwerk der Welt gelten konnte, weil Domitian allein an die Vergoldung desselben auf 12000 Talente, oder neun Millionen Thaler, das Talent zu 750 Thaler gerechnet, verwendete. Plutarch.[1410] in Valer. Poplicola c. 7. Cf. Alex. Donatus l. II. c. 4. 5. 6. 7. & Nardin. l. 5. c. 15. Hiernächst wurden ihm jedesmal Kühe und Ochsen mit übergoldeten Hörnern geopfert; Donat. ad Virg. Aen. IX. 180. und an allen Iden wurde ihm ein Schaf gebracht. Macrob. Sat. I. c. 15. p. 261. Cf. Al. ab Alex. l. III. c. 12. p. 690. Sonst waren ihm die Adler, die Spitzen der Berge, die Eichen, Buchen und alle dergleichen fruchttragende Bäume gewiedmet. Voss. Theol. gent. l. IX. c. 17. Bey den Griechen wurden ihm zu Ehren die olympischen Spiele. Arcbias & alii ap. Schmid. Proleg. in Olymp. p. 5. und bey den Römern dessen Feste den 1 Januar, 13 April, 24 Junius, 13 Julius, 13 August u.s.f. gefeyret. Calend. Vet. ap. Struv. Syntagm. A. R. c. 8. Dabey war ihm der Adler insonderheit darum gewidmet, und er führete ihn selbst, statt der Fahnen, zum Zeichen in seinen Kriegen, weil er ihm, als er in der Insel Naxos opferte, da er wider die Titanen zog, eine gute Vorbedeutung gegeben, oder aber, weil er ihm den Ganymedes zugeführet hatte. Eratosth. Cataster. 30. Cf. Lactant. Instit. I. c. 11. §. 64.

10 §. Bildung. Diese ist nach seinen verschiedenen Namen und denen Eigenschaften und Handlungen, die er vorstellen soll, auch sehr verschieden. Mont fauc. ant. expl. T. I. P. I. pl. 7–20. Einige dieser Abbildungen sind unter denselben angezeiget. Man hat aber überhaupt angemerket, daß sein Kopf so wohl auf den Marmorn als auf Münzen und Gemmen voller Majestät, und sich in allen denselben stets ähnlich sey. Winkelm. Gesch. der Kunst I Th. 4 K. 166 S. Seine gewöhnlichsten Kennzeichen sind der Donnerkeil und der Adler, theils beyde zusammen, theils einzeln. Zuweilen ist er, wie einige andere obere Gottheiten, mit Flügeln versehen. Winkeln. am angef. Orte a. d. 87 S. So findet man ihn auf einer alten Paste und einem Carniole geflügelt, wie er der Semele in seiner Herrlichkeit erscheint. Descr. des pier. gr. de Stosch. p. 54. 55. Auf dem ersten derselben ist er ganz bekleidet, auf dem [1411] andern aber unbekleidet. Winkelm. monum. antichi, n. 1. & 2 p. 2. Gemeiniglich wurde er gebildet, wie er auf einem elfenbeinernen Throne saß, einen königlichen Zepter in der linken Hand hielt, mit der rechten aber mit dem Blitze nach der Hölle zuschlug, und die Riesen unter den Füßen liegen hatte, neben ihm aber flog ein Adler, welcher einen Knaben, der einen Becher in der Hand hielt, und Ganymedes war, in den Klauen führete. Albricus de Imag. Deor. c. 2. Er war dabey am obern halben Theile des Leibes nackend, hatte dann und wann eine Krone von goldenem Bleche, oder von Oelzweigen auf dem Haupte, bald zwey Augen, bald drey, bald gar keine, bald zwep Ohren, bald wiederum auch keine, ein ziemliches Haar, mit welchem allein er den Olympus erzitternd machen konnte, einen starken Bart, zuweilen auch keinen, und vor sich die Aegis, oder einen besondern Schild. So hielt er auch wohl mit der einen Hand einen Adler, eine Victorie, eine Opferschaale, und mit der linken den Blitz, oder einen unbeschlagen Spieß; oder stützete die Hand auf einen Tisch, und hatte den Adler zu seinen Füßen; Bald saß er auf einem Throne, bald auf einem Stuhle, bald stund er, bald fuhr er, und was der Aenderungen und Bildungen alle mehr waren, die meist die Eigenschaften eines guten Regenten vorstellen sollen. Voss. Theol. gent. l. IX. c. 17. Frœl. tent. in re num. vet. p. 111, 183, 214, 265, 334 Cf. Kipping. A. R. l. I. c. 7. Auf einigen Gemmen zeiget er sich ganz nackend und hat seine Aegis um den linken Arm gewickelt. Descr. des p. gr. de Stosch. p. 40. Winkelm. l. c. n. 9. p. 10.

