Schichtgesteine

[615] Schichtgesteine (Sedimente, Sedimentärgesteine) sind alle durch Anhäufung kleiner Teilchen aus Wasser oder Wind abgesetzten Gesteine im Gegensatz zu den Eruptivgesteinen.

Ihrer stofflichen Natur nach sind es einfache und gemengte Gesteine. Zu den ersteren gehören Eis, Steinsalz, Gips, Anhydrit, Kalkstein, Dolomit, Süßwasserquarz, Hornstein, Kiesel- und Kalksinter, Polier-, Graphit-, Eisenglimmerschiefer, Eisenoolith, Kohlen. Sie sind in der Regel Absätze aus Lösungen in Wasser oder durch chemische Umwandlung aus andern (organischen) Substanzen oder durch tierische Vorgänge entstanden. Die gemengten, auch klastischen Schichtgesteine bestehen aus Trümmern eines oder mehrerer Minerale. Sie sind in der Hauptsache mechanische Absätze aus Wasser oder Wind, welche die kleinen Trümmer aufgenommen, fortbewegt und aufeinander gehäuft haben. Man rechnet hierher: Konglomerate, Sandsteine, Grauwacken, Schotter, Kies, Sand, Lehm, Löß, Tone, Tuffe u.s.w. Durch Zertrümmerung und Wiederverkittung sind Breccien entstanden. Viele Schichtgesteine sind nachträglich chemisch oder dynamisch umgewandelt worden: Tonschiefer, Phyllite, Quarzite u.s.w. [1]. Das in horizontaler oder normaler, ungestörter Lagerung über einem andern liegende Schichtgestein ist jüngerer Entstehung als dieses. Jedes einzelne Verbreitungsgebiet hat seine besonderen Entstehungsbedingungen und kann in verschiedenen Zeiträumen die gleichen Gesteine erzeugen. Um nun die Reihenfolge der Bildung der Schichtgesteine an verschiedenen Stellen ohne Zuhilfenahme ihrer stofflichen Zusammensetzung oder der sichtbaren Aufeinanderfolge feststellen zu können, verwendet man zur Festsetzung ihrer Bildungszeit oder ihres Alters die Beschaffenheit der Versteinerungen, die in den Schichtgesteinen vorkommen. Die Gesamtheit der Versteinerungen einer Schicht oder einer Gruppe derselben gewährt ein bestimmtes Bild, und überall, wo ein ähnliches Bild der Lebewelt in einer andern, weiter entfernt liegenden Schichtengruppe vorliegt, ist man berechtigt, beiden Schichtengruppen ein annähernd gleiches Alter zuzuschreiben. Hiernach gibt es Gruppen, Formationen, Systeme, Perioden, Stufen u.s.w., von welchen jede eine bestimmte Lebewelt in ihren Versteinerungen aufweist. Die stoffliche Zusammensetzung der einzelnen Schichten kann ähnlich oder gleich sein, ihre verschiedenen Reste von Organismen stempeln sie zu verschiedenzeitigen Bildungen. – Man teilt die Schichtgesteine (Sedimentärformationen) von oben nach unten oder vom Jüngsten zum Aeltesten wie folgt ein: III. Känozoische (känolithische) oder jüngste Periode, Epoche, Aera, Zeitalter. 3. Novär, rezente Formation (historische und prähistorische Zeit). 2. Quartärformation (Glacial-, vor- und nachglaciale Zeit). 1. Tertiärformation (Pliocän, Miocän, Oligocän, Eocän). II. Mesozoische, mesolithische oder mittlere Periode u.s.w. 3. Kreideformation (Senon, Turon, Cenoman, Gault, Neocom). 2. Juraformation (Malm, Dogger, Lias). 1. Triasformation (Keuper, Muschelkalk, Buntsandstein). I. Paläozoische, paläolithische oder älteste Periode u.s.w. 4. Permformation (Zechstein, Rotliegendes). 3. Karbon oder Steinkohlenformation. 2. Devonformation. 1. Silurformation (Cambrium). Die Unterlage der eigentlichen Schichtgesteine bilden die kristallinen Schiefer [2].


Literatur: [1] Zirkel, Lehrbuch der Petrographie, Leipzig 1894, Bd. 3; Weinschenk, E., Allg. Gesteinskunde, 2. Aufl., Freiburg i. B. 1907; Rinne, F., Praktische Gesteinskunde, 2. Aufl., Hannover 1905. – [2] Lehrbücher der Geologie und Gesteinskunde, vgl. Bd. 4, S. 388 und 451.

Leppla.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 615.
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