Stabat mater

[648] Stabat mater, eine mit den Worten St. m. dolorosa, d.i. stand die schmerzenreiche Mutter, anfangende Sequenz (s.d.), welche den Schmerz der Heiligen Jungfrau unter dem Kreuze Jesu zum Gegenstand hat u. eine von den wenigen ist, welche in dem Römischen Missale aufgenommen sind; sie ist in Terzinen geschrieben u. soll den Franciscaner Jacoponus (s.d.) im 13. Jahrh. zum Verfasser haben. In der Katholischen Kirche wird sie bes. an dem Fest der sieben Schmerzen Mariä (s.u. Marienfeste), Freitags vor Palmarum, gesungen. Auf italischem Boden entsprungen wurde sie bald in Deutschland bekannt u. heimisch u. erlebte hier (eingeschlossen die Niederlande) 83 Übersetzungen u. 22 Bearbeitungen; die älteste ist von dem Salzburger Mönch Hermann im 14. Jahrh., die meisten (67) aus dem 19. Jahrh., darunter deren von Tieck, Fouqué, A. L. Follen, Wessenberg, Thiersch, Messerschmidt, Niemeyer, Fr. v. Meyer, Lisco etc. Das Lied ist auch in evangelische Gesangbücher (Schaut die Mutter voller Schmerzen) übergegangen. Compositionen des St. m. sind von Nanini, Pergolese, Palestrina (nach welcher noch jetzt jährlich die Sequenz in der päpstlichen Kapelle bei der Palmenweihe gesungen wird), Jos. Haydn, Winter, Benelli, Astorga, Caffaro, Grua, Boccherini, Häser, Radewald, Rossini, Neukomm, Rungenhagen. Vgl. Lisco, Stabat mater, Berl. 1843.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 648.
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