Camaldulenser

[367] Camaldulenser. Dieser Einsiedler-Mönchsorden wurde 1012 vom h. Romuald gestiftet, der um 955 zu Ravenna aus dem edlen Geschlechte Onesti geboren ward und nach seiner in Üppigkeit und Ausschweifungen verbrachten Jugend durch sein erwachtes Gewissen und einen unglücklichen Zweikampf, dem er gezwungen beiwohnte und bei welchem sein Vater einen nahen Verwandten tödtete, sich bewogen fand, in einem Kloster 40 Tage Buße zu thun. Allein auf Zureden eines frommen Mönchs ließ er sich gegen seines Vaters Willen in den Orden aufnehmen, beobachtete mit der größten Strenge die Klosterregeln und erbitterte endlich durch sein beschämendes Beispiel und seinen Tadel die andern Klosterbrüder so, daß sie ihm nach dem Leben trachteten, worauf er sich mit Erlaubniß des Abts entfernte, erst im Venetianischen, dann in Catalonien als Einsiedler lebte, endlich aber nach Italien zurückkehrte. Hier traf er seinen Vater im Kloster, anfangs der Welt zu entsagen entschlossen, was ihm aber bald wieder leid ward, sodaß Romuald's geistlicher Eifer ihn nur dadurch im Kloster zurückhalten konnte, daß er ihn fesseln und einkerkern ließ, was nebst fleißigem Fasten endlich seine Bekehrung zum Mönchsleben zur Folge hatte. Romuald kam nun in den Ruf der Heiligkeit, seine strenge Lebensweise machte ihn aber den Klosterleuten verhaßt, sodaß er sich zuletzt in eine abgelegene Gebirgsgegend im jetzigen Großherzogthume Toscana zurückzog, die Camaldoli heißt. Hier sah er im Traume weißgekleidete Männer auf einer himmelhohen Leiter auf- und niedersteigen, erkannte darin den göttlichen Befehl zur Stiftung eines Ordens, gründete jedoch zuerst eine Brüderschaft von Einsiedlern, die von ihrem ersten Aufenthaltsorte Camaldulenser genannt wurden, eine weiße Ordenstracht annahmen, nur Brot, Wasser und wöchentlich zweimal Gemüse genossen und Fleisch blos den Kranken erlaubten. Später stiftete er auch Klöster nach dieser Regel, wurde nach seinem 1037 erfolgten Tode heilig gesprochen und die katholische Kirche bestimmte den 7. Febr. zu seiner Gedächtnißfeier. Der Camaldulenserorden erhielt 1072 die päpstliche Bestätigung, auch entstanden 1086 Camaldulenser Nonnen und die Strenge seiner Regel ward 1102 etwas gemildert; da er jedoch sich nur Bußübungen und dem beschaulichen Leben hingab, so kam er nie zu großem Ansehen und obgleich er zu Anfange des 18. Jahrh. noch in fünf Congregationen bestand, besitzt er gegenwärtig außer Camaldoli selbst, nur im Kirchenstaate und in Neapel einige seit 1822 wiederhergestellte Einsiedeleien. Aus dem Worte Camaldulenser bildete sich durch Entstellung der Spottname Calmäuser, welcher Personen beigelegt wird, die ein zurückgezogenes, einsiedlerisches Leben führen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 367.
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