Savonarola

[52] Savonarōla (Geronimo oder Hieronymus), ein durch seine große Beredtsamkeit und sein trauriges Ende denkwürdiger Mann, wurde 1452 zu Ferrara geboren und als der Enkel eines berühmten Arztes zum Studium der Arzneiwissenschaft bestimmt. Eine überspannte Richtung bewog aber den 14jährigen Knaben heimlich das väterliche Haus zu verlassen und Dominikaner zu werden. Da sein erstes Auftreten als Redner von sehr unglücklichem Erfolge war, so wollte er für immer die Kanzel meiden, ging nach Bologna und lehrte hier Physik und Metaphysik. Seine Gelehrsamkeit verschaffte ihm bald Ansehen und bewirkte, daß ihn Lorenzo von Medici nach Florenz berief. Hier begann er abermals zu predigen und zwar mit solchem Beifalle, daß die Kirche die Zuhörer nicht faßte. Da er dabei einen höchst makellosen Lebenswandel führte, so gewann er einen großen Einfluß. Hierdurch zu kühnern Schritten bewogen, drang er bald in seinen in prophetischem Tone gehaltenen Predigten auf Kirchenverbesserung und schilderte den unglücklichen Zustand Italiens. Während ihn Einige für einen Betrüger, Andere für einen Schwärmer ansahen, hielt ihn die Mehrzahl für einen Gottbegeisterten. Bald ging er noch weiter, sagte sich von seinem Beschützer, Lorenzo, los, machte dessen Charakter verdächtig und prophezeite den Sturz desselben. Als Lorenzo 1492 gestorben und sein Sohn Piero vertrieben worden war, mischte sich S. thätig in die Staatsangelegenheiten und trat unter dem Vorwande, daß Gott ihn dazu bevollmächtigt habe, an die Spitze Derer, die eine demokratische Verfassung wünschten. Die neugewählten Magistratspersonen legten ihr Amt nieder, und es wurde ein Bürgerrath gebildet, der die gesetzgebende Gewalt übte. Nicht zufrieden, den florentin. Staat umgewälzt zu haben, dachte nun S. an eine Reform des röm. Hofes, der damals unter Papst Alexander's Regierung viel Anlaß zur Unzufriedenheit gab, sowie des Lebenswandels der Mönche. Zu diesem Zwecke wandte er sich schriftlich an die christlichen Fürsten, wie es ihre Pflicht sei, durch die Zusammenberufung einer Kirchenversammlung die sinkende Kirche zu retten; er wolle daselbst darthun, daß der dermalige Papst kein wahrer Bischof, ja nicht einmal des Namens eines Christen werth sei. Alexander that ihn in den Bann; er predigte fort und sein Einfluß stieg. Da traten viele Mönche der von ihm angegriffenen Orden gegen ihn auf und stellten ihn in ihren Predigten als Ketzer und Excommunicirten dar. Dadurch in die Enge gebracht, bewog er einen Mönch seines Klosters, Fra Domenico da Pescia, daß er sich erbot, für die Wahrheit der Lehren S.'s durchs Feuer zu gehen, wenn Einer von der Gegenpartei für deren Lehren das Gleiche thäte. Dies ward von einem Franziskanermönche angenommen. Da S. gewahrte, daß die Gegenpartei nicht zu schrecken sei, schlug er, ehe der Act vor sich gehen sollte, vor, daß Domenico eine Hostie mit sich nehmen sollte. Dies wurde als eine Gotteslästerung angesehen, und da Domenico auf der Foderung beharrte, unterblieb das Gottesurtheil. Das Volk aber beschimpfte S. und er wurde, nach harter Gegenwehr, mit Domenico und noch einem andern Mönche ins Gefängniß gesetzt. Unter Leitung zweier päpstlichen Abgesandten hielt eine Versammlung von Geistlichen Gericht über ihn. Entschlossenheit und Beredtsamkeit bei seiner Vertheidigung halfen ihm nichts, und die Folter entpreßte ihm das Bekenntniß, daß er sein Ansehen unrechtmäßiger weise erlangt habe. Er wurde 1498 mit seinen beiden Genossen erst strangulirt und dann verbrannt. Vergl. Rudelbach. »S. und seine Zeit« (Hamb. 1835).

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 52.
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