Cassīni

[740] Cassīni, 1) Giov. Domenico, geb. 8. Juni 1625 in Perinaldo bei Nizza, aus einer adeligen Familie; studirte seit 1644 Astronomie in Bologna u. wurde hier 1650 Lehrer der Astronomie. 1669 ward er von Colbert auf einige Zeit für die Akademie der Wissenschaften nach Paris berufen, wurde das. 1673 nationalisirt u. st. 12. Sept. 1712. Er rectificirte eine früher von Ign. Dante in der Petroniuskirche zu Bologna gezogene Mittagslinie, entdeckte die Jupitertrabanten, bestimmte ihre Umlaufszeiten u. die eigene Bewegung des Jupiter um seine Achse, des Mars u. der Venus; entdeckte 4–5 Saturnustrabanten; stellte zuerst Beobachtungen über das Zodiakallicht an; bestimmte die Rotationsachse des Mondes; verlängerte den von Picard angefangenen, von Lahire bis nördlich von Paris fortgezogenen Meridian bis Roussillon; er schr.: Observ. cometae anni 1652 bis 1653, Mod. 1653; Ephemerides Bononienses, Bol. 1668; Opera astronomica, Rom 1666, Fol.; Selbstbiographie, herausgegeben von seinem Enkel C. de Thury, in Mém. pour servir à l'hist. des sciences, 1810. 2) Jacques, Sohn des Vorigen, geb. in Paris 1677; beschäftigte sich mit physischen Untersuchungen, z.B. mit Vervollkommnung der Brennspiegel, u.a.; wurde 1712 Director der Sternwarte zu Paris; 1717 überreichte er der Pariser Akademie ein wichtiges Werk über die Neigung der Bahnen der Saturnustrabanten u. des Saturnusrings. Gegen die Annahme der Abplattung der Erdkugel nach den Polen zu, behauptete er fälschlich, daß diese in der Erdachse von einem Pol zum andern etwas verlängert sei (De la grandeur et de la figure de la terre, Par. 1720) u. st. 1756; er schr. noch Elémens d'astronomie, Par. 1740 (lat. von Hall); Tables astronom., ebd. 1740, u. m. 3) Cesar Fraç. C. de Thury, Sohn des Vor., geb. in Paris 1714 u. gest. 1784 als Director des Observatoriums in Paris; gab die große Topographische Karte von Frankreich heraus, für welchen Zweck er, da 1756 die Zahlung der von der Regierung dafür verwilligten Summe aufhörte, eine eigene Gesellschaft zum Vorschuß der Kosten zusammenbrachte; er schr. Zusätze zu den Tables astronom, seines Vaters; Description géom. de la France, 1784; u.a. 4) Jacques Dominique, Graf C., des Vorigen Sohn, geb. in Paris 1748, Director des Observatoriums; nahm an der neuen Eintheilung von Frankreich in Departements Theil; vollendete 1789 die von seinem Vater angefangene, aus 180 Blättern bestehende Carte de la France (Carte de l'Académie, Carte de Cassini), wozu bis 1793 noch 4. Bl., Carte d'assemblage u. des triangles, kamen. Sie ist das Modell aller großen Werke dieser Art. Unter mehreren Versuchen einer Verkleinerung derselben ist die von Dumey u. anderen Ingenieurs 1791 unternommene, in welcher sie auf 1/4 reducirt ist, als Atlas national die bekannteste. 1793 wurde C. vom Revolutionstribunal verhaftet, rettete aber sein Leben; doch gingen die Kupferplatten der großen Karte verloren. Er wurde 1816 Mitglied des Generalconseils des Oisedépartements, lebte zuletzt als Privatmann zu Thury sous Clermont u. st. 17. Oct. 1845; er gab heraus Gedichte, 1843. 5) Alex. Henri Gabriel, Vicomte de C., geb. 1781 in Paris, Sohn des Vorigen, wurde 1829 Rath am Cassationshose, 1831 Pair u. st. 1832; er beschäftigte sich bes. mit den Synanthereen, über die er 1813–25 mehrere Abhandlungen drucken ließ, enthalten in seinen Opuscules phytol., Par. 1826, 2 Bde.; dazu ein Supplementband, ebd. 1834.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 740.
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