Franklin

Franklin

[79] Franklin (Benjamin), der Erfinder des Blitzableiters, der Befreier Nordamerikas, wurde am 17. Jan. 1706 zu Boston in Nordamerika geboren.

Er war der Sohn eines armen Seifensieders und lernte die Buchdruckerei. Seine Mußestunden benutzte er, um die wenigen ihm zugänglichen Bücher zu studiren. Mit Hülfe mehrer Freunde gelang es ihm, 1728 in Philadelphia eine eigne Druckerei zu errichten. Er gab eine Zeitung und einen jährlichen Almanach heraus, welche seinen Namen bald bekannt machten, während ein Papierhandel seine Vermögensumstände verbesserte. Er legte 1731 die erste öffentliche Bibliothek Amerikas an, und gründete 1738 in Philadelphia die erste Hülfs- und Versicherungsgesellschaft gegen Brandschäden. Durch seine Untersuchungen über das Wesen der Elektricität, die ihn unter [79] Anderm auf die Erfindung des Blitzableiters (s. Blitz) führten, machte sich F. in der ganzen gebildeten Welt berühmt, und empfing von allen Seiten die Beweise der ehrenvollsten Anerkennung. Die engl. Regierung machte ihn zum Generalpostmeister aller engl.-amerikan. Colonien, welche Stelle mit sehr bedeutenden Einkünften verbunden war. Dennoch trat F. bei den Streitigkeiten, welche zwischen Amerika und England eintraten und denen endlich Amerika seine Freiheit verdankte, auf die Seite seines gekränkten Vaterlandes. Mit Muth und Begeisterung sprach er in London für die Interessen desselben, und verlor daher seine Stelle als Generalpostmeister. Als bevollmächtigter Gesandter begab er sich 1776 nach Paris und unterhandelte mit dem franz. Hofe über die Anerkennung der Vereinigten nordamerikan. Freistaaten, welche er 1778 bewirkte. Er war es auch, der 1783 mit den engl. Geschäftsführern zu Paris die ersten Friedensunterhandlungen unterzeichnete, welche die Unabhängigkeit Nordamerikas sicherten. Die franz. Akademie nahm F. als Mitglied auf und der berühmte d'Alembert begrüßte ihn in derselben mit dem prunkenden, aber wahren Verse:


»Er entriß dem Himmel den Blitz, den Tyrannen das Scepter


Bei seiner Rückkehr ins Vaterland wurde F. mit begeisterter Liebe und Verehrung empfangen und noch in seinem 79. Jahre zum Präsidenten des Congresses in Pennsylvanien erwählt. Als die Nachricht von seinem am 17. Apr. 1790 in Philadelphia erfolgten Tode nach Frankreich kam, legte die Nationalversammlung in Paris eine dreitägige Trauer um ihn an. F. war ein Mann von den einfachsten und liebenswürdigsten Sitten, von den strengsten Grundsätzen, von dem klarsten Verstande. Er war unermüdlich thätig, unbestechlich rechtschaffen und lehrte diese Tugenden und seine schlichte Lebensweisheit in dem Muster eines Volksbuches: »Sprüchwörter des alten Heinrich, oder die Weisheit des guten Richard«, welches 1757 in Philadelphia erschien. Seinen anspruchslosen und frommen Sinn drückt auch die Grabschrift aus, die er sich selbst setzte: »Hier liegt der Leib Benjamin Franklin's, eines Buchdruckers (gleich dem Deckel eines alten Buches, aus welchem der Inhalt herausgenommen und der seiner Inschrift und Vergoldung beraubt ist), eine Speise für die Würmer; doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern (wie er glaubt) dermaleinst erscheinen in einer neuen schönern Ausgabe, durchgesehen und verbessert von dem Verfasser.«

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 79-80.
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