Compiegne

[317] Compiegne (spr. Kongpiänj), 1) Arrondissement im französischen Departement Oise, 241 QM. u. 98,200 Ew. in 8 Cantons; 2) Hauptstadt darin an der Oise u. der Eisenbahn von Paris nach Belgien, hat krumme Straßen u. im Ganzen schlecht gebaute Häuser, aber ein prächtiges, von Napoleon I. bes. wieder hergestelltes Schloß, woran sich Garten, Park u. der Wald von C. mit mehreren freundlichen Dörfern anschließen; mehrere Kirchen, worunter die zur Sta. Cornelia nebst Abtei von Karl dem Kahlen gestiftet ist u. sonst die schönste Orgel in Frankreich hatte; ferner Stadthaus, über die Oise der Pont-neuf, Handelstribunal, Collège, öffentliche Bibliothek; Fabrikation von Hanfleinwand, Tauwerk, Holzwaaren, Mützen, Fahrzeugen, beträchtlicher Handel; 8700 Ew. Geburtsort des Astronomen Jacques Billi. – C., lat. Compendium, kommt erst zur Zeit Chlodwigs des Gr. vor; in dem Schloß zu C., der ältesten Pfalz der fränkischen Könige in Gallien, starb 561 Chlothar I. Hier 715 Sieg der empörten Neustrier über den Major Domus Theobald; 830 überfiel hier Lothar seinen Vater, Ludwig den Frommen; Karl der Kahle, welcher die ganze Stadt wieder aufbauen ließ u. nach sich Carlopolis nannte, verlegte das Schloß außerhalb der Stadt; Ludwig XI. schenkte es den Dominikanern zu einem Kloster u. ließ ein neues Schloß bauen, das jetzt noch zum Theil steht. Von 757 bis 1329 wurden 7 Concilien hier gehalten. 1430 wurde C., das zu Karl VII. übergetreten war, von den Burgundern belagert u. bei einem Ausfall die Jungfrau von Orleans gefangen. 1624 hier Bündniß zwischen Frankreich u. den Niederlanden; 5. Jan. 1768 Tractat wegen Abtretung Corsicas von Genua an Frankreich.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 317.
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