Llorente

[638] Llorente (spr. ljorennte), Juan Antonio, span. Geschichtschreiber, geb. 30. März 1756 zu Rincon del Solo in Aragonien, gest. 5. Febr. 1823 in Madrid, trat 1770 in den geistlichen Stand, wurde 1785 Kommissarius des heiligen Offiziums (der Inquisition) in Logroño, 1789 Generalsekretär desselben in Madrid und entwarf als solcher 1793 einen Plan zu verschiedenen Reformen in deren Verfahren. Nach dem Sturz des Großinquisitors und des Justizministers Jovellanos büßte L. seine reformatorischen Bestrebungen mit Verlust seiner Stelle. Erst als er gegen die baskischen Fueros die Schrift »Noticias historicas sobre las tres provincias bascongadas« (Madr. 1806, 3 Bde.) geschrieben, ward er wieder zu Gnaden aufgenommen, 1806 zum Kanonikus der Hauptkirche in Toledo und 1807 zum Ritter des Karlsordens ernannt. 1808 schloß er sich dem Konia Joseph an, in dessen Auftrag er nach Aufhebung der Inquisition 1809 zwei Jahre lang deren Archive durchforschte, dann die Aufhebung der Klöster leitete und deren Güter verwaltete. Nach der Restauration wurde er verbannt und lebte in Dürftigkeit in Paris. Auf Drängen des durch sein Werk »Portraits politiques des papes« aufgebrachten Klerus 1822 aus Frankreich verwiesen, kehrte er nach Madrid zurück. Sein Hauptwerk ist die »Histoire critique de l'inquisition d'Espagne« (Par. 1815–17, 4 Bde.; deutsch von Höck, Gmünd 1821–22), trotz ihrer archivalischen Quellen nur eine durchaus einseitige Behandlung des Gegenstandes. Ferner schrieb er: »Mémoires pour servir à l'histoire de la révolution d'Espagne« (Par. 1815–19, 3 Bde.), unter dem Namen R. Nellerto (Anagramm von L.), und seine Selbstbiographie (das. 1818). Vgl. Mahul, Notice biographique sur Don J. A. L. (Par. 1823).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 638.
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