Spitzbergen

[765] Spitzbergen, Inselgruppe im Nördlichen Eismeer, zwischen 76°27'–80°50' nördl. Br. und 10–321/2° östl. L., bespült von der Barentssee im O. und der Grönlandsee im W., besteht aus der Hauptinsel Westspitzbergen (39,540 qkm), dem von ihr durch die Hinlopenstraße getrennten Nordostland (10,460 qkm), der von der Hauptinsel durch den Helissund geschiedenen Barentsinsel (1320 qkm), die wiederum durch die Walter-Thymenstraße von der Edgeinsel oder Stans Foreland (5720 qkm) getrennt ist; beide Inseln schließen mit Westspitzbergen das Wybe Jans Water oder den Storfjord ein. Weiter gehören zur Gruppe im W. Prinz Karl-Vorland, im O. die König Karl-Inseln (König Karl-Land) und viele kleinere Eilande, zusammen 70,000 qkm umfassend. Zahlreiche Buchten durchschneiden die schroffen Küsten, an der Westseite der Hauptinsel unter 77° der Hornsund, unter 77°40' der Belsund mit der van Mijen- und der van Keulen-Bai, unter 78°10' der Eisfjord mit dem Nordfjord, der Dickson-, Klaas Billen-, Sassen- und Adventsbai, unter 79° die Croßbai und Kingbai, unter 79°35' die Magdalenabai, an der Nordseite die Liefde- und Woodbai und die Wijdebai, die nur durch eine schmale Landenge von der Dicksonbai des Eisfjords getrennt wird, und die Mosselbai (s. d. 2). Das Innere ist mit einer bis 600 m starken Eisschicht bedeckt, aus der scharfe Bergspitzen (daher der Name) hervorragen. Höchste Erhebungen sind die Newtonspitze in den Chydeniusbergen unter 79° nördl. Br. (1750 m) und der Hornsundtind unter 76°50 (1430 m). Der Untergrund besteht aus stark geneigten und gefalteten archäischen Graniten, Gneisen und Schiefern, denen paläozoische, mesozoische und tertiäre Sedimente ausgelagert sind. Von nutzbaren Mineralien und Gesteinen finden sich Bleiglanz, Eisenerze, Graphit, Kohlen (1904 zum erstenmal 290 Ton. nach Norwegen ausgeführt) und Marmor. Das Klima ist besonders im Winter sehr unbeständig, aber verhältnismäßig mild, was dem Golfstrom zuzuschreiben ist. Unter 79° nördl. Br,[765] betrug das Jahresmittel -7,6°, die Mitteltemperatur des kältesten Monats März -17°, des wärmsten Juli +4,8°; die Extreme waren -38,2° und +13,6°. Die Flora ist ziemlich reich; 122 Gefäßpflanzen wurden beobachtet, von denen nur 3 dem arktischen Europa fehlen. Von Landsäugetieren finden sich Renntier, Eisbär, Blaufuchs und Lemming. Der frühere Reichtum an Walfischen, Walrossen und Robben ist durch die Verfolgung stark gesunken. Von Vögeln kennt man 28 Arten. Die Inseln sind sämtlich unbewohnt, doch während der Sommermonate werden sie von Fangfischern besucht, die bisweilen überwintern. Neuerdings unternehmen norwegische und deutsche Dampfer regelmäßige Touristenfahrten nach der Adventbai des Eisfjords und dem Belsund; an ersterer entstand auch ein Hotel, das aber nur wenige Jahre bewirtschaftet wurde. Im 17. und 18. Jahrh. wurden um das Vorrecht des Walfischfanges und Robbenschlages zwischen Engländern, Holländern, Dänen und Franzosen vielfach blutige Kämpfe ausgefochten. Jetzt erhebt keine Nation Ansprüche auf den Besitz der Gruppe. – S. wurde 1596 von dem Holländer Barents entdeckt und Nieuwland (Neues Land) benannt. Näher erforscht wurden die Inseln durch Parry (1827), Keilhau (1327), Lovén (1837), die Recherche Expedition (1838–40), die schwedischen Expeditionen unter Torell (1858 und 1861) und Nordenskiöld (1864, 1868, 1872–73), die Deutschen Koldewey (1868), v. Heuglin (1870), Kükenthal (1886 und 1889), den Franzosen Rabot (1892), den Engländer Conway (1896 und 1897), durch Römer und Schaudinn und die deutsche Helgoland-Expedition (1898), den Schweden Nathorst (1898), den Fürsten Albert von Monaco (1898, 1899, 1906) und die schwedisch-russische Gradmessungsexpedition (1899–1901). S. Karte »Nordpolarländer«. Vgl. außer den Berichten über die genannten Expeditionen: Zeppelin, Reisebilder aus S., Bäreneiland und Norwegen (Stuttg. 1892); v. Barry, Zwei Fahrten in das Nördliche Eismeer nach S. und Nowaja Zemlja (Pola 1894); Wegener, Zum ewigen Eise (Berl. 1896); Guttmann, Führer für S. (2. Aufl., das. 1899); Haffter, Briefe aus dem hohen Norden (Frauenfeld 1900); Manzi, Da Roma allo Spitzberg (Rom 1900); Leclerq, Une croisière au Spitzberg (Par. 1904); Conway, First crossing of S. (mit Beiträgen von Gregory u. a., Lond. 1897), Early Dutch and English voyagers to S. in the XVII. century (das. 1905, Hakluyt Society) und No Man's-land, a history of S. (Cambr. 1906).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 765-766.
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