Haberl

[586] Haberl, Franz Xaver, Musikgelehrter, geb. 12. April 1840 in Oberellenbach bei Straubing als Sohn eines Schullehrers, erhielt seine weitere Ausbildung als Chorknabe am Dom zu Passau, wurde 1862 zum Priester geweiht, bekleidete bis 1867 die Stelle eines Musikpräfekten an den drei bischöflichen Seminaren in Passau und dann die eines Organisten an Santa Maria dell' Anima in Rom, woselbst er die Bibliotheken nach den Schätzen älterer Kirchenmusik durchforschte. 1871–82 war er Domkapellmeister und Inspektor der Dompräbende in Regensburg. 1874 begründete er die Kirchenmusikschule daselbst, die später zu großem Ansehen gelangte. Auch den unter seiner Leitung stehenden Kirchenchor hob er im Verlauf weniger Jahre derart, daß Regensburg gegenwärtig mit Recht als eine der wichtigsten Pflegestätten der polyphonen Kirchenmusik gelten darf. Aber H. zählt auch zu den bedeutendsten Musikhistorikern der Gegenwart, begründete 1879 einen Palestrinaverein und beendete die 1862 von Th. de Witt u. a. begonnene Gesamtausgabe der Werke Palestrinas, setzte Proskes und Schrems' Sammlung »Musica divina« fort und gab den »Cäcilienkalender« 1876–85 heraus (1886 als »Kirchenmusikalisches Jahrbuch« in erweiterter Form), redigierte im Auftrage der Kongregation der Riten Neuausgaben der kirchlichen Gesangbücher und gab ein Lehrbuch des gregorianischen Gesanges heraus (»Magister choralis«, Regensb. 1865, oft aufgelegt und übersetzt). Die Universität Würzburg ernannte ihn zum Dr. theol. h. c., der Papst zum Ehrenkanonikus von Palästina. Wichtige historische Arbeiten Haberls sind: »Bausteine für Musikgeschichte« (I: »Wilhelm du Fay«, Leipz. 1885; II: »Die römische Schola cantorum«, das. 1887; III: »Musikkatalog des päpstlichen Kapellarchivs«, das. 1888).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 586.
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