Flügelschnecken

[388] Flügelschnecken (Stromboideae Cuv., Alata auct.), Familie aus der Ordnung der Kammkiemenschnecken, Gehäuse spindel- od. kegelförmig, gedeckelt, Kanal kürzer od. länger, gerad od. rechts gebogen, die äußere Lippe wird im Alter breit (flügelartig u. heißt dann Flügel) u. bekommt bei einigen finger- od. lappenartige Auswüchse; vor dem Kanale ist eine Ausbiegung zum Hervorstrecken des Kopfes; dazu die Gattung: Flügelschnecke (Strombus L.): a) Wahre F. (Strombus Lam.), Gehäuse bauchig, mit Flügeln ohne Finger, Kanal kurz, Ausschnitt tief, vom Kanale getrennt, Augen auf einem Stielchen an der Seite der Fühlhörner, viele Arten in den Tropischen Meeren, eine un Mittelländischen; Arten: aa) Bewaffnete F. (Fechter, St. pugilis), auf jeder Windung eine Reihe Stacheln; aus dem Mittelmeere; bb) Dianenflügel (St. auris Dianae), länglich-eiförmig, grau, höckerig, querstreifig, Schwanz zurückgebogen, Lippe dick, mit einem fingerförmigen Lappen; aus Ostindien; cc) Riesenflügel (St. gigas), von der Größe eines Kinderkopfes, kreiselförmig, weißlich bis röthlich, Mündung sehr weit u. schön rosenroth, Gewinde mit kegelförmigen Höckern, an 10 Zoll lang u. sehr schwer; häufig an den Antillen; dient jetzt zur Verzierung der Blumenbeete, u. ihre Spindeltheile werden zu Muschelcameen verarbeitet; man nennt sie auch Streitmuschel: dd) Hahn (St. gallus), kreiselförmig, höckerig, quergefurcht, weiß u. rothbraun scheckig, letzte Windung mit großen, dreieckigen, spitzigen Höckern; ee) Kickfrosch (St. lentiginosus), Lippe dreilappig, verdickt, Rücken warzig, Schwanz stumpf; aus Ostindien; von ihm u. einigen anderen Schnecken kommt die Räucherklaue od. Blatta byzantina; ff) Besansegel (St. epidromis), länglich oval, glatt, gelblich, bisweilen gescheckt, Lippenrand rückgebogen; gg) Breitlippe (St. latissimus), groß, bauchig, glatt, gelb u. weiß gefleckt, innen roth, Flügel ragt über den Wirbel; in Ostindien, selten. Als Untergattungen von F. gelten ferner: b) Finger-F. (Pterocera Lam.), Mündungsrand zu langen, dünnen Fingern ausgewachsen; Arten: Krappenschnecke (Pt. Lambis L.), mit 7 geraden, bald ausgebreiteten kürzeren, bald längeren aufsteigenden Fingern, weiß u. braun; Teufelsklaue (Bootshaken, Pt. Chiragra), eiförmig, handgroß, mit den 5 Fingern noch größer, Schnabel krumm, Mündung rosenroth, jung ohne Finger; Scorpion (Pt. Scorpio), Tausendbein (Pt. millepeda) u.a.; c) Schnabel-F. (Rostellaria), Schale spindelförmig, glatt u. endigt sich in eine gerade, schnabelförmige Rinne; Arten: Pelekansfuß (R. pes pelecani), vier fingerförmige Ansätze an der Lippe; Sternspindel (R. fusus), glatt, braun, mit gezähnter Lippe, thurmförmig; diese Untergattung ist auch wieder geschieden in Hippocrena, Montfort), wo der Mundrand ungezähnt ist (Art: H. Fissurella) u. H. Rostellaria, wenn die Mundöffnung gezähnt ist. Einige F. kommen auch versteinert vor, z.B. St. papilionatus, Rostellaria pes pelecani u. costata, Pterocera oceani, u. heißen Alatiten, die mit Fingern insbesondere Strombiten.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 388.
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