China (Frauen)

[369] China (Frauen). Sie sind zart gebaut, haben einen lichtern Teint als die Männer, kurze Nase, kleine, schwarze, feurige Augen, einen kleinen Mund mit purpurrothen Lippen, eine volle und doch graziöse Gestalt. Im nördlichern Theile sind sie von blendend weißer Hautfarbe, zerstören sie aber durch den häufigen Gebrauch der Schminke. Im Ganzen sind sie, selbst in den Augen[369] des Europäers, reizend, besonders anmuthig kleidet sie ein steter Hang zum Lächeln. Einer ihrer Hauptreize (für den Chinesen) besieht in dem kleinen, winzigen Füßchen, um das sie wohl von mancher eitlen Europäerin beneidet werden. Aber dieses Haupterforderniß dortiger Schönheit müssen sie auf Kosten peinlicher Schmerzen und der Grazie einer freien Bewegung erkaufen. Schon in zarter Kindheit werden ihnen die Zehen gewaltsam unter die Fußsohlen gebunden, der Fuß selbst auf jede mögliche Weise gepreßt und eingeengt, so daß ihnen das Gehen sehr beschwerlich fällt. Freilich ist so ein stumpfes Füßchen dann nur 4–5 Z oll lang! Von einer öffentlichen Geltung, von Geselligkeit, von einer Rangstufe in der Gesellschaft wissen sie nichts. Sie sind Sclavinnen und haben, wenn sie die erste, rechtmäßige Frau sind, nur den Trost, Sclavinnen noch unter sich, (nämlich die unrechtmäßigen Frauen) zu haben. Die Gesellschaft der Männer dürfen und können sie durch ihre Unterhaltung nicht beleben. Der Schwiegervater darf vom Trauungstage an die Schwiegertochter nicht wieder sehen; er muß sich hinwegwenden, wenn sie ihm im Hause einmal zufällig begegnen sollte. Auch den nächsten Verwandten ist es nicht gestattet. Nur einmal im Jahre, am Neujahrstag darf die Frau, tief verschleiert, im Palankin oder im Wagen auf die Straßen und kann ihre Verwandten besuchen. Der junge Mann erhält die Braut von ihrem Vater um einen Kaufpreis. Bis dahin kennt er sie nur durch Schilderungen, erst am Hochzeitstage bekommt er sie zu sehen, doch geschieht dies durch heimliche Vermittelung alter Dienerinnen und Basen zuweilen früher. Die Braut wird am Hochzeitstage in einem verschlossenen Palankin, von Spielleuten und Fackelträgern begleitet, nach der Wohnung des Bräutigams getragen; auf halbem Wege begegnet er ihr in einem mit Ochsen bespannten Wagen. Hier empfängt er den Schlüssel zum Palankin, steigt aus, öffnet, und die Schöne zeigt sich ihm zum ersten Male ohne Schleier. Gefällt sie ihm nicht, so schickt er sie zurück und büßt den Kaufpreis ein. Von einer vorhergehenden[370] Neigung, von den Süßigkeiten, Zärtlichkeiten des Brautstandes, von einer Seelenliebe, von einer moralischen Werthschätzung, der Basis einer dauernden Liebe und des folgenden Eheglückes, ist keine Rede! – Im Hause des Bräutigams, unter fortwährendem, betäubendem Musiklärm angekommen, nimmt sie an seiner Seite Platz, spricht mit ihm unter verschiedenen Bewegungen das Gebet Tien, trinkt einen Becher Wein, entschleiert sich auf einen Augenblick vor den Gästen und tritt in das Brautgemach. Von diesem Augenblicke an bemächtigt sich ihrer, beim Mangel aller Geistesthätigkeit, die peinlichste Langeweile, und um diese zu bannen, greift sie zur Tabakspfeife. Wer möchte ihnen ein solches Leben mißgönnen? – Will sich der Mann scheiden lassen, so werden keine großen Schwierigkeiten gemacht. Schon die erwiesene Geschwätzigkeit einer Frau ist ein vollgiltiger Scheidungsgrund. – Ihre Tracht ist im Ganzen sehr einfach, sie kennen keine Moden. Die Art, das Haar zu tragen, kleidet sie gut; sie ist in Europa, wo sie noch vor Kurzem herrschte, genugsam bekannt. Ihre Kleidung gleicht der männlichen beinahe ganz, bis auf den Schleier. Der Rock ist weit, vorn ganz geschlossen, und bedeckt sogar die Fußspitzen. Die Aermel würden die Lenden berühren, wenn man sie nicht zurückschlüge. In den Haaren tragen sie oft künstliche Blumen, Nadeln, schöne Schmetterlinge, welche gegen die Schwärze des Haares angenehm abstechen, Verheirathete Frauen verdecken ihr Gesicht bei festlichen Veranlaffungen nicht, und so ist es reisenden Europäern möglich gewesen, uns ihre Reize zu schildern. Mädchen tragen als Kopfputz eine Art Krone aus Pappe, die mit Seidenzeug, Diamanten, Perlen etc. bedeckt ist. – Ist eine Frau untreu, so kann sie der Mann als Sclavin verkaufen. Die Frauen erben niemals vom Manne, doch setzt er ihr willkürlich ein Geschenk im Testamente aus. Schon vom 9. Jahre trägt jedes Mädchen Pfeife und Tabak bei sich. Ihre Arbeiten bestehen im Sticken, auch malen sie Vögel, Blumen etc. auf Gaze. – Und um dieses Leben, – wenn man es nicht lieber Vegetiren[371] nennen will – um diese Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, dürften wohl die Chinesinnen von keiner Europäerin beneidet werden! –

–n.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 2. Leipzig 1834, S. 369-372.
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