Balkenlage

[529] Balkenlage (Gebälke), eine Anzahl in entsprechender Anordnung nebeneinander liegender Balken. Man unterscheidet hauptsächlich:

a) Deckengebälke, auch Zwischenetagen- oder Geschoßgebälke bezw. Balkenlagen genannt, zwischen zwei Geschossen liegend; b) Dachgebälke oder Dachbalkenlage, schließt das oberste Geschoß oder Stockwerk gegen den Dachbodenraum ab; c) Kehlgebälke oder Kehlbalkenlage, besteht aus den Kehlbalken eines Dachstuhles und bildet die Decke eines im unteren Teile des Daches abgeschlossenen Geschosses, des sogenannten Dach- oder Mansardgeschosses.

Da die unter b) und c) angeführten Formen am zweckmäßigsten mit den Dachkonstruktionen zugleich ihre Erklärung finden, so werden hier nur die Deckengebälke eingehender besprochen. – In bezug auf die allgemeine gegenseitige Lage der Balken kann man unterscheiden: die Gebälke mit paralleler Balkenlagerung, welche die häufigst vorkommenden sind; dann die Gebälke mit radialer oder strahlenförmiger und die mit verschränkter Balkenlagerung, die bei im Grundriß regelmäßig polygonalen oder kreisförmigen Dächern und bei Bauwerken mit schiefwinkligen Ecken und Wiederkehren Anwendung finden. Als Hauptgrundsätze können für die Ausführung folgende gelten:

1. Die Lagerung der Balken auf den zu ihrer Stützung dienenden Mauern, Unterzügen, Pfetten u.s.w. wird nach den unter Balkenauflager (s.d.) besprochenen Regeln durchgeführt. – Gewöhnlich liegen die Balken auf den Haupt- und Mittelmauern der Gebäude auf (vgl. Mauerlatte, Mauerbank, Rahm, Rastschließe).

2. Die Entfernung der einzelnen Balken voneinander – die sogenannte Balkenweite – ist verschieden und zumeist abhängig von der Last, welche die Balken zu tragen haben; außerdem aber auch von der Stärke der Dielung bezw. Schalung der Balkenlage.

3. Bei den Deckengebälken, deren Auswechslung schwierig und sehr kostspielig ist, sehe man vornehmlich darauf, daß nur gesundes, gerade gewachsenes, trockenes Holz verwendet wird und beim Legen der einzelnen Balken immer Zopf- und Stammende abwechseln, damit die Tragfähigkeit der Balkenlage eine möglichst gleichmäßige werde.

4. Es ist zu vermeiden, daß das Holz mit frischem Mörtel in Berührung kommt; daher werden die auf dem Mauerwerk aufliegenden Balkenköpfe entweder mit Teeranstrich versehen oder durch Dachpappe, Blech u.s.w. isoliert, besonders die Hirnseite derselben.

5. Wenn die Balken nicht auf einem entsprechenden Mauerabsatz aufliegen, sondern in die Mauer einzulassen sind, so hat man die Balkenköpfe ringsum frei zu halten: einerseits wegen Luftzutritt, anderseits deshalb, damit die Schwankungen und Formänderungen der Balkenköpfe nicht schädlich auf das Mauerwerk einwirken. Man legt daher in solchen Fällen die Balken (bezw. die Mauerbank) auf Konsolen oder Kragsteine von verschiedener Form oder aber auf einen der Mauerflucht entlang laufenden Eisenträger (Doppel-T-Träger, Traverse u.s.w.).

6. Zur Verstärkung der ganzen Konstruktion bezw. des Bauwerkes verbindet man die horizontalen Balken mit dem vertikalen Mauerwerk durch in entsprechenden Zwischenräumen angebrachte Verankerungen oder Schließen.

