Rost [5]

[166] Rost, 1) Johann Christoph, deutscher Dichter, geb. 7. April 1717 in Leipzig, gest. 19. Juli 1765 in Dresden, studierte in Leipzig die Rechte und unter Gottsched, auf den er Lobgedichte schrieb, Philosophie und schöne Wissenschaften, schlug sich dann auf die Seite von dessen Gegnern und verfaßte aus Anlaß des Streites der Neuberin mit Gottsched ein vortreffliches komisches Epos: »Das Vorspiel« (Dresd. 1742), in dem jener sehr witzig und boshaft verspottet wurde. 1742 übernahm R. die Redaktion der Spenerschen Zeitung in Berlin, kehrte aber nach Jahresfrist nach Leipzig zurück und wurde 1744 Sekretär und Bibliothekar des Grafen Brühl in Dresden. Als Weißes Operette »Der Teufel ist los« (1752) von Gottsched und dessen Anhängern heftig angegriffen wurde, ließ R. 1753 das »Schreiben des Teufels an Herrn G., Kunstrichter der Leipziger Bühne, in Knittelversen« drucken und traf Veranstaltung, daß es dem gerade auf Reisen befindlichen Gottsched auf allen Poststationen überreicht wurde. Von seinen übrigen Werken seien erwähnt: »Schäfererzählungen« (Berl. 1742), in der Darstellung leicht und gefällig, aber an lüstern-sinnlichen Schilderungen überreich; das zur Hochzeitsfeier eines Freundes verfaßte Gedicht »Die schöne Nacht« (das. 1763), eins der berüchtigtsten Machwerke der erotischen Literatur, welches jedoch ohne sein Wissen veröffentlicht wurde; einige Schäferspiele, darunter »Die gelernte Liebe«, das von Schönemann 1743 u. d. T.: »Der versteckte Hammel« mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht wurde, und »Vermischte Gedichte« (Leipz. 1769). 1760 wurde R. zum Obersteuersekretär in Dresden ernannt; vor seinem Tode ließ er noch zwei geistliche Lieder im Druck erscheinen. Vgl. Wahl, Johann Christoph R. (Leipz. 1902).

2) Valentin Christian Friedrich, Philolog, geb. 16. Okt. 1790 in Friedrichroda, gest. 6. Aug. 1862 in Gotha, studierte seit 1810 in Jena, wurde 1814 Lehrer am Gymnasium in Gotha, 1841 Direktor desselben und trat 1859 in den Ruhestand. Seit 1842 war er auch Direktor der durch ihn mitbegründeten Gothaischen Lebensversicherungsbank. Zur griechischen Grammatik und Lexikographie veröffentlichte er: »Griechische Grammatik« (Götting. 1816, 7. Aufl. 1856); »Griechisch-deutsches Wörterbuch« (Gotha 1820; 4. Aufl., 11. Abdruck, Braunschw. 1888, 2 Bde.); »Deutsch-griechisches Wörterbuch« (Götting. 1818; 11. Aufl. von Albrecht, 1889, 2 Bde.); Bearbeitungen von Duncans »Lexicon Homerico-Pindaricum« (Leipz. 1831) und von Passows »Handwörterbuch der griechischen Sprache« (mit Palm u.a., das. 1841–57, 2 Bde.). Mit F. Jacobs gab R. seit 1825 auch die »Bibliotheca graeca« heraus.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 166.
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