Dessolles

[872] Dessolles (spr. Dessoll), Jean Jos. Paul Augustin, Marquis von D., geb. 1767 in Auch; trat in der Revolution als Freiwilliger in französische Kriegsdienste, wurde 1792 Hauptmann im Generalstabe der Westpyrenäenarmee u. 1793 Bataillonschef u. Generaladjutant bei der italienischen Armee; er brachte 1797 die Bedingungen des Friedens von Leoben nach Paris u. wurde Brigadegeneral; 1799 durch Graubündten ins Veltlin vorgedrungen, erstieg er mit 45,000 M. das Wormser Joch, stürmte die österreichischen Schanzen bei Glarus u. machte 4000 Gefangene. Darauf wurde er Divisionsgeneral, Chef des Generalstabes bei Scheerer, kurz darauf bei Moreau, übernahm für kurze Zeit den Befehl über die Truppen in der Ligurischen Provinz u. trat wieder unter Moreau als Chef des Generalstabes zur Rheinarmee. Nach dem Lüneviller Frieden wurde D. Staatsrath. Er führte 1803 eine Division nach Hannover, wo er sich durch schonendes Auftreten sehr beliebt machte. 1805 wurde er Gouverneur des Schlosses von Versailles, befehligte 1808 eine Division in Spanien, verlangte jedoch seine Abberufung u. lebte von 1810–12 ohne Commando. 1812 war er Chef des Generalstabes bei dem Vicekönig von Italien, machte den russischen Krieg bis Smolensk mit, von wo er, unzufrieden über des Kaisers Vordringen, nach Paris zurückging. In Verbindung mit Talleyrand erhielt er am 31. März 1814 das Commando der Pariser Nationalgarde, sprach im Monarchenconseil für die Rückkehr der Bourbons u. wurde deshalb später Oberbefehlshaber der Pariser Nationalgarde, Commandant des Seinedepartements, Chef des Generalstabs sämmtlicher Nationalgarden, Staatsminister u. Pair. Als bei Napoleons Landung. D-s Befehl an die Nationalgarde, sich den Fortschritten Napoleons zu widersetzen, erfolglos blieb, begleiteteerden König bis Bethune u. von da kehrte er erst nach Paris zurück. Er trat nach der 2. Rückkehr der Bourbons wieder in die Pairskammer u. wurde Chef der Pariser Nationalgarde, welche Stelle er aber im October[872] schon niederlegte. Ende 1818 trat er statt des Herzogs von Richelieu als Conseilspräsident ins Ministerium, da er aber in eine Abänderung der Karte und des Wahlgesetzes nicht willigen wollte, überwarf er sich deshalb mit Decazes u. dankte 1819 ab. Er st. 1828 in Paris.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 872-873.
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