Sinfonie

[125] Sinfonie (Symphonie, ital. Sinfonia d.i. Zusammenklang), ein auf das Zusammenwirken des gesammten Orchesters (mit Ausschluß aller [125] Vocalmusik) berechnetes, aus mehren Sätzen bestehendes Musikstück. Sonst nannte man S., was jetzt die Ouverture (s.d.) ist. Erst Haydn, dann Mozart u. Beethoven haben die S. zu dem Grade der Ausbildung u. Vollkommenheit gebracht, daß sie jetzt als Hauptstück aller Kammermusik betrachtet wird; meisterhaft sind auch die von Pleyl, Neukomm, Romberg, Fesca, Spohr u. And. componirten. Die S. besteht gewöhnlich aus vier Sätzen: a) einem ernsten Allegro, welchem manchmal auch eine kurze Einleitung in langsamem Zeitmaß vorangeht; b) einem, Adagio od. Andante; c) einem schnellen Satz im 3/4 od. Takt u. d) einem gewöhnlich lebhaften Schlußsatz od. Finale (Rondo). Bei Mozarts u. Haydns S-n wird der geschwinde Mittelsatz Menuet genannt, bei Andern Scherzo; oft wechseln die beiden Mittelsätze in umgekehrter Ordnung. In der S. macht man von allen Musikstylen Gebrauch. Die größten Künste des doppelten Contrapunkts u. der Fuge u. der höchste Schwung des freien Styls werden angewendet, um die S. lyrisch-romantisch zu machen, wie bes. von Beethoven. Man ging hiermit so weit, die S. zur Darstellung von Begebenheiten od. einzelner Situationen zu den sogenannten Sinfonies à programme, zu machen. Schon Dittersdorf schrieb S-n, welche Fabeln aus Ovids Metamorphosen vorstellen sollten. Zu diesen ist auch Beethovens Schlachtsinfonie, welche die Schlacht bei Vittoria darstellen, u. dessen Pastoralsinfonien, welche das Landleben vorstellen, u. dessen letzte große S. in D moll mit Schillers Lied an die Freude, welche die verschiedenen Arten der Freude schildern soll, zu rechnen. So auch mehre S-n Haydns, welche eine Jagd vorstellen (Jagdsinfonie). Auch gibt es dem Zweck nach verschiedene S-u, wie z.B. Trauersinfonie, Festsinfonie. Haydn hat die S. zu artigen Scherzen benutzt, in der Jahrmarktssinfonie, wo Kinderinstrumente, wie sie auf dem Jahrmarkt verkauft werden, mitwirken, u. in der sogenannten Abschiedssinfonie, wo ein Instrument nach dem andern zu spielen aufhört. Auch gibt es S-n, wo ein od. mehre Instrumente bravourmäßig vorherrschen (Sinfonia concertante) u. welche eigentlich blos in der Form der S. gehaltene Concerte sind.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 125-126.
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