Körperbemalung

[509] Körperbemalung (Hautbemalung), weitverbreitete uralte Sitte der Naturvölker, ihre natürliche Hautfarbe durch fremde Zutaten zu »verschönern«, oder auch ihrer Gesamterscheinung durch maskenartige Zeichnung und Bemalung ein Ansehen von erschreckender Wildheit zu geben. Die Leichenbemalung ist durch Schillers »Nadowessische Totenklage« bekannt, und auf Wohnplätzen und in Gräbern der Steinzeit findet man Rötel- und Kreidestücke, zuweilen, wie in Schussenried, bereits mit Fett zur Pasta bereitet, und selbst rotbemalte Schädel, Skelette und Mumien, wie sie bei den Schingustämmen Brasiliens noch jetzt gebräuchlich sind, hat man häufig, z. B. in den Höhlen von Mentone, gefunden. Nach Cäsar bemalten sich die Britannen mit Waid, und nach Tacitus zog der mitteleuropäische Stamm der Arier mit wildbemalten Gesichtern in den Krieg. Bei der K. der heute lebenden Naturvölker treten vier Hauptzwecke hervor: 1) Erhöhung der Hautfarbe durch lebhaftere Farbentöne; 2) Schutz gegen Insektenstiche, Sonnenbrand und Kälte durch dick aufgetragene Farben; 3) Trauer- und Büßerbemalung; 4) Stammes- und Ehrenzeichen, Wichtigtuerei durch ausgemalte Narben und drohendes Aussehen für den Kampf (Kriegsmalerei). Zur Erhöhung der Hautfarbe ist Rot am beliebtesten, namentlich bei amerikanischen Stämmen, die weniger nach ihrer natürlichen Hautfarbe als nach der bei ihnen beliebten Rotfärbung: Rothäute, Colorados, Guaranis benannt wurden. Auch in Australien und Afrika ist Rotfärbung sehr beliebt, daneben hier auch weiße Ornamente, während die Sioux und Schwarzfußindianer sowie die Mayas in Yukatan u. a. neben Rot namentlich Blau verwenden. Die Malaien erhöhen ihre natürliche Hautfarbe vielfach noch durch Pigmentgelb, und bei den Orientalen ist die Orangegelbfärbung der Fingerspitzen, Nägel und Haare durch Henna (s. Lawsonia) weit verbreitet. Schwarz, Rot, Blau und Weiß werden oft gemeinsam zu Hautmalereien verwendet, um Antlitz und Körper mit zebraartiger Streifung, Arabesken und Mustern aller Art zu versehen und dämonisch zu erscheinen, wozu namentlich grellfarbige Ringe um die Augen dienen. Herodot erzählt von den Äthiopiern, daß sie eine Körperhälfte rot, die andre weiß anstrichen, und Plinius von den Agathyrsen (im heutigen Siebenbürgen), daß sie das Haar grün färbten. Oft werden auch metallisch glänzende Streifen durch Aufstreuen von Glimmer und Eisenkies erzeugt. S. Tätowieren. Vgl. Joest, Tättowieren, Narbenzeichnen und Körperbemalen (Berl. 1887).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 509.
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