Bem

[620] Bem, Joseph, poln. General, geb. 1795 zu Tarnow in Galizien, gest. 10. Dez. 1850 in Aleppo, machte als polnischer Artillerieoffizier den russischen Feldzug von 1812 mit, trat 1815 in das polnische Heer ein und ward 1819 Kapitän. Sein Freimut zog ihm vielfach Strafen zu, bis er nach Alexanders I. Tode die Entlassung aus dem polnisch-russischen Dienst erhielt. Beim Ausbruch des Warschauer Novemberaufstandes 1830 wurde B. Artilleriemajor. Zum Siege von Iganie trug er das meiste bei, zeichnete sich bei Ostrolenka aus und wurde rasch zum Oberbefehlshaber über die gesamte Artillerie und zum General befördert. Nach dem Falle Warschaus trat er auf preußisches Gebiet über, lebte in Leipzig, Altenburg und seit März 1832 in Paris. Im März 1848 erschien er in Lemberg und 14. Okt. 1848 in Wien, wo er die Organisation der Verteidigungsmittel übernahm und den Ausfall vom 25. Okt. leitete. Am Tage der Kapitulation flüchtete er nach Ungarn. Dort erhielt er von der Kossuthschen Regierung den Oberbefehl in Siebenbürgen; er organisierte eine Honvedarmee von 10,000 Szeklern, führte geschickt den kleinen Krieg, hielt sich gegen Puchner (den er 19. Dez. 1848 bei Dees besiegt hatte) trotz seiner Niederlage bei Vizakna (4. Febr. 1849), eroberte Kronstadt und Hermannstadt, drängte die Österreicher und Russen in die Walachai, vertrieb Puchner auch aus dem Banat und brachte sein Heer auf 43,000 Mann, mußte aber dann der österreichisch-russischen Übermacht weichen und unterlag 31. Juli 1849 bei Schäßburg. Von Kossuth nach Ungarn zurückgerufen, nahm er noch an der Schlacht bei Temesvár (9. Aug.) teil und flüchtete dann in die Türkei, wo er, zum Islam übertretend, den Namen Amurat Pascha annahm. Auf die Einsprache Österreichs und Rußlands erhielt er 1850 Aleppo zum Aufenthalt angewiesen, wo er im November mit türkischen Truppen den arabischen Aufstand gegen die Christen niederschlug. 1880 wurde ihm in Maros-Vásárhely ein Denkmal errichtet. Vgl. Czetz, Bems Feldzug in Siebenbürgen (Hamb. 1850); Pataky, B. in Siebenbürgen (Leipz. 1850).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 620.
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