Schérer

[742] Schérer (spr. -rǟr), 1) Barthélemy Louis Joseph, franz. General, geb. 18. Dez. 1747 in Delle bei Belfort, gest. 19. Aug. 1804, trat in österreichische, dann in holländische Kriegsdienste und wurde 1791, nach Frankreich zurückgekehrt, Kapitän in einem Linienregiment. 1793 machte er den Feldzug am Rhein mit und erhielt 1794 den Befehl über eine Division der Sambre- und Maasarmee. Da er mehrere Vorteile über die Österreicher erfocht, ward er 1795 mit dem Oberkommando der Alpen- und dann der Ostpyrenäenarmee betraut. Nach dem Baseler Friedensschluß übernahm er den Oberbefehl in Italien, gab ihn aber, da ihm seine Untätigkeit nach dem Siege bei Loano (23. und 24. Nov.) zum Vorwurf gemacht wurde, 23. Febr. 1796 an Bonaparte ab. 1797–99 Kriegsminister, wurde er 1799 an Jouberts Stelle abermals nach Italien geschickt. Aber 26. März bei Pastrengo, am 30. bei Verona und 5. April bei Magnano von den Österreichern unter Kray geschlagen und hinter den Mincio und Oglio zurückgedrängt, trat er das Kommando an Moreau ao und zog sich auf sein Landgut Chauny (Ain) zurück. Zu seiner Rechtfertigung schrieb er: »Précis des opérations militaires de l'armée d'Italie depuis le 21 ventôse jusqu'au 7 floréal de l'an VII« (Par. 1799).

2) Edmond, franz. Theolog der kritischen Schule, geb. 8. April 1815 in Paris, gest. 16. März 1889 in Versailles, studierte in England und zuletzt in Straßburg Theologie und wurde 1845 in Genf Professor der Exegese. Als sich aber seine inzwischen anders gewordenen religiösen Überzeugungen mit dieser Stellung nicht mehr vertrugen, trat er 1850 zurück, siedelte 1860 nach Versailles über und wurde ein Haupt der liberalen Bewegung innerhalb der französisch-protestantischen Kirche, unter der Republik auch lebenslängliches Mitglied des Senats. Mit Colani war er eine Zeitlang Herausgeber der »Revue de théologie et de philosophie chrétienne«, dann Mitredakteur der »Bibliothèque universelle« in Genf und Mitarbeiter am Pariser »Temps«. Er veröffentlichte: »La critique et la foi« (Par. 1850); »Alexandre Vinet, notice sur sa vie, ses écrits« (1853); »Mélanges de critique religieuse« (1860); »Lettre á mon curé« (1853, 3. Aufl. 1890); »Etudes critiques sur la littérature contemporaine« (1863–95, 10 Tle.); »Mélanges d'histoire religieuse« (2. Aufl. 1865); »Etudes critiques de littérature« (1876); »Diderot, étude« (1880); »La démocratie et la France« (1883); »Melchior Grimm« (1887); »Etudes sur la littérature an XVIII. siècle« (1891). Vgl. Gréard, Edmond S. (Par. 1890).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 742.
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