Melbourne [1]

[573] Melbourne (spr. méllbörn), 1) Hauptstadt des britisch-austral. Staates Victoria, liegt 30 m ü. M. an beiden Ufern des bis zur Stadt für kleine Dampfer fahrbaren Yarra Yarra, 4 km von dessen Mündung in die Hobsonbai, unter 37°50' südl. Br. und 144°59' östl. L. (vgl. den Plan und das Nebenkärtchen auf der Karte »Australien«). Die regelmäßig angelegte Stadt besitzt viele schöne öffentliche Bauten, darunter das Schatzamt, Parlamentsgebäude mit Bibliothek von 52,000 Bänden, den Justizpalast, die öffentliche Bibliothek (300,000 Bände), Universität mit Museum und drei Colleges, Palast des Gouverneurs. Generalpostamt, Rathaus, zahlreiche Kirchen, darunter die prot. St. Paulskathedrale und die kath. St. Patrickskirche, Bankgebäude, Hotels und mehrere Denkmäler. Sein Trinkwasser erhält M. aus einem durch Abdämmung gebildeten, 31 km nördlich belegenen See, dem Yan Yean-Reservoir. Von den öffentlichen Parken sind der Botanische Garten, die Fitzroy und die Carlton Gardens hervorzuheben. Die Stadt, 1836 noch ein kleines Dorf, zählt (1901) 68,853, mit den in weitem Umkreis um die innere Stadt gelagerten Vorstädten Brighton (10,029), Brunswick (24,182). Collingwood (32,766), Fitzroy (31,610), Flemington (mit schönem Rennplatz) und Kensington (10,947), Hawthorn (21,339), Kew (9469), Northcote (9691), North M. (18,015), Port M. (12,162), Prahran (41,161), Richmond (37,722), St. Kilda (20,544), South M. (40,637), Essendon (17,500), Footscray (18,301), Williamstown (14,083) und den übrigen innerhalb des Amtsbezirks der städtischen Bauverwaltung gelegenen Orten aber 493,956 Einw., darunter mehrere tausend Deutsche und Chinesen, und ist jetzt die größte Stadt Australiens.

Melbourne mit Vororten.
Melbourne mit Vororten.
Melbourne, innere Stadt.
Melbourne, innere Stadt.

Die Industrie erzeugt namentlich Mehl, Bier, Branntwein, Wollwaren, Ziegelsteine, Tonwaren, Seife und Lichte, Tabak und Zigarren, landwirtschaftliche Maschinen und Ackergeräte. Wagen u. a. Viel bedeutender ist der Handel, da fast der gesamte Verkehr des Staates Victoria sowie der eines großen Teils des Hinterlandes über M. seinen Weg nimmt. Sein Hafen ist Port M. (nebst Williamstown) an der Hobsonbai, 4 km von M. und mit ihm durch Eisenbahn verbunden, mit großen Hafendämmen, Werften, gutem Ankergrund und Raum für 800 Schiffe. Es verkehren hier regelmäßig zahlreiche Dampferlinien, darunter der Norddeutsche Lloyd, die Deutsch-Australische Dampfschiffahrtsgesellschaft, die Peninsular and Oriental Steam Navigation Company, Orientlinie, Messageries Maritimes. 1900 liefen 2101 Schiffe von 2,929,389 T. ein. Eisenbahnen gehen nach allen Richtungen, Trambahnen mit Dampf und Elektrizitätsbetrieb vermitteln den Verkehr innerhalb des Stadtbezirks. M. besitzt seit 1854 eine Universität, 4 Realschulen, eine königliche Gesellschaft der Wissenschaften, Nationalgalerie, große öffentliche Bibliotheken (s. oben), Handwerkerinstitut, Klubs (auch einen deutschen), Theater, zahlreiche Zeitungen[573] und Zeitschriften. M. ist Residenz des Gouverneurs, Sitz der Regierung, des Parlaments, eines obersten Gerichtshofs, katholischen Erzbischofs und anglikanischen Bischofs, zahlreicher Konsuln (darunter auch ein deutscher), der Münze, des Stabes und des ständigen Korps der Kolonialarmee sowie Station für die dem Staate gehörigen Kriegsschiffe. Die Einfahrt in die Port Phillip-Bai ist durch Errichtung von Forts gesichert. Die Stadt wurde 1835 gegründet, zählte 1841 erst 4440 Einw., wuchs aber nach Entdeckung der Goldfelder ungemein schnell.

2) Dorf in Derbyshire (England), 12 km südöstlich von Derby, mit der schönen St. Michaelskirche im normannischen Stil (restauriert von Scott) aus dem 12. Jahrh., einem Jubiläumsdenkmal für die Königin Viktoria (1887), Schloßruine und (1901) 3580 Einw. Dabei M. Hall, ehemals Landsitz des Lords Melbourne, jetzt des Earl Cowper, mit großem Park im holländischen Stil.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 573-574.
Lizenz:
Faksimiles:
573 | 574
Kategorien:

Buchempfehlung

Aristophanes

Die Vögel. (Orinthes)

Die Vögel. (Orinthes)

Zwei weise Athener sind die Streitsucht in ihrer Stadt leid und wollen sich von einem Wiedehopf den Weg in die Emigration zu einem friedlichen Ort weisen lassen, doch keiner der Vorschläge findet ihr Gefallen. So entsteht die Idee eines Vogelstaates zwischen der Menschenwelt und dem Reich der Götter. Uraufgeführt während der Dionysien des Jahres 414 v. Chr. gelten »Die Vögel« aufgrund ihrer Geschlossenheit und der konsequenten Konzentration auf das Motiv der Suche nach einer besseren als dieser Welt als das kompositorisch herausragende Werk des attischen Komikers. »Eulen nach Athen tragen« und »Wolkenkuckucksheim« sind heute noch geläufige Redewendungen aus Aristophanes' Vögeln.

78 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon