Calembourg

[570] Calembourg (spr. Kalangbuhr), ein Wortspiel, bei welchem ein od. mehrere gleichlautende Worte einen an sich od. durch verschiedene Schreibung zwiefachen Sinn geben, einen gewöhnlichen, allgemein verständlichen u. einen, welcher aus der Beziehung auf ein bestimmtes Object hervorgeht, so daß beide Arten der Auffassung gegenübergestellt einen komischen Contrast bilden. So sagten die Franzosen 1815 nach der Rückkehr des Königs: Nous sommes en état de payer des grandes contributions, parceque nous avons un gros revenu (d.h. ein bedeutendes Einkommen, od. auch einen zurückgekehrten Dicken, Anspielung auf die Körperstärke Ludwigs XVIII.). Bièvre, von Ludwig XV. aufgefordert, einen C. zu machen, sagte zum König: Donnez moi un sujet (Gegenstand), Sire! Der König antwortete: Faitez en un sur moi. Darauf entgegnete Bièvre: Sire, le roi n'est pas un sujet (Unterthan). Bei der Aufnahme Victor Hugos 1841 in die Akademie sagte der Präsident Salvandy in seiner Rede unter Anderem: Monsieur, vous avez introduit en France l'art scenique, welches auch so klingt, wie l'arsenique (weil nämlich Hugo als eifriger Romantiker der klassischen Schule fast den Sturz bereitete). Die Französische Sprache ist bes. stark in diesen C-s, u. der Marquis von Bièvre (s.d.) machte so viele C-s, daß Deville sie sammelte u. herausgab. Ihren Namen erhielten sie nach Ein. von einem Apotheker C. in Paris, nach And. von einem deutschen Edelmann von Calemberg, od. von einem westfälischen Grafen Calenberg, der am Hofe des Königs Stanislaus von Polen lebte u. so schlecht französisch sprach, daß stets die lächerlichsten Verwechselungen zum Vorschein kamen. Die Herzogin von Boufflers, Geliebte Stanislaus, merkte sich dieselben, um die königlich französische Familie damit zu belustigen. Es wurde nun am Hofe Mode, jeden Doppelsinn C. zu nennen, u. vom Hofe ging das Wort auf Paris u. ganz Frankreich über.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 570.
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