Liebieg

[532] Liebieg, Johann, Freiherr von, Industrieller, geb. 7. Juni 1802 zu Braunau in Böhmen, gest. 16. Juli 1870 auf seinem Schlosse Smiřitz, erlernte die Tuchmacherei, arbeitete seit 1818 in Reichenberg, etablierte hier ein Schnittwarengeschäft, erwarb 1828 eine kleine Spinnerei, die schnell einen großartigen Aufschwung nahm, und gründete 1850 eine Worstedspinnerei mit 5400 Spindeln. 1845 hatte er in Swarow eine Baumwollspinnerei eröffnet, mit der er zehn Jahre später eine Spinnerei und Zwirnerei im benachbarten Haratitz verband. Eine zweite großartige Baumwollspinnerei errichtete er 1856–63 in Eisenbrod, und etwa um dieselbe Zeit erbaute er in Mildenau im Bezirk Friedland eine Kammgarnspinnerei, verbunden mit 120 Handwebstühlen, während er in den umliegenden Ortschaften Hunderte solcher Stühle beschäftigte. Schon 1841 hatte er für sein Zentraldepot in Wien eine Färberei und Appreturanstalt in Mödling errichtet, die er 1845 nach Nußdorf verlegte. 1852 siedelte er im südlichen Biharer Komitat auf einer verlassenen Glashütte mit bedeutenden Waldungen böhmische Arbeiter an und erzeugte bald 60,000 Ztr. Glas im Jahr. In der Folge begründete und erwarb L. ferner eine Kunstmühle in Haratitz, Dachschieferbrüche in Racic bei Eisenbrod, Kupferwerke zu Rochlitz in Böhmen und Guttenstein in Niederösterreich, eine Spiegelfabrik zu Elisenthal in Böhmen, Kalksteinbrüche und Kalköfen bei Smre bei Eisenbrod, eine Dampfbrettsäge und eine Bierbrauerei auf den Domänen Smiřiz und Horinowes im Königgrätzer Kreis. Er war auch Vorstand des Reichenberger Gewerbevereins, Präsident der Handelskammer daselbst, Reichsratsmitglied etc. 1866 wurde ihm der Adel verliehen. Vgl. »Johann L. Ein Arbeiterleben« (Leipz. 1871). – Von seinen Söhnen, welche die Geschäfte fortführten', trat Johann 1887 aus, Heinrich starb als Mitglied des österreichischen Herrenhauses 1904 in Sachsenhausen, Theodor 1891 in Gondorf bei Koblenz. Jetzige Besitzer sind des letztern Sohne Theodor und Gisbert v. L.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 532.
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