Federvieh

[157] Federvieh, zahmes Geflügel, als Hühner, Gänse, Enten, Tauben, in Wirthschaften des Fleisches, der Eier u. Federn, od. auch des Vergnügens wegen gezogen u. unterhalten. Die Zucht desselben muß sich nach der Größe der Wirthschaft richten. Es ist nicht rathsam, sie zu sehr auszudehnen, denn nur in der Nähe großer Städte bringt sie einigen Gewinn. Am kostspieligsten ist die Unterhaltung des F-s im Winter u. deshalb sollte der Bestand desselben zu dieser Zeit möglichst gelichtet werden. Das F. wird früh auf dem Hofe, Abends in den Ställen gefüttert. Das F. soll nicht Aftergetreide, sondern. von dem besten Korn erhalten; manche Pflanzen u. Pflanzenstoffe sind für das F. Gift, z.B. den Truthühnern das Kraut des Fingerhuts u. Schierlings, den Enten Zucker, den Gänsen Peterfilie u. das Kraut des Mohns, allem F. bittere Mandeln. Gute Mastfutter sind: gekochte Kartoffeln u. Gerste, Erbsen in Salzwasser eingequellt u. gehackte Möhren; Wallnüsse in Öl eingetaucht, gröblich gestoßene Knochen u. Getreideschrote; um das Fleisch des F-s schmackhafter zu machen, mischt man eine Zeit lang vor dem Abschlachten dem Futter gepulverte Holzkohle bei. Beim Brüten soll jedes Brutthier sein eignes Behältniß u. sein eignes Nest haben, worein es seine Eier legen u. dieselben ohne allen Zwang u. Reiz ausbrüten kann. Die Anzahl der einem Brutthier unterzulegenden Eier richtet sich nach der Größe desselben; außer dem natürlichen Brüten wendet man auch das künstliche mit Hülfe der Brütöfen (s.d.) an. Die Federviehställe müssen bequem, gesund, räumlich, trocken, für jede Art des F-s bes. eingerichtet u. Brutthiere, alte od. junge Exemplare, müssen von einander getrennt sein. Die Ställe für Brutthiere u. junges Vieh müssen bes. warm sein u. gegen Mittag od. Morgen liegen. Um die Marder von den Federviehställen abzuhalten, beschlägt man die Ecken u. alles äußere Holzwerk des Geflügelhauses mit Weißblech u. gräbt den Boden rund herum an der innern Seite 11/2 Fuß tief u. 10 Zoll breit aus, worauf man die Vertiefung mit kleinen Feldsteinen ausfüllt u. darüber das Steinpflaster od. die Lehmdiele legt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 157.
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