Spitzmäuse

[770] Spitzmäuse (Soricidae), Familie der Insektenfresser, kleine Tiere vom Habitus der Ratten und Mäuse, mit schlankem Leib, langem Kopf, gestrecktem Schnauzenteil, sehr vollständigem Gebiß, meist kleinen Augen und Ohren, fünfzehigen, bekrallten Füßen und einen moschusähnlich riechenden Stoff absondernden Drüsen an den Seiten des Körpers oder an der Schwanzwurzel. S. finden sich in der Alten Welt und Amerika und sind durch Vertilgung schädlicher Insekten sehr nützlich. Die Waldspitzmaus (Sorex vulgaris L., s. Tafel »Insektenfresser II«, Fig. 3), 6,5 cm lang, mit 4,5 cm langem, gleichmäßig behaartem Schwanz, ist rotbraun, an den Seiten lichter, unterseits graulichweiß, mit langen, schwarzen Schnurren, findet sich weitverbreitet in Europa, in der Ebene und im Gebirge, am häufigsten in feuchten Wäldern, an Flüssen und Teichen, ist durchaus ungesellig und lebt in selbstgegrabenen oder schon vorhandenen unterirdischen Gängen. Im Winter kommt sie in Ställe, Scheunen und Wohnhäuser. Sie jagt nur nachts, ist höchst blutgierig und frißt außer Insekten und Würmern auch Mäuse und S. Sie wirft zwischen Mai und Juli im Mauerwerk oder unter hohlen Baum wurzeln in einem selbstgebauten Nest 5–10 Junge. Da sie sehr stark moschusartig riecht, wird sie von der Katze zwar getötet, aber nicht gefressen; nur einige Raubvogel, Storch und Kreuzotter verschlingen sie. Ehemals galt sie als sehr heilkräftig und als höchst giftig. Die Zwergspitzmaus (es. pygmaeus Pall.), 4,6 cm lang, mit 3,4 cm langem Schwanz, oberseits dunkel graubraun, an den Seiten mit gelblichem Anflug, unterseits weißgrau, findet sich in fast allen Ländern Europas, in Nordasien und Nordafrika, in Wäldern und in der Nähe von Gebüsch und hat wesentlich dieselbe Lebensweise wie die vorige. Die Hausspitzmaus (Crocidura aranea Wagn., s. Tafel »Insektenfresser II«, Fig. 4), 7 cm lang, mit 4,5 cm langem Schwanz, aus dem Pelz deutlich hervortretenden Ohren und langen, zerstreut[770] stehenden Wimperhaaren auf dem Schwanz, oberseits braungrau, unterseits hellgrau, bewohnt Nordafrika und fast ganz Europa, besonders Felder und Gärten, jagt allerlei kleine Tiere, siedelt sich gern in Gebäuden an und benascht Fleisch, Speck und Öl. Das Weibchen wirft 5–10 Junge, die schon nach sechs Wochen ziemlich erwachsen und selbständig sind. Die Feldspitzmaus (C. leucodon Bonap.), 11 cm lang, mit 2,5 cm langem Schwanz, oberseits dunkelbraun, unterseits weiß, bewohnt Felder und Gärten Mitteleuropas. Die Wimperspitzmaus (C. etrusca Wagn.), 4 cm lang, mit 2,5 cm langem Schwanz, neben einer Fledermaus das kleinste Säugetier, mit verhältnismäßig sehr großer Ohrmuschel, ist hellbräunlich, lebt in den Mittelmeerländern und am Schwarzen Meer, am liebsten in Gärten und Gebäuden. Die Wasserspitzmaus (Crossopus fodiens Wagn., s. Tafel »Insektenfresser II«, Fig. 5), 6,5 cm lang, mit 5,3 cm langem Schwanz, mit steifen Borstenhaaren ringsum an den Füßen und Zehen und mit einem Kiel von ebensolchen Borstenhaaren längs der Mitte der Unterseite des Schwanzes, ist meist oberseits schwarz, unterseits weißlich, findet sich zuweilen in erstaunlicher Menge in Mittel- und Südeuropa und in einem Teil Asiens, bewohnt fließende und stehende Gewässer besonders gebirgiger Gegenden, geht auch auf Felder und in Gebäude, schwimmt vortrefflich, wobei ihr die Borstenhaare gute Dienste leisten, und bleibt dabei vollständig trocken. Sie ist im Verhältnis zu ihrer Größe das furchtbarste Raubtier, frißt namentlich auch Lurche, Fische, Vögel und kleine Säugetiere und wird dadurch der Teichwirtschaft schädlich. Das Weibchen wirft in einem kleinen Kessel, der mit Moos ausgekleidet wurde, 6–10 Junge. In der Gefangenschaft sind S. schwer zu erhalten.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 770-771.
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