Metellus

[694] Metellus, angesehene Familie des röm. plebejischen Geschlechts der Cäcilier. Hervorragendste Glieder:

1) L. Cäcilius, Begründer der Größe des Hauses, war Konsul 251 v. Chr., schlug als Prokonsul 250 den karthagischen Feldherrn Hasdrubal bei Panormos in Sizilien, war 247 zum zweitenmal Konsul und seit 243 Pontifex maximus, als welcher er 241 bei einem Brande des Vestatempels mit Verlust beider Augen das Palladium rettete. Er starb 221. – Sein Sohn Quintus war 206 Konsul, 205 Diktator. Dessen Sohn

2) Quintus, besiegte 148 v. Chr. als Prätor den Andriscus (Pseudophilippos), der sich in Mazedonien zum König aufgeworfen hatte, in zwei Schlachten, weshalb er den Beinamen Macedonicus erhielt, und schlug 146 die Achäer, die sich dem Gebote der Römer nicht gefügt hatten, bei Skarphea und Chäroneia, mußte aber die Beendigung dieses Krieges dem Konsul Mummius überlassen und konnte 145 nur über Mazedonien triumphieren. 143 wurde er Konsul und führte als solcher und 142 als Prokonsul des diesseitigen Spanien den Krieg mit Glück gegen Viriatus. Die übrige Zeit seines Lebens hat er in Rom verbracht, in der Politik Gegner des jüngern Scipio Africanus und vielfach wegen seiner Strenge angefeindet. Er starb 115, glücklich gepriesen, weil er vier Söhne in den höchsten Ehrenstellen gesehen hatte. – Sein ältester Sohn, Q. M. Balearicus, unterwarf als Konsul 123 und als Prokonsul die Balearischen Inseln; daher sein Beiname.

3) L. M. Dalmaticus, bekriegte als Konsul 119 v. Chr. die Dalmatier und war 115 Zensor.

4) Q. M. Numidicus, Bruder des vorigen, wurde 109 v. Chr. Konsul und erhielt zur Provinz Numidien. Nach Wiederherstellung der arg verfallenen Zucht im Heere gab er durch seine energische Führung dem Kriege gegen Jugurtha sofort eine glücklichere Wendung, siegte wiederholt und wurde, obwohl er 107 den Oberbefehl an den durch die Volkspartei zum Konsul und Befehlshaber erhobenen Marius abtreten mußte, doch durch die Ehre des Triumphes ausgezeichnet. Infolge seiner Sittenstrenge machte er sich L. Saturninus zum erbitterten Gegner und wurde auf seinen Betrieb während dessen Volkstribunat 100 verbannt. Nach dessen Tod aus Asien, wo er sich unterdes wissenschaftlichen Studien gewidmet, 99 zurückgerufen, hielt er sich vom Staatsleben, dessen Entwickelung er tief betrauerte, fern und starb 91.

5) Q. Cäcilius, Sohn des vorigen, wegen des Eifers für die Zurückberufung seines Vaters aus der Verbannung Pius genannt, war Prätor 89 v. Chr., schloß sich 83 dem Sulla an und schlug die Marianer 82 mehrere Male. Nachdem er 80 mit Sulla Konsul gewesen, führte er ohne sonderliche Erfolge acht Jahre lang den Krieg gegen Sertorius in Spanien, triumphierte gleichwohl 71 und starb um 65.

6) Q. Cäcilius M. Creticus, war 69 v. Chr. Konsul und unterwarf als Prokonsul 68–66 die Insel Kreta. Das Todesjahr ist unbekannt. – Seine Tochter war Cäcilia Metella (s. d., Bd. 3). Sein Bruder Lucius, Prätor 71 und als Proprätor im folgenden Jahre Nachfolger des Verres in der Provinz Sizilien, wurde 68 Konsul und starb in demselben Jahre kurz nach Antritt seines Amtes.

7) Q. Cäcilius M. Celer, Enkel des Balearicus, verwaltete als Statthalter das zisalpinische Gallien und 60 das Konsulat. Er war ein eifriger Anhänger der Senatspartei und daher Gegner ebenso des Pompejus, dessen Ackergesetz er als Konsul verhinderte, und des Cäsar wie des Clodius, seines Vetters und Schwagers. Er starb plötzlich 59, nach dem allgemeinen Verdacht von seiner Gemahlin Clodia vergiftet.

8) Q. Cäcilius M. Nepos, Bruder des vorigen, Günstling des Pompejus und durch ihn 60 Prätor, 57 Konsul, bekannt durch seinen Versuch, als Volkstribun (62) den Einfluß des vom Konsulat zurücktretenden Cicero zu beseitigen.

9) Q. Cäcilius M. Pius Scipio, Sohn des P. Cornelius Scipio Nasica, Adoptivsohn des Q. M. Pius (s. oben 5) und durch seine Tochter Cornelia Schwiegervater des Pompejus, unterstützte Cicero in der Entdeckung der Catilinarischen Versckwörung, wurde 60 v. Chr. Tribun und für die zweite Hälfte des Jahres 52 Pompejus' Mitkonsul. Er betrieb 49[694] den Beschluß, durch den Cäsar für einen Feind der Republik erklärt wurde, übernahm nach Ausbruch des Krieges die Provinz Syrien, wo er sich durch Erpressen und Plündern einen übeln Namen machte, befehligte dann bei Pharsalus das Mitteltreffen, floh nach der Schlacht nach Afrika, wurde dort als Oberbefehlshaber an die Spitze eines von den Pompejanern zusammengebrachten zahlreichen Heeres gestellt, aber 46 bei Thapsos von Cäsar völlig besiegt. Auf der Flucht nach Spanien geriet er in die Hände des Cäsarianers P. Sittius und tötete sich selbst.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 694-695.
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