Jussieu

[394] Jussieu (spr. schüsjö), 1) Antoine de, Botaniker, geb. 6. Juli 1686 in Lyon, gest. 22. April 1758 in Paris, machte botanische Reisen in Spanien und Portugal bis 1716 und wurde dann als Schüler Tourneforts dessen Nachfolger am botanischen Garten in Paris. J. schrieb: »Discours sur les progrès de la botanique« (Par. 1718) und »Traité des vertus des plantes« (Nancy 1771, Par. 1772, nach seinem Tod erschienen) u. a. Auch gab er eine neue Auflage von Tourneforts »Institutiones botanicae« (Par. 1719) heraus.

2) Bernard de, ebenfalls Botaniker, Bruder des vorigen, geb. 17. Aug. 1699 in Lyon, gest. 6. Nov. 1776, studierte in Lyon und Paris, begleitete seinen Bruder nach Spanien, studierte nach seiner Rückkehr noch Medizin, wurde 1758 Aufseher des Gartens von Trianon, den er nach einem neuen, von ihm begründeten natürlichen Pflanzensystem einrichtete (System von Trianon). Er lieferte auch die zweite, sehr bereicherte Ausgabe von Tourneforts »Histoire des plantes qui naissent dans les environs de Paris« (Par. 1725, 2 Bde.).

3) Joseph de, Botaniker, Bruder der vorigen, geb. 3. Sept. 1704 in Lyon, gest. 11. April 1779 in Paris, studierte Medizin, Mathematik und Botanik, begleitete Maurepas 1735 nach Quito, blieb dort allein zurück, bereiste die Kordilleren bis Potosi und wurde von den Spaniern zu Ingenieurdiensten gezwungen. Er verfiel in Geisteskrankheit und kehrte 1771 nach Frankreich zurück.

4) Antoine Laurent de, Botaniker, Neffe der vorigen, geb. 12. April 1748 in Lyon, gest. 17. Sept. 1836 in Paris, studierte Medizin, war 1770–85 Professor der Botanik am Pflanzengarten in Paris, wurde 1777 Direktor des Gartens, Titularrat an der kaiserlichen Universität und nach der Restauration Professor der Arzneimittellehre an der medizinischen Fakultät und der Botanik am Museum der Naturgeschichte. J. arbeitete das von seinem Oheim Bernard aufgestellte System weiter aus und verschaffte demselben allgemeinere Anerkennung durch seine Werke: »Genera plantarum secundum ordines naturales disposita« (Par. 1789), »Principes de la méthode naturelle des végétaux« (das. 1824). Außerdem schrieb er Abhandlungen über zahlreiche einzelne Pflanzenfamilien.

5) Adrien Laurent de, Sohn des vorigen, geb. 23. Dez. 1797 in Paris, gest. daselbst 29. Juni 1853, ward 1826 Professor der Botanik am Pflanzengarten, Direktor des naturhistorischen Museums, lieferte Monographien über die Euphorbiazeen (1824), die Rutazeen (1825), die Meliazeen (1830), die Malpighiazeen (1843) u. a. und schrieb: »Botanique« oder »Cours élémentaire de la botanique« (Par. 1842, 12. Aufl. 1884; deutsch von Schmidt-Göbel und Pfund, Prag 1844; von Kißling, Stuttg. 1845; neue Ausg. 1858)

6) Laurent Pierre de, bekannt durch Einführung des wechselseitigen Unterrichts und der Gaultierschen Unterrichtsspiele in Frankreich, geb. 7. Febr. 1792 in Villeurbanne bei Lyon, gest. 23. Febr. 1866 in Passy, Neffe von J. 3), französischer Staatsbeamter, zuletzt (bis 1848) maître des requêtes beim Staatsrat. Seine zahlreichen Schriften verfolgen alle eine stark betonte moralische Tendenz und sind zum Teil von der Akademie gekrönt worden. Verbreitet ist namentlich das in viele Sprachen übersetzte Volksbuch »Simon de Nantua, ou le marchaud forain« (1818 u. öfter; deutsch, Ulm 1849).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 394.
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