Paros

[464] Paros, Insel im Ägäischen Meer, zur griech. Eparchie Naxos gehörig, westlich von Naxos, schon im Altertum wegen ihres ausgezeichnet schönen weißen Marmors (parischer Marmor, besonders berühmt der Lychnites, der Statuenmarmor der alten Künstler) bekannt, der in Wechsellagerung mit Gneis das Hauptgestein der Insel bildet. P. hat 209 (nach andern 165) qkm Fläche mit (1896) 12,171 Einw., die sich auf 8 Ortschaften und 3 Klöster verteilen. In der Mitte erhebt sich der 771 m hohe H. Iliasberg (der alte Marpessa), an dessen Nordseite unweit des Klosters H. Minas die Lagerstätte des kostbaren, bis jetzt noch unerschöpften Marmors sich befindet. Eine 1879 gegründete, aber schon 1884 wieder verkrachte Aktiengesellschaft versuchte die Ausbeute wieder aufzunehmen; eine ausgelassene Eisenbahn verbindet die Brüche mit dem Hafen von Parikia. An Wasser fehlt es der Insel, die daher nur wenig bebaut ist, aber jährlich 650,000–750,000 kg Wein, 13,000 kg Feigen und 6500 kg Wolle ausführt. Wegen ihres milden Klimas trägt die Insel auch einzelne wilde Dattelpalmen. Hauptstadt ist Parikia, an der Stelle der alten Stadt P., an der Nordwestküste, mit kleinem, aber gutem Hafen, Schloß und Kirche (beide mit reichem antiken Säulenschmuck) und (1896) 2691 Einw. Ein andrer Hafenplatz ist Náusa an der Nordküste (1325 Einw.), das wie Parikia von Dampfern regelmäßig angelaufen wird. P. ist das Vaterland des Dichters Archilochos. 1898 und 1899 hat das deutsche archäologische Institut zu Athen in P. unter O. Rubensohn Ausgrabungen veranstaltet; dabei sind der Asklepiostempel freigelegt, der Tempel auf der Akropolis in seinen Fundamenten untersucht und unter letztern vorgeschichtliche Hausreste gefunden worden. Auch ein Teil der antiken Nekropole bei der Kirche Katapoliani wurde aufgedeckt, die neben jüngern Gräbern ältere Sarkophage mit einem bisher in Griechenland nicht nachgewiesenen Typus enthält. Das Dach ist genau dem eines Tempels nachgebildet und hat in der Mitte einen Aufsatz, wahrscheinlich um das Bildnis des Bestatteten zu tragen; die Sarkophage erhoben sich frei auf einem mehrere Meter hohen, viereckigen Unterbau, der an den Ecken mit Pfeilern geschmückt war. Unweit der heutigen Stadt wurde schließlich ein Heiligtum der Artemis Delië und der Athene Kynthië mit einem Tempel, mehreren Altären etc. ausgegraben. – Anfangs von Kretern, dann pou Ioniern bewohnt, gelangte die Insel durch Handel und Schiffahrt früh zu Wohlstand und Ansehen und sendete bald auch Kolonien aus, wie nach Thasos, Pharos etc. Zur Zeit des ionischen Aufstandes war[464] P. unter der Hegemonie von Naxos; später stellte es dem Dareios Schiffe gegen Athen und sollte deshalb von Miltiades zu einer Kontribution gezwungen werden; doch verteidigte es sich mit Erfolg (489) und erkannte erst nach dem zweiten Perserkrieg, in dem es sich neutral gehalten hatte, Athens Oberherrschaft an. Von da an war es eine der bedeutendsten Inseln des Attischen Seebundes und zahlte den höchsten Tribut (30 Talente). Nach Alexander kam es unter ägyptische Herrschaft, dann wieder an Athen und zuletzt an die Römer. 1207 wurde es zum Herzogtum Naxos geschlagen. In der Folge kam es als Mitgift an das Haus Sommariva, im 15. Jahrh. an das Haus Venier und schließlich an die Türken, die es nach dem Freiheitskampf an die Griechen abtreten mußten. P. ist merkwürdig als Fundort des Arundelischen Marmors (s. Arundel). Vgl. Roß, Reisen auf den griechischen Inseln des Ägäischen Meers, Bd. 1 (Stuttg. 1840); Philippson, Beiträge zur Kenntnis der griechischen Inselwelt (Ergänzungsheft 134 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1901).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 464-465.
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