Elektrische Isolationsstoffe

[627] Elektrische Isolationsstoffe für elektrotechnische Maschinen können je nach dem Zweck, dem sie dienen sollen, flüssig oder fest sein. Die erstern, deren Widerstand mit der chemischen Zusammensetzung sich in hohem Maß ändert, sind Holzteer, Ozokerit, Paraffinöl oder Olivenöl mit einem Widerstand von 1,700,000,000, 450,000,000, 8,000,000 u. 1,000,000 Megohm für 1 ccm bei 18°. Man benutzt sie, um den Ausgleich sehr starker Spannungsunterschiede, die zwischen den Teilen eines Apparats auftreten, zu verhüten und stellt deshalb große Umformer in Ölbäder. Dies ist aber nicht angängig, wenn die Apparate wie Dynamomaschinen sich bewegende Teile besitzen. In diesem Fall sowie zur Isolation von Drähten muß man feste Körper verwenden. Als solche dienen Glas, Glimmer, Schwefel, Ebonit und nichtvulkanisierter Kautschuk mit einem Widerstand von 1018-60.1018 auf eine Länge von 1 m und einem Querschnitt von 1 qmm und Guttapercha, sowie vulkanisierter Kautschuk, wie er durch ein 2–6 Min. langes Eintauchen von Kautschuk in eine Lösung von 2,5 Teilen Chlorschwefel in 100 Teilen Schwefelkohlenstoff erhalten wird, mit einem ebenso gemessenen Widerstand von 100.1018-200.1018 Ohm. Da diese Stoffe sich nicht immer gut verwenden lassen, auch wohl zu teuer sind, so hat man sie durch andre ersetzt, deren Zusammensetzung nicht immer bekannt gegeben ist. So benutzt die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin zur Bekleidung von Ankerkernen, zu Herstellungen von Spulengehäusen und von nicht leitenden Maschinenteilen Mikanit, d.h. fein gespaltene Glimmertäfelchen, die zu größern Tafeln zusammengelegt und durch einen Kitt unter Anwendung starken Druckes verbunden werden, auch Mikanitpapier oder -Leinwand, sowie den kautschukhaltigen Stabilit (Resistan), nehmen Hirschwald u. Komp. in Rummelsburg Lithin, Wilfert in Köln Vulkanfiber etc. In ähnlicher Weise findet mit Paraffin getränktes Papier Verwendung. Zur Isolierung der Kabeladern dienen Guttapercha oder Kautschuk, den man wohl auch durch einen aus einer Verbindung des Chlorschwefels mit fetten Ölen bestehenden künstlichen Kautschuk ersetzt. Auch Chatterton Compound, Ambroïn, Isolazit, Diëlit, Armacell etc. finden wohl Verwendung. Die nämlichen Stoffe, unter Umständen auch geteerte Leinwand oder Jute, Baumwolle, Seide etc. isolieren die Drahtleitungen, die sich im Innern von Gebäuden befinden. Über Isolierung blanker Luftleitungen mittels Porzellanglocken an Mauern oder Holzmasten s. Elektrische Leitung.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 627.
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