Neumayer

[566] Neumayer, Georg von, Geophysiker, Hydrograph und Meteorolog, geb. 21. Juni 1826 in Kirchheimbolanden, studierte in München Naturwissenschaften und Mathematik, in Hamburg unter Rümker Nautik und lehrte einige Zeit an der dortigen Navigationsschule. 1852–54 machte er Reisen als Seemann, besuchte wiederholt Australien, gründete mit Unterstützung des Königs Maximilian II. ein magnetisches Observatorium in Melbourne, worauf ihm die englische Kolonialregierung 1857 die Leitung des Flagstaff Observatory in Melbourne übertrug. Er machte weite Forschungsreisen in das Innere des Kontinents, bestieg 1862 den Kosciuszkoberg in den australischen Alpen und führte im Auftrag der Kolonialregierung in Victoria die magnetische Vermessung dieses Landes aus, kehrte 1864 nach Europa zurück, nahm regen Anteil an der Förderung der Nord- und Südpolarforschung. 1865 gab N. den ersten Anstoß zur Gründung einer deutschen Seewarte auf dem Geographentag in Frankfurt, gründete 1871 mit Adolf Bastian die Deutsche Afrikanische Gesellschaft in Berlin. 1872 wurde er zum Hydrographen der kaiserlichen Admiralität, 1873 zum Professor und 1876 zum Direktor der Deutschen Seewarte in Hamburg ernannt, deren Arbeiten er in der Zeitschrift »Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte« und in andern Werken veröffentlichte. Als Mitglied des internationalen meteorologischen Komitees gab er den Bericht des internationalen Meteorologenkongresses von 1879 in deutscher [566] Sprache heraus. 1880 war er Präsident der internationalen Polarkommission; 1903 trat er von der Leitung der Seewarte zurück und lebt seitdem in Neustadt a. d. Haardt. Er schrieb unter anderm noch: »Discussion of the meteorological and magnetical observations made at the Flagstaff Observatory« (Melbourne 1858–63,2 Quartbde.; Mannh. 1867); »Results of the meteorological, magnetical and nautical observations made and collected at the Flagstaff Observatory« (1858–59, Melbourne 1860; Victoria 1859–62, Melbourne 1864, 2 Bde.); »Results of the magnetic survey of the colony of Victoria« (Mannh. 1869); »Auf zum Südpol« (Berl. 1901). Auch gab er mit Fachgelehrten die »Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen« (Berl. 1875; 2. Aufl. 1888; 3. Aufl. 1905, 2 Bde.) und als Vorsitzender der deutschen Polarkommission »Die Beobachtungsergebnisse der deutschen Stationen« (mit Börgen, das. 1886, 2 Bde.) und »Die deutschen Expeditionen und ihre Ergebnisse« (das. 1890–91, 2 Bde.) heraus. Für die neue Auflage von Berghaus' »Physikalischem Atlas« bearbeitete er den Atlas des Erdmagnetismus (5 Karten, Gotha 1891). Auch gab er die Briefe Ludw. Leichhardts an seine Verwandten (Hamb. 1881) heraus. Sein Bildnis s. Tafel »Medaillen VI«, Fig. 4.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 566-567.
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