7. Zur Erhöhung der Tragkraft der Balkenlage und zur gleichförmigen Inanspruchnahme der einzelnen Balken verspreizt man die nebeneinander liegenden Balken durch Sprenghölzer oder Kreuzstaken (s. Decken). Bei den dicht aneinander schließenden, »Mann an Mann« liegenden Dübelbäumen der Dübelböden, die in Oesterreich zumeist als Dachgebälk, d.h. als Abschluß des obersten Stockwerkes dienen, werden die einzelnen Balken (Dübelbäume) durch Dübel miteinander verbunden und so die gesamte Balkenlage zu einem Ganzen vereinigt, wodurch eine einseitige Setzung oder die stärkere Durchbiegung eines einzelnen Balkens nahezu ausgeschlossen ist.[529]

Als Beispiel für die in verschiedenen Ländern abweichenden Balkenlagenkonstruktionen wählen wir die deutsche Balkenlage, und zwar – da im Art. Decken die Deckenbalkenlagen ohnehin ausführlich erörtert werden – hier ein paar Dachbalkenlagen. Das Grundprinzip der deutschen Balkenlage besteht darin, daß (im großen ganzen) eine Anzahl von im Querschnitt nahezu gleichen Balken als Träger für die Dielung u.s.w. verwendet werden. Die Balkenquerschnitte sind zumeist Rechtecke von dem Verhältnis b: h = 5 : 7. Fig. 1 gibt die Balkenlage eines rechtwinkligen Eckhauses mit ungleich tiefen Schenkeln oder Trakten; Fig. 2 die Balkenlage eines im Grundriß unregelmäßigen Gebäudes mit stumpfer Wiederkehr. Das Gebälke liegt mittels doppelter Mauerbänke auf den Hauptmauern auf. Aus beiden Figuren entnimmt man zugleich auch die wichtigsten Arten und Formen der Balken, die nach der in Fig. 1 durchgeführten Bezeichnung folgendermaßen benannt werden: AA Wandbalken (s.d.); BB Binderbalken oder Bundtram, in der Vertikalebene der Walmfirste liegend; CC Hauptstichbalken; FF Stichbalken oder Stiche; DD und G Gratstiche, in der Vertikalebene der Dachgrate liegend; H Ixenstich, in der Vertikalebene der Dachixe liegend; J Wechselbalken oder Wechsel (s. Auswechseln der Balken); K Kamine oder Schornsteine, die durch Wandbalken und eingelegte Wechsel oder Balkenbänder umfaßt sind. – Wesentlich abweichend von der deutschen ist die englische Balkenlage, bei der eine geringe Anzahl von weit (2 m) auseinander liegenden, sehr hochkantigen, Starken Hauptträgern eine Querlage ziemlich eng (0,75 m) liegender, sehr schwacher Polsterhölzer (s.d.) trägt, auf die dann die Dielung befestigt wird. Die Anwendung der englischen Balkenlage ergibt gegenüber der deutschen – bei gleicher Tragkraft – eine Holzersparnis bis zu 50%. – Ziemlich ähnlich der englischen ist die französische Balkenlage, bei der die Querlage der Polsterhölzer nicht auf dem Hauptträger aufgekämmt ist, sondern auf – an den Seiten der Hauptträger befestigten – genügend starken Leisten aufliegt. Diese Konstruktion bietet neben weiterer Holzersparnis größere Sicherheit und Verläßlichkeit. – Die rationellste Ausnutzung der Festigkeit des Holzes ergibt sich aber wohl aus der Anordnung der amerikanischen Balkenlage. Die Hauptträger – die unmittelbar die Dielung tragen – bestehen aus sehr hochkantigen (9–12 cm breiten und 30–42 cm hohen) Balken, die »Mittel auf Mittel« nur 36–48 cm weit auseinander liegen. Diese Träger werden durch vertikale Kreuzverspreizungen ca. alle 3 m gegeneinander abgesteift Eine Eigentümlichkeit der amerikanischen Balkenlage besteht darin, daß die Hauptträger nicht auf den Haupt-, sondern auf den Zwischenmauern aufliegen, also parallel zu den Hauptmauern laufen.

† Hans Guzmann.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 529-531.
Lizenz:
Faksimiles:
529 | 530 | 531
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Fantasiestücke in Callots Manier

Fantasiestücke in Callots Manier

Als E.T.A. Hoffmann 1813 in Bamberg Arbeiten des französischen Kupferstechers Jacques Callot sieht, fühlt er sich unmittelbar hingezogen zu diesen »sonderbaren, fantastischen Blättern« und widmet ihrem Schöpfer die einleitende Hommage seiner ersten Buchveröffentlichung, mit der ihm 1814 der Durchbruch als Dichter gelingt. Enthalten sind u.a. diese Erzählungen: Ritter Gluck, Don Juan, Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza, Der Magnetiseur, Der goldne Topf, Die Abenteuer der Silvester-Nacht

282 Seiten, 13.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon