Augsburg

[333] Augsburg (Augusta Vindelicorum der Römer) Hauptst. im bayer. Schwaben und Neuburg, auf einer Landzunge zwischen Lech und Wertach gelegen, 34211 E., mit dem Militär 39340 E. (3/5, Katholiken, 2/5 Protestanten, 20 Judenfamilien). Die Stadt ist mit alten bastionirten Wällen und Graben und schönen Alleen umgeben, nicht regelmäßig gebaut, aber durch einige sehr schöne Straßen, prächtige Springbrunnen, Kirchen und öffentliche Gebäude dennoch eine schöne Stadt. In den 10 Kirchen finden sich noch manche Reste der deutschen Kunst; zu den ausgezeichneten Gebäuden gehören: das Rathhaus, 1616 bis 1620 von Holl erbaut, mit dem großen goldenen Saal; die königl. Residenz, einst der Palast der Bischöfe; die Börse; das Zeughaus; die Mauthhalle; die Benediktinerabtei. A. hat 2 Gymnasien, eine polytechnische Schule, in den Frauenklöstern Erziehungsinstitute für die weibliche Jugend; bedeutende Stadtbibliothek und Gemäldesammlung. Unter den vielen wohlthätigen Anstalten und Stiftungen ist die Fuggerei merkwürdig, eine Stadt in der Stadt, mit 6 Gassen, 3 Thoren, 1 Kirche, 106 Wohnungen, 1519 von den Fuggern erbaut. A. ist Sitz eines Bischofs, der Kreisregierung, eines Wechselgerichts J. Instanz, Oberpost-, Hauptzollamts etc. Es hat eine bedeutende Industrie in den wichtigsten Fabrikzweigen, die Gold- und Silberarbeiten behaupten ihren alten Ruhm, auch der Buchhandel ist sehr bedeutend. A. ist der Hauptstapelplatz für süddeutsche und ital. Waaren, der bedeutendste Wechselplatz für Südwestdeutschland und die östliche Schweiz, ist durch Eisenbahnen mit München, Nürnberg in Verbindung, in kurzer Zeit mit Lindau am Bodensee und nicht ferner mit Ulm. – A. war als Augusta im Vindelicierlande eine blühende röm. Municipalstadt, nahm das Christenthum frühe in seine Mauern auf (vergl. Afra) und sein Bisthum reicht deßwegen in die christliche Vorzeit zurück. Nach den Stürmen der Völkerwanderung erhob es sich allmälig wieder, war zuerst unter der Oberhoheit seiner Bischöfe, erhielt allmälig eine Freiheit um die andere und wurde durch Rudolf von Habsburg Reichsstadt. Als Stapelplatz des deutsch-italien.-indischen Handels stieg sein Flor mehr und mehr, selbst die heftigen Kämpfe der Zünfte und Patricier thaten keinen Eintrag; Karl V. endigte diese zu Gunsten der Patricier. Im 16. Jahrh. unternahmen die Fugger die größten Finanzoperationen jener Zeit, hatten ihre Comptoirs bis in der Levante, die Welser aber nahmen an der Entdeckung und erobernden Colonisation Amerikas Antheil und besaßen Venezuela als span. Lehen. Inder Reformation spaltete sich A. wie Deutschland, sah Luthern innerhalb seiner Mauern, 1530 den Reichstag. Karl V. strafte es für seine Theilnahme am Schmalkaldischen Kriege, Gustav Adolf besetzte es 1631, nach der Nördlinger Schlacht fiel es in die Hände der Kaiserlichen und blieb ihnen bis zum Ende des Krieges, während dessen es 60000 E. durch Seuchen und Hunger verlor. Nachdem es in den Kriegen Ludwigs XIV. und der Republik manches gelitten, überließ es Napoleon im Preßburger Frieden dem König von Bayern (1806).

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 333.
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