Saint-Aubin

[429] Saint-Aubin (spr. ßängt-obäng), Gabriel de, franz. Zeichner und Kupferstecher, geb. 14. April 1724 in Paris, gest. daselbst 10. Febr. 1780, errang als Schüler Bouchers an der Akademie nur den zweiten Preis bei der Bewerbung um den Rompreis und trat deshalb zur freien Académie de Saint-Luc (s. Sankt Lukas-Gilde) über. Seine geistreichen und lebendigen Zeichnungen und Radierungen aus dem bürgerlichen Leben, von Straßen- und Marktszenen, Festlichkeiten und Belustigungen (besonders berühmt die Vue du Salon du Louvre en l'année 1753) geben ein anschauliches Bild von dem französischen Leben im 18. Jahrh. Er hat auch einige Ölbilder hinterlassen. – Sein Bruder Augustin, geb. 3. Jan. 1736 in Paris, gest. daselbst 9. Nov. 1807, schloß sich ihm an, wurde einer der berühmtesten französischen Vignettenstecher, stach etwa 300 Bildnisse nach sich und andern und zeichnete ebenfalls eine große Anzahl Darstellungen aus dem Leben, von denen die 1773 von Duclos gestochenen »Konzert« und »Bal paré« zu den gesuchtesten französischen Kunstblättern gehören. Berühmt sind auch seine »Promenade des remparts de Paris« und seine »Portraits à la mode« (gestochen von Courtois). – Der älteste Bruder, Charles Germain (1721–86), war hauptsächlich Kunststicker, stach aber unter andern auch zwei reizvolle satirische Folgen »Papillonneries humaines«. Alle drei gehören zu den liebenswürdigsten und graziösesten Künstlern des 18. Jahrh. Vgl. Moureau, Les Saint-Aubin (Par. 1894); Advielle, Renseignements intimes sur les Saint-Aubin (das. 1896).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 429.
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