Aemtchen

1. Aemtchen bringt Käppchen.Körte, 153; Pistor., II, 58; Erklärung, 21; Friedrich, Satir. Feldzüge, I, 149.

Schon im wörtlichen Sinne wahr; die gemeinen Mönche tragen blosse Kapuzen, Bischöfe Mützen, Aebte »Käppchen«, Cardinäle Hüte, der Papst eine dreifache Krone u.s.w. Als Sprichwort will es sagen, dass jeder Dienst, jedes auch noch so kleine Amt Vortheile abwirft, und dem, der es bekleidet, per fas oder nefas, sein Unterkommen gewährt. »Werde ein Amtmann; so hast du keine Sorgen«, sagte der Hofnarr fröhlich zum König August, als dieser einst über Sorgen klagte. Die Entstehung des obigen Sprichworts wird so erzählt: Klaus von Ranstät, gewöhnlich Klaus Narr genannt, wollte von seinem Herrn, dem Kurfürsten Ernst von Sachsen, ein Amt haben. Dieser vertraute ihm endlich die Aufsicht über die Speckgewölbe an und gab ihm den Titel [72] Speckmeister. Die Speckseiten wurden ihm zugezählt und er musste Rechnung darüber führen. Dennoch gelang es ihm, seinen Herrn zu betrügen. Er liess sich bei einem Schmiede lange, schmale, dünne und zweischneidige Messerchen machen. Mit diesen Instrumenten und einem Kohlenbecken versehen, ging er des Nachts in sein Specklager, machte die Messerchen eins nach dem andern glühend, fuhr damit in die Speckseiten, deren jede einiges Fett fahren lassen musste, das er in einem Gefäss auffing. Wenn er eine Menge gesammelt hatte, verkaufte er es. Nach einiger Zeit erschien er mit einer rothen Kappe, wie man sie damals bei Hofe trug, statt der gewöhnlichen Narrenkappe. Als der Kurfürst den Klaus fragte, woher er die Kappe habe, erwiderte er immer nur die geheimnissvollen Worte: »Aemtchen bringt Käppchen.« Bei Untersuchung der ihm übergebenen Speckvorräthe fand man der Zahl nach alles richtig; aber er selbst gestand nachher seinem Gebieter, dass mehrere der dort hängenden Speckseiten nichts seien, als die äussere Hülle derselben, indem er es gemacht habe, wie alle andern Beamten, die das Fett des Landes sich selbst zueigneten und ihrem Gebieter die leeren Hülsen liessen. Etwas davon abweichend erzählt Agricola in seinen Sprichwörtern (Nr. 290) den Ursprung desselben, umständlicher Kaspar Henneberger in der »Preussischen Chronik« (S. 479) und aus ihr Gregor Richter in seinem »Axiom. polit.«, S. 805. (Vgl. auch Bragur, von Gräter, Bd. 6, Abth. 2.) (S. Amt.)

Frz.: Il n'y a point d'emploi sans bénéfice. – On ne peut manier le beurre, qu'on ne s'engraisse les doigts.

Lat.: Quodlibet officium lucri pinguedine crassum.


2. Es ist kein Aemtchen so klein, es trägt was ein, sagte des Küsters Frau, da hatte sie das Oel aus der Kapelle genommen.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu2.

Holl.: Geen officie zoo klein, of het is beter dan niets. (Harrebomée, II, 132b.)


3. Et es geen Aemtchen esu kleng, et es hengens werth.Firmenich, I, 992.

»Doch werden wir durchs Sprichwort glert: ein jedes Ampt ist henckenswerdt.« (Waldis, II, 47.)


4. Ke Aembke, of et schmett1 München.Firmenich, III, 515, 1.

1) Färbt ab, wirft etwas ab.


5. Nichen Aemtchen ône Schlemtchen.Schuster, 988.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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