Kalkstein Ich erzähle hier eine Geschichte, die uns einmal ein Freund erzählt hat, in der nichts Ungewöhnliches vor kömmt, und die ich doch nicht habe vergessen können. Unter zehn Zuhörern werden neun den Mann, der in der Geschichte vorkömmt, tadeln ...
Ada Christen Käthes Federhut Arme Leute kaufen ihr Brennholz von dem Zimmerplatze weg. Es wird nicht in Wagen vor das Tor gefahren, sondern die Kinder gehen mit alten Tüchern hin und lesen an Spänen zusammen, was sie nur tragen können ...
Katzensilber In einem abgelegenen, aber sehr schönen Teile unsers Vaterlandes steht ein stattlicher Hof. Er steht auf einem kleinen Hügel, und ist auf einer Seite von seinen Feldern und seinen Wiesen und auf der andern von seinem kleinen Walde umgeben ...
Kind Gottes Es war im Lüneburger Haideland. Weit wölbte sich der Himmel über dem braunroten Boden wie eine ungeheure, schützend ausgebreitete Hand. Dunkelgrüne Eschengruppen, die hie und da die einförmige Fläche unterbrachen, verbargen in ihren Schatten kleine, wunderliche, strohgedeckte Häuser ...
Klare Rechnung »Wenn du stiehlst, mein Sohn, stiehl mit Bedacht. Es hat schon manch Einen gegeben, der einen Tabakbeutel einsteckte, indessen daneben die fetteste Sau grunzte. Verliere nie deine Ruhe. Stehlen ist ein Geschäft wie ein andres, es kommt nur ...
Kleider machen Leute An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er ...
E. T. A. Hoffmann Klein Zaches genannt Zinnober Ein Märchen
Kleine Wanderung 1. Ein rotbärtiger Bezirksfeldwebel erteilt mir höflich einen dreimonatlichen Urlaub. Auf dem Polizeipräsidium stellt man mir einen Paß aus. Ich lasse ihn vom österreichischen Konsul visieren. Der Konsul visiert ihn. Und mich. Er nimmt mich aufs Korn. Man ...
Kleines impromptu im Herbst Ich glaubte damals, daß es das Unglück war, das mich belauerte. Ich glaubte es für einen Augenblick; für den entscheidenden. So blieb es ungeschehen, denn es will nicht erkannt sein, ehe es getroffen hat. Es stahl ...
Therese Huber Klosterberuf
Arthur Schnitzler Komödiantinnen
Königin Judith. Die Welt war für ihn ein jubelndes Ja. In seinem Lande herrschten zwei Gottheiten: Allah und Christus. Er aber war mächtiger als beide, denn er lebte. Und wenn die fahrenden Sänger, die aus den dinarischen Gebirgen niederstiegen, von ...
Korrespondenznachricht Herr Unzelmann, der, seit einiger Zeit, in Königsberg Gastrollen gibt, soll zwar, welches das Entscheidende ist, dem Publico daselbst sehr gefallen: mit den Kritikern aber (wie man auch aus der Königsberger Zeitung ersieht) und mit der Direktion viel zu ...
Marie von Ebner-Eschenbach Krambambuli Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Gegenstände. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er – wenn überhaupt – nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch ...
Franziska Gräfin zu Reventlow Krank Ich bin krank... Ein ödes langes Siechtum ohne Aussicht. Ich wollte alles wissen, und man hat mir alles gesagt... alles. Mir ist keine Hoffnung geblieben, nicht einmal die elendeste Illusion. Und so ist es gut ...
Kubismus Ein kubistischer Maler namens Täubchen beschloß, nachdem er viele Bilder kubischer Art gemalt, nunmehr als rechter Aktivist auch »so«: nämlich kubisch zu leben. Er ließ sich statt eines Kopfes einen Würfel auf den Hals schrauben, mit der Nummer 6 ...
[Anonym] Kurtze Beschreibung vnd Erzehlung von einem Juden / mit Namen Ahaßverus / Welcher bey der Creutzigung Christi selbst persönlich gewesen / auch das Crucifige über Christum hab helffen schreyen / vnd vmb Barrabam bitten / hab auch nach der Creutzigung Christi nimmer gen Jerusalem können ...
Paul Heyse L'Arrabbiata Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Über dem Vesuv lagerte eine breite graue Nebelschicht, die sich nach Neapel hinüberdehnte und die kleinen Städte an jenem Küstenstrich verdunkelte. Das Meer lag still. An der Marine aber, die ...
Lebensglück Dein Pfad ist meiner nicht. Wo du dich freust, Da welkte hin mein Herz. Mein eigen Leid Ist meinen Augen heiliger und reicher Als alle deine Lust. In den Straßen der kleinen Residenz bewegte sich emsig das gewöhnliche Werktagstreiben ...