Bosporanisches Reich

[256] Bosporanisches Reich, Reich des Altertums, umfaßte die von Griechen (Milesiern) kolonisierten Landschaften am Kimmerischen Bosporus (Straße von Kertsch). Die wichtigsten Städte waren Pantikapäon in der Krim und Phanagoria auf asiatischer Seite. Seit 438 v. Chr. herrschte nach den Archäanaktiden (480–438) eine mit Spartokos beginnende Reihe von »Archonten« und Königen, die mit Athen besonders zur Zeit des Lysias, Isokrates und Demosthenes in lebhafter Verbindung stand. Der letzte dieser Könige, Pärisades V., übergab, von dem Skythen Skiluros bedrängt, seine Herrschaft um 114/113 v. Chr. dem König Mithradates VI. von Pontus, dessen Feldherr Diophantos die Skythen vertrieb. Nach Mithradates' Tod erhielt sein Sohn Pharnakes für die Unterstützung, die er den Römern im letzten Kriege gegen Mithradates geleistet, von Pompejus das Bosporanische Reich (63–47 v. Chr.). Des Pharnakes Feldherr und Nachfolger Asander (47–19 v. Chr.) befestigte den Isthmos; seine Witwe Dynamis vermählte sich mit einem gewissen Scribonius, der von Augustus[256] als König anerkannt zu sein behauptete. Nach dessen Ermordung erhielt, mit Augustus' Zustimmung, König Polemo von Pontos die Hand der Dynamis und die Herrschaft über das Bosporanische Reich (15 v. Chr.), das von jetzt an in Abhängigkeit von Rom blieb; die Könige bezogen Jahrgelder. Seit 250 n. Chr. geriet das Reich in Bedrängnis durch die Goten; der letzte durch Münzen bezeugte König des Bosporanischen Reiches ist Rheskuporis V. (bis 335). Hierauf folgte die Völkerwanderung, in deren Stürmen das Bosporanische Reich unterging.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 256-257.
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