Galizien und Lodomerien

[295] Galizien und Lodomerien, Königreich, östreichische Provinz, von 1550 Quadrat Meilen, mit 4,500,000 Einwohnern, grenzt an Schlesien, Ungarn, Rußland und die Moldau, bildet den nordöstlichen Abhang des Karpathenhochlandes, woselbst die Flüsse Dnister, Pruth und Bug entspringen. Im Uebrigen ist das ganze Land Hochebene, der Boden in den Flächen meist sandig und von Seen, Sümpfen und Wäldern durchschnitten. Das Klima ist hier rauher als in Deutschland und zum Weinbau nicht geeignet; aber an Getreide und Salz hat das Land Ueberfluß. Häufig ist der Zuckerahorn, aus welchem viel Zucker bereitet wird. Hanf, Flachs und Tabak wird wenig gebaut. Die Karpathen sind reich an Kupfer, Eisen, Blei, Steinkohlenlagern, Schwefel, Kalk, Gips, Thon, Bernstein. Pferde und Gänse, so wie Wild, gibt es in Menge, unter Letzteren selbst Bären und Wölfe. Die Einwohner sind größtentheils Polen, doch findet man auch Deutsche, Russen, Walachen, Juden, viele Armenier, Griechen, Zigeuner. Die Industrie ist nicht bedeutend, doch gibt es Tuchfabriken, Gerbereien, Eisenwerke,[296] Glashütten, Oelmühlen, Salpetersiedereien. Die Hauptstadt ist Lemberg (s. d.). Wieliczka (s. d.), mit 3500 Einwohnern, ist berühmt wegen seiner Salzbergwerke, die bis zu einer Tiefe von 100 Fuß reichen, und worin stets über 900 Menschen beschäftigt sind.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 4. [o.O.] 1835, S. 295-296.
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