Liebhabertheater

[531] Liebhabertheater, Vereinigungen von Dilettanten zur Veranstaltung von Theateraufführungen, die nicht öffentlich, sondern nur den Mitgliedern der Vereinigungen zugänglich sind. Die L. verfolgen meist den Zweck einer geselligen Unterhaltung, haben aber auch eine gewisse Bedeutung für die öffentliche Bühne, weil sie aufstrebenden Talenten Gelegenheit zu praktischen Übungen und zur Vorbereitung für den Bühnenberuf geben. Viele L. stehen unter der Leitung berufsmäßiger Schauspieler. In Deutschland entstanden die ersten L. zu Ende des 18. Jahrh., wahrscheinlich angeregt durch die Dilettantenaufführungen an fürstlichen Höfen. Unter den noch bestehenden Liebhabertheatern ist das älteste die Privat-Theatergesellschaft Urania in Berlin (gegründet 1792), auf deren Bühne zahlreiche Künstler, die sich nachmals einen geachteten Namen erworben haben, ihre ersten theatralischen Versuche gemacht haben. Ein großer Teil der zurzeit in Deutschland bestehenden L. hat sich zu einem Verband der Privat-Theatervereine Deutschlands mit dem Sitz in Berlin vereinigt, der 151 Vereine[531] umfaßt und ein eignes Organ, »Die Privatbühne«, herausgibt. Vgl. Sédouard, Anleitung für Liebhaberbühnen (Berl. 1888); Schrutz, Katechismus für Liebhaberbühnen (Halle 1898). Sammlungen von kleinen Lustspielen etc. für L. unter dem Titel »Liebhaberbühne« (Landsb.), »Liebhabertheater« (Mülh. a. d. Ruhr), »Dilettantenbühne« (Düsseld.), »Album für Liebhaberbühne« (Berl.) u.a.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 531-532.
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