Kolokotrōnis

[282] Kolokotrōnis, Theodor, griech. Freiheitsheld, geb. 15. April 1770 zu Karytena in Arkadien, gest. 15. März 1843, Sohn des Klephthenführers Konstantin K., trat 1802 in die Truppe der Ionischen Inseln, 1814 auf Zakynthos in das vom General Church gebildete griechische leichte Infanterieregiment, eilte beim Ausbruch des Aufstandes 1821 in die Heimat und leitete die Erhebung Arkadiens. Ath letisch gebaut, kühn, schlau und unermüdlich, war er ein ausgezeichneter Führer der Klephthenscharen. Er beteiligte sich an den Belagerungen von Tripolizza, Nauplia, Akrokorinth und fiel in Livadien ein. Im nächsten Feldzug besiegte er die Türken bei Kleones und in Phlius. Mit dem Waffenglück wuchsen jedoch auch sein Übermut und seine Selbstsucht. So machte er sich selbst zum Gouverneur von Nauplia und erhob gegen den Nationalkonvent von 1823 drohende Forderungen. Nur durch das Versprechen, daß man[282] ihn zum Oberfeldherrn ernennen und neben Petros Mauromichalis stellen werde, ließ er sich zur Auslieferung der Schlüssel von Nauplia bewegen; durch neue Drohungen erzwang er seine Ernennung zum Vizepräsidenten des Verwaltungsrats. Dadurch nicht befriedigt, ward er nach mehreren unglücklichen Gefechten gegen die Regierungstruppen unter Guras zum Rückzug nach Karytena genötigt, hier gefangen genommen und als Staatsgefangener in ein Kloster auf Hydra abgeführt (im Februar 1825). Da jedoch kurz darauf der Krieg eine für die Griechen ungünstige Wendung nahm, vertraute ihm die Regierung zu Nauplia im Mai ein Armeekorps von 10,000 Moreoten an. K. war aber im Kampfe gegen Ibrahim Pascha nicht glücklich. Auch unter der Regierung des Grafen Kapo d'Istrias behielt K. den militärischen Oberbefehl in den Peloponnes. Nach dem Tode des Präsidenten (9. Okt. 1831) zum Mitgliede der provisorischen Regierungskommission erwählt, verteidigte K. hartnäckig die Grundsätze des russisch gesinnten Kabinetts von Nauplia; selbst nach dem Siege der Liberalen (im April 1832) bekämpfte er fortwährend die neue Ordnung der Dinge, erlitt jedoch im Januar 1833 eine Niederlage. Ebenso feindselig trat er mit seiner Partei der Regentschaft entgegen, ward aber im März 1834 verhaftet und 26. Mai als Hochverräter zum Tode verurteilt, aber vom Könige zu zehnjährigem Gefängnis begnadigt. Bei Ottos Thronbesteigung (1. Juni 1835) wurde er jedoch aus der Festung Nauplia entlassen, ihm obendrein sein Rang als General zurückgegeben, das Großkreuz des Erlöserordens und eine Stelle im Staatsrat verliehen. Seitdem lebte er zu Athen. Seine Denkwürdigkeiten erschienen Athen 1846 (neue Ausg. 1889, 2 Bde.). Vgl. »K. the Klepht and the warrior, an autobiography« (übersetzt von Edmonds, Lond. 1891); Bikelas, Un héros de la guerre de l'indépendance (in »La Grèce byzantine et moderne«, Par. 1893). – Sein Sohn Gennaìos, 1834 mit seinem Vater verhaftet, starb als Generalleutnant und Chef des Militärwesens in Athen 4. Juni 1868 und wurde durch eine dreitägige Landestrauer geehrt. Seine Denkwürdigkeiten gab Philadelpheus 1856 heraus.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 282-283.
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