11 §. Beynamen. Nach diesen heißt er unter andern


Abrétanus, Adultus, Aegiochus,

Aegyptius, Aethiopus, Aethnéus,

Aethrius, Agamemnon, Agoræus,

Alastor, Aliterius, Altissimus,

Alumnus, Alysius, Ambulius,

Ammon, Anesius, Anxurus,

Apemius, Apesantius, Apomyius,

Arbitrator, Aiborëus, Aréius,

Argiceraunus, Atabyrius, Athóus,

Bagæus, Bienarius, Gatabates,

Capitolinus, Carius, Casius, [1412]

Cenœus, Chrysaoreûs, Chthonius,

Cithæronius, Clarius, Conius,

Conservator, Coryphæus, Cosmetas,

Custos, Dapalis, Dictæus,

Diespiter, Dodonæus, Dolichæus,

Drymnius, Eleutherius, Elicius,

Elymæus, Epibemius, Epicarpius,

Epicœnius, Epidotas, Epistæterius,

Erenesius, Eridemius, Fagutalis,

Feretrius, Gamelius, Cenetæus,

Hecalesius, Hercéus, Homagyrius,

Horcius, Hospitalis, Imperator,

Inventor, Ithomates, Labradeus,

Lapis, Larissæus, Larialis,

Lecheates, Lucetius, Lycæus,

Maius, Maleæus, Messapéus,

Milichius, Militaris, Muscarius,

Myiódes, Nemeétes, Neméus,

Nicephorus, Olympius, Opitulátor,

Optimus, Osogo, Palæstes,

Panellenius, Panomphæus, Pappas,

Parnethius, Phatrius, Pistius,

Pistor, Plusius, Pluvius,

Poliêus, Prædator, Scotitas,

Soter, Sponsor, Stator,

Sthenius, Tarantæus, Tarpéius,

Tarsius, Tarsus, Teléus,

Thésmophorus, Tropæus, Trophonius,

Victor, Viduus, Vitor,

Vrius, Xenius,


welche zu mehrer Erläuterung seiner Mythologie nachzusehen sind.

12 §. Eigentliche Historie. Da der Namen Jupiter ehemals allen Königen gemein gewesen, insonderheit aber ihn einige zu Argos, als Apis und Prötus, desgleichen in Phrygien der Tantalus, zweene in Kreta, Kres und Asterius, u.s.f. geführet haben, so sind ihre Historien endlich alle vermenget, meist aber dem Asterius in Kreta, zugeschrieben worden. Voss. Theol. gent. l. I. c. 14. Wenigstens ist solcher Jupiter nichts mehr, als ein Mensch, gewesen, der endlich in Kreta gestorben und begraben worden. Spanhem. ad Callim. Hymn. in en Iovem v. 8. & Voss. l. c. Wegen seiner vielen Verdienste hat man ihn nach seinem Tode für einen Gott angegeben und verehret. Diod. Sic. l. III. c. 61. p. 136. & l. V. c. 71. p. 234. Cf. Lactant. In stit. l. I. c. 11. & Minut. Felix Octavian. c. 22. Es sind aber wohl nur gelehrte Muthmaßungen, wenn einige bald den Cham aus ihm machen, bald ihn für einerley mit dem Bacchus, dem Pan, dem Vulcan, und so ferner halten. Huet. Dem. Evang. Propos. IV. passim.

[1413] 13 §. Anderweitige Deutungen. Nach einigen ist er so viel, als die Seele der Welt; Phurnut. de N.D. c. 2. nach andern bedeutet er den Himmel; oder den Aether, oder doch die obere Luft, wie Juno die untere. Voss. Theol. gent. l. II. Cf. Nat. Com. l. II. c. 1. Noch andere suchen das Bild eines Regenten an ihm, Voss. l. c. l. IX. c. 7. oder doch die oberste Herrschaft und Majestät und den Sinn der Fürsten. Damm. Lex. etym. p. 2881.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 1401-1414.
Lizenz:
Faksimiles:
1401 | 1402 | 1403 | 1404 | 1405 | 1406 | 1407 | 1408 | 1409 | 1410 | 1411 | 1412 | 1413 | 1414

Buchempfehlung

Lohenstein, Daniel Casper von

Sophonisbe. Trauerspiel

Sophonisbe. Trauerspiel

Im zweiten Punischen Krieg gerät Syphax, der König von Numidien, in Gefangenschaft. Sophonisbe, seine Frau, ist bereit sein Leben für das Reich zu opfern und bietet den heidnischen Göttern sogar ihre Söhne als Blutopfer an.

178 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon