Häckselmaschine

[596] Häckselmaschine (Siedemaschine, Futterschneidemaschine), Maschine zum Schneiden des Strohes zu Häcksel und Streustroh und zum Schneiden von Grünfutter. Die H. entstand aus der Häcksellade oder Häckselbank, in der das Futter mittels einer Gabel fortgeschoben wird, um mit einer mittels eines Trittes und der Hand bewegten Klinge (Futterklinge) geschnitten zu werden. Bei der H. erfolgt das Vorschieben des Strohes durch die Maschine selbst und die Bewegung des Messers durch eine rotierende Welle.

Fig. 1. Häckselmaschine von Lanz.
Fig. 1. Häckselmaschine von Lanz.

Bei der nur noch wenig gebräuchlichen Guillotine-H. zerschneidet das Messer beim Niedergang das zusammengepreßte Stroh. Beim Lesterschen System, Schwungrad-H., sind ein oder mehrere nachstellbare Messer an einem Schwungrad befestigt (Fig. 1). Beim Salmonschen System, Trommel-H., befinden sich zwei oder mehr schraubenförmig gewundene Messer an einer wagerechten zylindrischen Trommel (Fig. 2). Bei beiden wirken die Messer auf der ganzen Breite unter demselben Schnittwinkel auf das Schneidgut. Durch zwei gezahnte und in entgegengesetzter Richtung sich drehende Walzen oder durch den verschiebbaren Boden der Lade wird das Stroh ununterbrochen oder absatzweise nach jedem Schnitte um so viel vorgeschoben, wie die Schnittlänge beträgt, und dabei zusammengedrückt, um den Schnitt zu erleichtern. Bei den meisten Häckselmaschinen sind Vorrichtungen angebracht, um Häcksel von verschiedener Länge (für Schaffutter 6–8 mm, für Pferdefutter 13–15 mm, für Kuhfutter 25–40 mm und für Streustroh bis 350 und 450 mm) schneiden zu können. Es darf nicht zu kurz sein. Die obern Schneidewerkzeuge sollen verdeckt sein, ebenso die Lade 60 cm vor den Walzen. Die bessern Häckselmaschinen sind mit Ausrückvorrichtung und Rücklauf des Vorschubmechanismus versehen, zuweilen treten diese Sicherheitsvorrichtungen bei Gefahr selbsttätig in Wirkung. Sehr verbreitet, weil bequem für die Verstellung, ist der ununterbrochene Antrieb durch ein Scheibenrad; die sonst notwendigen Wechselräder sind dabei nicht erforderlich. Auf der Schwungradwelle wird ein Stirnrad derart verschoben und festgestellt, daß es in den für das Übersetzungsverhältnis geeigneten Zahnkranz des Scheibenrades eingreift. Fig. 1 stellt eine Schwungrad-H. von Lanz in Mannheim dar, die mit vielen modernen Neuerungen ausgestattet ist. Bei dieser Maschine dienen der Fußtritt, der Handhebel und die beim zu tiefen Hineingreifen mit der Hand selbsttätig nachgebende Futterladendecke A zum Ausrücken des Räderantriebes und das Gewicht zum Zusammenpressen der Walzen. Einen sehr einfachen, absatzweise erfolgenden Vorschub erzielt Lanz, und zwar für 7,12,18 und 24 mm Häcksellänge, durch ein auf der Schwungradwelle verschieb- und feststellbares Daumenrad, das auf einen einarmigen Hebel wie dieser auf eine Schaltklinke wirkt. Da sich die Übertragung der Bewegung durch Schaltwerk durch leichte Verstellbarkeit besonders auszeichnet, findet sie auch sehr häufige Verwendung. A. Naumann (Erzgebirgische Maschinenfabrik Schlettau) erzielt damit Häcksellängen von 6–420 mm. Der Betrieb der H. erfolgt entweder durch Handkurbel oder mittels Göpel-, bez. Dampfkraft. Die Leistung beträgt bei Handbetrieb je nach der Größe der Maschine (des Mundstückes), der Häcksellänge und je nachdem ein oder zwei Arbeiter das Schwungrad drehen, 80–160 kg Pferdehäcksel in einer Stunde, bei Göpel- und Dampfbetrieb bis 750 kg bei 0,5–1 Pferdekraft. Häckselmaschinen für große Leistungen sind auch gleich mit der Dampfdreschmaschine verbunden oder werden von dieser angetrieben und verarbeiten das die Dreschmaschine verlassende Leerstroh zu Häcksel.

Fig. 2. Häckselmaschine von H. Kriesel.
Fig. 2. Häckselmaschine von H. Kriesel.

Diese großen Häckselmaschinen sind häufig mit Reinigungssieben, Elevatoren und Einsackvorrichtungen versehen. Es wird überhaupt immer mehr darauf geachtet, das Häcksel von Staub gereinigt und in der den verschiedenen Tieren zweckmäßigen Länge zu verfüttern. Das führte auch bei kleinern Maschinen zur Verbindung von Häckselmaschinen mit Reinigungs- u. Sortiervorrichtungen und Einsackvorrichtung (H. Laaß u. Komp. in Magdeburg-Neustadt). Bei der fahrbaren H. (Fig. 2) von H. Kriesel in Dirschau wird das geschnittene Häcksel durch den Windstrom eines Ventilators v erst nach einer Entstäubungskammer, die aus einer Erweiterung der hinten liegenden Windrohrleitung und einem darin angeordneten Siebe besteht, und dann nach einem großen Sortierzylinder s geblasen. Das hier in zwei Längen sortierte Häcksel wird gleich in angehängten Säcken aufgefangen, während die längern Strohteile durch einen Kanal wieder in die Häcksellade zurückfallen. Man hat bei der Verwendung derartiger Druckluftleitungen[596] noch den Vorteil, das gereinigte Häcksel durch die entsprechend geführte Rohrleitung an eine entferntere Stapel- oder Verwendungsstelle ohne besondere Transportmittel fortschaffen zu können. Bei den großen Häcksellängen für Streustroh häuft sich das Häcksel leicht auf dem Schwungradkranz an, deshalb ersetzt Fr. Scheiter in Niederwürschnitz diesen durch einzelne Gewichte, die außen auf den eventuell abschraubbaren Messerarmen befestigt werden. Scheiter verwendet übrigens auch etwa dreieckige, zweischneidige Messer, deren Spitze zuerst in das Schneidgut eintritt. Man verläßt auch hierfür überhaupt die gebräuchliche Bauart. Die Streustroh- und Grünfutter- Schneidemaschine von J. C. Hedemann in Badbergen besteht z. B. aus einem 2 m langen Einlegkasten, in dem unten zwei wagerechte Wellen gelagert sind, auf denen je nach der Häcksellänge verschiebbare Scheiben einander gegenübersitzen, von denen die der einen als kreisförmige Messer, die der andern als doppelte sternförmige Mitnehmer ausgebildet sind; letztere umfassen die Schneiden der erstern.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 596-597.
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